{"version":"1.0","provider_name":"Pferdegesundheitsakademie","provider_url":"https:\/\/pferdegesundheitsakademie.de","author_name":"Dr. Kai Kreling","author_url":"https:\/\/pferdegesundheitsakademie.de\/author\/ar\/","title":"Chip in der Pferdezucht \u2013 was kann man dagegen tun?","html":"<img class=\"alignnone  wp-image-3299\" src=\"https:\/\/pferdegesundheitsakademie.de\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/Chip-im-Fessegelenk-web.png\" alt=\"\" width=\"180\" height=\"270\" \/>\r\n\r\nDas Fohlen kommt und alles ist gut. Doch auf dem Weg zum erwachsenen Reitpferd vergehen mindestens drei Jahre. W\u00e4hrend dieser Zeit werden die Weichen f\u00fcr eine belastbare Karriere als Sportpferd und damit auch f\u00fcr den sp\u00e4teren Wert des Pferdes gestellt. Ein wesentliches Thema in der Pferdezucht sind die sogenannten \u201eChips\u201c. Dieser Begriff hat sich \u00fcber die Jahre in Pferdekreisen f\u00fcr die Bezeichnung freier Gelenksk\u00f6rper eingestellt. Chips sind keine \u201eneue Krankheit\u201c wie viele behaupten. Diese freien Gelenksk\u00f6rper gab es schon immer, nur wurde das Entstehen eines Chips fr\u00fcher mit einem Anschlagen oder Vertreten des Pferdes erkl\u00e4rt. Heute wei\u00df man, dass die Entstehung von freien Gelenkk\u00f6rpern anders verl\u00e4uft.\r\n<h2><strong>Wie entstehen \u201eChips\u201c im Gelenk? <\/strong><\/h2>\r\nW\u00e4hrend der Entwicklung junger Pferde kommt es bei ca. 30 % der Fohlen eines Jahrganges zu einer Stoffwechselst\u00f6rung der Knorpel-Knochengrenze. Die Folge sind Verdickung der Knorpelschicht, schlechte Versorgung des Knorpels und einem teilweise Abl\u00f6sen von Knorpelst\u00fccken aus der Knorpeloberfl\u00e4che im Gelenk. Der so abgel\u00f6ste Knorpel verkn\u00f6chert w\u00e4hrend er frei im Gelenk herumschwimmt. Man nennt den Erkrankungskomplex, der die Abl\u00f6sung von Knorpelanteilen aus der Gelenksfl\u00e4che verursacht in der Fachsprache auch Osteochondrosis dissecans \u2013 OCD.\r\n\r\nDer so entstandene freie Gelenksk\u00f6rper reizt das Gelenk, f\u00fchrt zu einer Entz\u00fcndung der Gelenkskapsel und eine Gelenksschwellung ist die akute Folge. Im R\u00f6ntgenbild sind freie Gelenksk\u00f6rper leicht festzustellen.\r\n<h2><strong>Symptome eines \u201eGelenkchips\u201c beim jungen Pferd <\/strong><\/h2>\r\n<ul>\r\n \t<li>Schwellung der gro\u00dfen Gelenk wie Kniegelenk, Sprunggelenk oder auch Fesselgelenke<\/li>\r\n \t<li>Steifer Bewegungsablauf bis hin zu<\/li>\r\n \t<li>Unterschiedlich ausgepr\u00e4gten Lahmheiten<\/li>\r\n<\/ul>\r\n<h2><strong>Wie kommt es zur Entwicklung von freien Gelenksk\u00f6rpern? <\/strong><\/h2>\r\nDie Vererbung spielt bei der Entstehung eine gewisse Rolle. Ca. 25% Anteil an der Entstehung von freien Gelenksk\u00f6rpern wird der Vererbung \/ Genetik zugeordnet. Aber daneben sind noch andere Faktoren f\u00fcr das Auftreten verantwortlich. Bewegung des jungen Fohlens in nat\u00fcrlicher Art und Weise f\u00fchrt zu einer Stoffwechselaktivierung. Haben junge Pferde nicht gen\u00fcgend Auslauf, steigt das \u201eChiprisiko\u201c deutlich an. Falsche Ern\u00e4hrung und fehlende Spurenelemente sind ebenfalls wesentliche Einflussfaktoren. Zu stark gef\u00fctterte Pferde entwickeln sich zu schnell und werden auch noch zu schwer. Beides f\u00fchrt zu einer unphysiologischen Entwicklung mit einem deutlich erh\u00f6htem \u201eChiprisiko\u201c. Kupfer, Selen und Zink geh\u00f6ren in das Ern\u00e4hrungsprogramm einer Fohlenaufzucht genau wie Kalzium, Magnesium und Phosphor. Speziell in Gegenden mit einem geringen Kupfergehalt im Boden und damit auch einem geringen Kupfergehalt im Heu ist die H\u00e4ufigkeit von freien Gelenksk\u00f6rpern h\u00f6her als in Gegenden mit ausreichender Kupferversorgung.\r\n<h2><strong>Was tun, wenn ein Chip festgestellt wird? <\/strong><strong>\u2028<\/strong><\/h2>\r\nJetzt kann man mit Ern\u00e4hrung und Bewegung nicht mehr korrigieren. Die meisten Pferde sind auch mit einem Chip im Sport einsetzbar. Kommt es zu einer Lahmheit oder will z.B. ein K\u00e4ufer den Chip entfernt haben, so ist das m\u00f6glich. Eine Operation mittels Arthroskopie kann die freien Gelenksk\u00f6rper entfernen. Die Methode der Arthroskopie hilft mittels zweier kleiner Schnitte im Gelenk sehr schonend zu operieren. Mit einer Optik wird das Gelenk gesichtet und durch den zweiten Zugang f\u00fchrt der Operateur die Zange oder K\u00fcrette ein. Der Chip wird so entfernt, das Gelenk gesp\u00fclt und wieder verschlossen. Die Technik ist einfach, aber die Kosten daf\u00fcr nicht unerheblich. Besser als eine Operation ist die Prophylaxe, die die Gefahr der Entstehung eines Chips minimiert.\r\n<h2><strong>Wie kann man der Entstehung von freien Gelenksk\u00f6rpern vorbeugen? <\/strong><\/h2>\r\nDie Auswahl der Elterntiere sollte sich auch auf deren Gesundheit beziehen. Zwar ist die Beteiligung an der Entstehung von Gelenksk\u00f6rpern nur zu 25% erblich, doch reduziert die Auswahl eines Hengstes ohne diese Veranlagung die Wahrscheinlichkeit der Entwicklung von \u201eChips\u201c.\u2028Ist das Fohlen geboren, sollte es vom ersten Tag an Bewegung bekommen. Bewegung hei\u00dft, dass sich das Fohlen mit seiner Mutter auf der Weide bewegen soll wie es m\u00f6chte. Forciertes Bewegen in der Halle oder auf dem Platz ist zu stark belastend und f\u00f6rdert eher die Knorpelabl\u00f6sung als sie zu verhindern. Auch das Mitlaufen des Fohlens w\u00e4hrend die Mutter geritten wird sollte in den ersten Lebensmonaten unterbleiben.\r\n\r\nGenetik und Bewegung sind wichtige Faktoren in der Gesundheitsprophylaxe eines Pferdes. Der fast wichtigste Anteil in der Vorbeuge wird durch eine gezielte Ern\u00e4hrung erreicht. Energie in Form von Kraftfutter muss sehr genau berechnet werden. Zu viel Energie, vor allem in Form von St\u00e4rke\/Zucker, belastet den Organismus und f\u00fchrt zu Entwicklungsst\u00f6rungen. Fett in Form von \u00d6l kann dagegen bis zu 10% der Gesamtration Krippenfutter als Energietr\u00e4ger erg\u00e4nzen. Gleichzeitig muss die Getreideration deutlich reduziert werden.\r\n\r\nNeben der Energie muss eine ausbalancierte Spurenelementversorgung gew\u00e4hrleistet sein. Viel hilft viel \u2013 ist aber auch hier nicht das richtig Prinzip! Die Bestimmung der Spurenelemente Kupfer, Selen und Zink sowie Kalzium, Phosphor und Magnesium im Grundfutter wie dem Heu oder Silage sind wichtige Voraussetzungen f\u00fcr die Rationsberechnung. Ziel ist es, ca. 100 % des t\u00e4glichen Bedarfes an diesen Stoffen regelm\u00e4\u00dfig zu decken. Bis zu 120% sind tolerabel. Mehr als das schadet dem Organismus des Fohlens. Eine individuelle F\u00fctterung der Fohlen muss gew\u00e4hrleistet sein.\r\n<h2><strong>Risikogruppen zur Entstehung eines Gelenkschips <\/strong><\/h2>\r\n<ul>\r\n \t<li>Schnell wachsende Fohlen<\/li>\r\n \t<li>Verstellte Fohlen<\/li>\r\n \t<li>Unterentwickelte, unreife Fohlen<\/li>\r\n \t<li>Zu schwere Fohlen<\/li>\r\n \t<li>Fohlen mit erblicher Veranlagung<\/li>\r\n<\/ul>\r\n<h2>Die Entstehung von Gelenkschips ist kein unabwendbares Schicksal<\/h2>\r\nSchon bei der Auswahl des Hengstes, \u00fcber die Bewegung des jungen Pferdes bis hin zur F\u00fctterung kann sehr viel Vorbeuge geleistet werden. Auch hier lohnt es sich, mit einem professionellen Management die Aufzucht zu betreiben, um den heute so schwer zu erreichenden Zuchterfolg auch wirtschaftlich zu gestalten.","type":"rich","thumbnail_url":"https:\/\/pferdegesundheitsakademie.de\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/Chip-im-Fessegelenk-web-150x150.png","thumbnail_width":150,"thumbnail_height":150}