{"version":"1.0","provider_name":"Pferdegesundheitsakademie","provider_url":"https:\/\/pferdegesundheitsakademie.de","author_name":"Dr. Kai Kreling","author_url":"https:\/\/pferdegesundheitsakademie.de\/author\/dr-kai-kreling\/","title":"Cushing Syndrom","html":"Langes - stumpfes Fell, Muskelschwund und andere Erkrankungssymptome beim Pferd wurden \u00fcber Jahre als Einzelsymptome erkl\u00e4rt und therapiert. Die Erkrankung des Cushing Syndroms war beim Pferd nicht bekannt oder zumindest nicht in der heute wissenschaftlich erkl\u00e4rbaren Form erkannt worden.\r\n\r\nSeit einigen Jahren wei\u00df man, dass es diese Erkrankung beim Pferd gibt und das h\u00e4ufiger als zuerst angenommen.\r\n<h2><strong>Was hei\u00dft \u201e<em>Cushing Syndrom<\/em>\u201c?<\/strong><\/h2>\r\nDer Name der Erkrankung beschreibt eine Anzahl verschiedener Symptome, die aufgrund einer hormonellen Umstellung des Pferdes zu erkl\u00e4ren sind. Der Name - Cushing - wurde nach dem Entdecker der Erkrankung vergeben.\r\n\r\nGrund f\u00fcr die Erkrankung mit seinen verschiedenen Symptomen ist der <strong>hormonelle Regulationsmechanismus<\/strong> im K\u00f6rper, der f\u00fcr die Steuerung von k\u00f6rpereigenem Kortison verantwortlich ist.\r\n\r\n<strong>Cortisol<\/strong>, ein vom K\u00f6rper selbst produziertes Kortison, wird <strong>vermehrt<\/strong> <strong>produziert<\/strong>. Kortison hat im t\u00e4glichen Umgang immer einen negativen Beigeschmack. Es ist aber eine <strong>k\u00f6rpereigene Substanz<\/strong>, wird vom K\u00f6rper als Stoffwechselinstrument ben\u00f6tigt und auch selbst hergestellt. Die Produktion von Kortison geschieht aufgrund einer st\u00e4rkeren <strong>Aussch\u00fcttung eines Hormons<\/strong>, dem <strong>ACTH<\/strong>, das f\u00fcr die Steuerung der k\u00f6rpereigenen Kortisonproduktion als \u00fcbergeordnetes Hormon verantwortlich ist.\r\n\r\nACTH wird in der Hypophyse, der <strong>Hirnanhangsdr\u00fcse<\/strong> produziert.\r\n<h2><strong>Wie entsteht ein Cushing Syndrom? <\/strong><\/h2>\r\nDie <strong>Hirnanhangsdr\u00fcse<\/strong> produziert mehr ACTH, wenn sie <strong>vergr\u00f6\u00dfert<\/strong> ist. Dies kann sehr selten beim Pferd durch einen Tumor an der Hirnanhangsdr\u00fcse bedingt sein. Haupts\u00e4chlich kommt es altersbedingt zu einer Vergr\u00f6\u00dferung der Hypophyse \u2013 Hirnanhangsdr\u00fcse.\r\n\r\nDie vergr\u00f6\u00dferte Dr\u00fcse produziert vermehrt ACTH und der K\u00f6rper reagiert mit einer verst\u00e4rkten Produktion von k\u00f6rpereigenem Kortison.\u2028Neben der St\u00f6rung des \u00fcbergeordneten Systems \u2013 der Hirnanhangsdr\u00fcse, ist in Einzelf\u00e4llen auch eine Erkrankung im Kortisonproduzierenden Organ, der <strong>Nebennierenrinde<\/strong> f\u00fcr die \u00dcberproduktion verantwortlich. Beim Pferd spielt im Gegensatz zum Menschen eine <strong>tumorbedingte Kortisonfehlproduktion<\/strong> eine untergeordnete Rolle. Sie kommt nur <strong>in wenigen Einzelf\u00e4llen<\/strong> nachweislich vor.\r\n\r\nEine Verabreichung von Kortison im Rahmen einer Behandlung des Pferdes kann unter Umst\u00e4nden, \u00fcber l\u00e4ngere Zeit und in gro\u00dfen Mengen verabreicht, zur Entstehung von einem Cushing Syndrom f\u00fchren. Dies ist in der Pferdemedizin aufgrund der verabreichten Kortisonkonzentrationen und der geringen Lebenserwartung der Pferde aber eher selten.\r\n<h2><strong>Wie \u00e4u\u00dfert sich das Cushing Syndrom? <\/strong><\/h2>\r\nWie der Name \u201eSyndrom\u201c schon verr\u00e4t, ist die Erkrankung nicht durch ein Einzelsymptom zu erkennen. <strong>Syndrom<\/strong> steht f\u00fcr eine <strong>Vielzahl<\/strong> und das <strong>Zusammenspiel von Symptomen<\/strong> - Erkrankungsanzeichen am Pferd.\r\n\r\nBeim Pferd k\u00f6nnen folgende <strong>Krankheitsanzeichen<\/strong> f\u00fcr ein Cushingsyndrom sprechen:\r\n<ul>\r\n \t<li>Langes, struppiges Fell, das im Sommer nicht oder nur z\u00f6gernd wechselt<\/li>\r\n \t<li>Dicker Bauch und ansonsten eher geringe Muskelausbildung<\/li>\r\n \t<li>Gewichtsverlust<\/li>\r\n \t<li>Teilnahmslosigkeit<\/li>\r\n \t<li>H\u00e4ufiger und vermehrter Harnabsatz<\/li>\r\n \t<li>Verminderte Schmerzempfindlichkeit<\/li>\r\n \t<li>Verminderter Appetit<\/li>\r\n \t<li>Erh\u00f6hte Infektionsanf\u00e4lligkeit<\/li>\r\n \t<li>Narkolepsie \u2013 Pferde schlafen im Stehen ein und \u201esacken\u201c kurz in sich zusammen.<\/li>\r\n \t<li>In Einzelf\u00e4llen auch Hufrehe, Kolik abnorme Rossezyklen und Vorw\u00f6lben des Augenfettpolsters<\/li>\r\n<\/ul>\r\n<h2><strong>Wie kann man ein Cushing Syndrom diagnostizieren? <\/strong><\/h2>\r\nEine genaue Diagnose ist nur mit Hilfe von <strong>Laboruntersuchungen<\/strong> zu bekommen. Es wird dabei ein direkter oder\/und indirekter Nachweis der Aktivit\u00e4t der Hirnanhangsdr\u00fcse durchgef\u00fchrt.\r\n\r\nDirekt ist die Menge an ACTH im Blut nachweisbar. Erh\u00f6hte Aktivit\u00e4t zeigt eine Erh\u00f6hung des ACTH Blutspiegels.\r\n\r\nIst der gemessene Wert des Hormons ACTH fraglich und grenzwertig, kann die Menge des k\u00f6rpereigenen Kortisons bestimmt werden. Die einfache Messung des Kortisons im K\u00f6rper des Pferdes reicht nicht aus, um die Diagnose Cushing zuverl\u00e4ssig best\u00e4tigen zu k\u00f6nnen. Die individuellen Kortisonkonzentrationen sind sehr unterschiedlich.\r\n\r\nMan versucht den eigentlich f\u00fcr die Erkrankung verantwortlichen Mechanismus der \u00fcbergeordneten Regulation f\u00fcr die Kortisonproduktion zu bestimmen. Nach Messung einer k\u00f6rpereigenen Konzentration von Kortison im Blut des Pferdes wird dem vermutlich kranken Pferd zus\u00e4tzlich Kortison verabreicht. Die Verabreichung von zus\u00e4tzlichem Kortison w\u00fcrde im Normalfall dazu f\u00fchren, dass der K\u00f6rper das Kortison erkennt und als Regelmechanismus die eigene Kortisonproduktion sofort absenkt.\r\n\r\nDieser <strong>Steuermechanismus funktioniert beim erkrankten Pferd nicht<\/strong>. Der Kortisonspiegel ist beim erkrankten Pferd nach 24 Stunden deutlich erh\u00f6ht gegen\u00fcber dem Ausgangsmesswert. <strong>Eine k\u00f6rpereigene Regulation findet nicht statt. So l\u00e4sst sich die Diagnose Cushing Syndrom best\u00e4tigen. <\/strong>\r\n<h2><strong>Was kann man dagegen tun? <\/strong><\/h2>\r\nDie Erkrankung des Cushing Syndroms kennt man aus der Humanmedizin. Dort gibt es in Einzelf\u00e4llen die M\u00f6glichkeit, einen eventuellen Tumor an der Hirnanhangsdr\u00fcse operativ zu entfernen. In den \u00fcberwiegenden Erkrankungsf\u00e4llen beim Pferd ist eine altersbedingte Hypertrophie \u2013 Vergr\u00f6\u00dferung der Hirnanhangsdr\u00fcse die Ursache f\u00fcr eine \u00fcberschiessende ACTH Produktion. Eine Strahlentherapie wie in der Humanmedizin hat beim Pferd keinen therapeutischen Effekt.\r\n\r\n\u00dcbrig bleibt eine <strong>medikament\u00f6se Therapie<\/strong>. Dazu gibt man das Pr\u00e4parat <strong>Pergolid<\/strong>, das auch in der Humanmedizin zur hormonellen Regulation f\u00fcr diese Form des Cushing Syndroms eingesetzt wird. Pferde ben\u00f6tigen unterschiedliche Konzentrationen dieses Pr\u00e4parates. Der Tierarzt muss die Konzentration aufgrund seiner individuellen Wirkung im K\u00f6rper des einzelnen Pferdes ermitteln. Erst <strong>nach 4 \u2013 6 Wochen ist eine Verbesserung der klinischen Symptome wie oben beschrieben zu erwarten.<\/strong>\r\n<h2><strong>Bei Pferden tritt diese Erkrankung fast immer im Alter auf. <\/strong><\/h2>\r\nNicht jedes alternde Pferd hat eine Cushing-Erkrankung. Viele alte Pferde neigen auch ohne eine hormonelle Imbalance zu einem verz\u00f6gerten Haarwechsel, erh\u00f6hter Infektionsanf\u00e4lligkeit, Muskelmassenabnahme und einem eher sehr ruhigen Wesen.\r\n\r\nAus diesem Grund sollte <strong>bei der Haltung alter Pferde<\/strong> besonders auf eine gute <strong>Futterqualit\u00e4t, regelm\u00e4\u00dfige Entwurmung, regelm\u00e4\u00dfige Zahnkontrolle und entsprechende Hufpflege<\/strong> (zur Vorbeuge Hufrehe) geachtet werden.\r\n<h2><strong>Ein Cushing Syndrom ist keine lebensbedrohende Erkrankung. <\/strong><\/h2>\r\nDamit umzugehen hei\u00dft, sein Pferd entsprechend der Stoffwechselentgleisung mit Hilfe des Tierarztes gezielt zu ern\u00e4hren, zu halten und eventuell zu therapieren.","type":"rich"}