{"version":"1.0","provider_name":"Pferdegesundheitsakademie","provider_url":"https:\/\/pferdegesundheitsakademie.de","author_name":"Dr. Kai Kreling","author_url":"https:\/\/pferdegesundheitsakademie.de\/author\/dr-kai-kreling\/","title":"Endometritis","html":"Die Endometritis beim Pferd ist eine Entz\u00fcndung der Geb\u00e4rmutterschleimhaut, die ohne \u00e4u\u00dferlich erkennbare Anzeichen vorhanden sein kann oder offensichtlich werden kann durch eitrigen Vaginalausfluss oder verklebte Schweifhaare. Auch Abweichungen von der normalen Zyklusl\u00e4nge (normal 20-22 Tage) k\u00f6nnen Hinweis auf das Vorliegen einer Endometritis sein. Die Entz\u00fcndung kann akut oder chronisch verlaufen. Die Endometritis ist eine der h\u00e4ufigsten Ursachen f\u00fcr das \u201eLeerbleiben\u201c der Stute trotz korrekter Besamung.\r\n<h2><strong>Diagnose und Ursachen der Endometritis <\/strong><\/h2>\r\nAusgel\u00f6st wird die Endometritis durch Bakterien, Pilze oder Einzeller. Die Infektion der Geb\u00e4rmutter bei der Stute erfolgt in den meisten F\u00e4llen mit nur bedingt krankmachenden Erregern. Das sind Erreger, die fast immer in der Umgebung eines Pferdes vorkommen k\u00f6nnen. Zur Infektion kommt es nur durch zus\u00e4tzliche negative Begleitumst\u00e4nde wie Virulenzsteigerung des Keims (d.h. der Erreger ver\u00e4ndert sich und wird dadurch aggressiver), Abwehrschw\u00e4che der Stute, mangelhafte Zuchthygiene beim Deckakt oder der Besamung sowie eine anatomisch ung\u00fcnstige Beschaffenheit der Geschlechtsorgane der Stute.\r\n\r\nAls Sonderfall muss auch die unmittelbar nach der Fohlengeburt einsetzende Endometritis genannt werden, die durch Nachgeburtsverhalten, Verletzungen oder mangelhafte Geburtshygiene entsteht. F\u00fcr die Diagnose der Endometritis ist eine eingehende klinische gyn\u00e4kologische Untersuchung der Stute (\u00e4u\u00dferlich, rektal, vaginal) erforderlich sowie die Entnahme einer Tupferprobe zur Keimisolierung; fallabh\u00e4ngig zus\u00e4tzlich die Untersuchung per Ultraschall, ein Zellabstrich und evtl. Gewebeprobe-Entnahme (Biopsie) oder die Hysteroskopie (Endoskopie der Geb\u00e4rmutter).\r\n<h2><strong>Einflussfaktor Damm\/ Scham \/ Scheidenvorhof auf die Entstehung einer Endometritis <\/strong><\/h2>\r\nBesonders eine ung\u00fcnstige anatomische Beschaffenheit der weiblichen Geschlechtsorgane kann die Besiedlung mit Keimen beg\u00fcnstigen. Hierbei spielt vor allem Schluss und Stellung der Scham eine gro\u00dfe Rolle. Vor allem \u00e4ltere Stuten haben h\u00e4ufig eine nicht senkrecht stehende Scham (durch Verlust des Fettgewebes im Damm- und Analbereich, Schw\u00e4che des Bindegewebes und h\u00e4ufiges Abfohlen verursacht). Dadurch kommt es eher zur Verunreinigung des Vaginalbereiches mit Kot, dieses f\u00fchrt unter Umst\u00e4nden zur aufsteigenden Infektion, in diesem Fall dann oft mit Erregern aus dem Kot wie zum Beispiel Escherichia coli.\r\n\r\nDie Scham sollte zu mindestens 3\u20444 unterhalb des Beckenbodens liegen, der Schluss der Scham sollte im oberen Bereich (sogenannte dorsale Kommissur) idealerweise kurz oberhalb des Beckenbodens abschlie\u00dfen. Bei sehr weit nach oben Richtung Anus offenen Schamlippen mit geringer Eigenspannung kann w\u00e4hrend der Bewegung der Stute Luft in den Vaginalraum eintreten. Dieses erzeugt oft ein typisches Ger\u00e4usch, welches versierten Z\u00fcchtern sicherlich bekannt ist (Blubberger\u00e4usche, sogenannte Pneumovagina). Durch eine \u201eScheidenplastik\u201c-Operation l\u00e4sst sich dieser Zustand beheben.\r\n\r\nIn fraglichen F\u00e4llen sollte man die Beurteilung des Schamschlusses sowohl in als auch au\u00dferhalb der Rosse pr\u00fcfen. W\u00e4hrend der Rosse ist bedingt durch das Hormon \u00d6strogen das Gewebe st\u00e4rker durchsaftet und schlaffer. Mit Abschluss der Rosse steigt das Hormon Progesteron an und die Scham zieht sich wieder leicht zusammen. Erreicht die Stute in diesem Stadium wieder einen ausreichenden Schamschluss, kann unter Umst\u00e4nden auf eine Scheidenplastik verzichtet werden.\r\n\r\nEine weitere anatomisch bedingte Ver\u00e4nderung stellt die \u201eUrovagina\u201c dar, die vor allem bei \u00e4lteren Stuten und Stuten kurz nach dem Abfohlen vorkommen kann. Bei diesen Stuten l\u00e4uft infolge eines schlaffen Beckenbodens der Urin teilweise von der Harnr\u00f6hre in die Vagina. W\u00e4hrend der Rosse kann der Urin bei ge\u00f6ffnetem Muttermund bis in die Geb\u00e4rmutter eindringen und eine Entz\u00fcndung verursachen. Hierbei m\u00fcssen nicht zwangsl\u00e4ufig auch Keime nachweisbar sein, aber die Fruchtbarkeit der Stute ist stark reduziert (spermienfeindliches und embryofeindliches Milieu). Durch eine vaginale Untersuchung sowie eine rektale Ultraschall-Untersuchung w\u00e4hrend der Rosse l\u00e4sst sich dieser Zustand diagnostizieren. Hierbei ist dann vaginal ein Urinsee und im Ultraschall-Bild eine Fl\u00fcssigkeitsansammlung in der Geb\u00e4rmutter zu sehen\r\n<h2><strong>Genitalinfektionserreger <\/strong><\/h2>\r\nZur Untersuchung auf eine m\u00f6gliche Keimbesiedlung wird ein Schleimhautabstrich (Tupferprobe) aus der Geb\u00e4rmutter m\u00f6glichst w\u00e4hrend der Rosse entnommen.\u2028Die Keime m\u00fcssen im Labor auf speziellen N\u00e4hrb\u00f6den zun\u00e4chst angez\u00fcchtet werden. Bei Nachweis krankheitsausl\u00f6sender Bakterien erfolgt im Anschluss daran die Erstellung eines Antibiogramms, das bedeutet, es wird getestet, welches Antibiotikum gegen diese Bakterien wirksam ist. Da die Anz\u00fcchtung der Keime einige Zeit ben\u00f6tigt, k\u00f6nnen zwischen Entnahme der Tupferprobe und dem endg\u00fcltigen Ergebnis durchaus 5 Tage vergehen.\r\n\r\nZus\u00e4tzlich hat sich die zytologische Untersuchung des Abstrichs bew\u00e4hrt. Hierbei wird die Zellzusammensetzung im Abstrich beurteilt. Ein vermehrtes Vorkommen von \u201epolymorphkernigen neutrophilen Granulozyten\u201c gilt als krankhaft.\u2028Folgende Keime gelten als krankheitsausl\u00f6send, auch wenn sie nur in geringen Mengen nachgewiesen werden: z. B.\r\n\r\n\u00df-h\u00e4molysierende Streptokokken\u2028Pseudomonas aeruginosa\u2028Escherichia coli var. haemolytica\u2028Tayorella equigenitalis (CEM-Erreger= ansteckende Geb\u00e4rmutter-Entz\u00fcndung)\r\n\r\nAndere Keime gelten erst als krankheitsverursachend, wenn sie in gro\u00dfen Mengen nachgewiesen werden, dies sind z. B.\u2028Escherichia coli (andere Unterarten als oben genannte)\u2028Hefen\r\n<h2><strong>Schimmelpilze <\/strong><\/h2>\r\nVor allem beim Nachweis letztgenannter Keime ist der zus\u00e4tzliche zytologische Befund eine gute Hilfe zur Beurteilung des Erkrankungsgrades.\r\n<h2><strong>Zuchthygiene <\/strong><\/h2>\r\nJede Besamung oder Bedeckung kann eine geringe Menge an Umweltkeimen mit in die Geb\u00e4rmutter einbringen. Eine gesunde Stute mit einem guten Abwehrsystem wird allerdings allein mit diesen wenigen Keimen fertig. Problematisch wird es erst, wenn das Abwehrsystem der Stute geschw\u00e4cht ist, das Sperma des Hengstes oder der Verd\u00fcnner stark keimbelastet sind oder beim Deckakt durch mangelhafte Hygiene zu viele Umweltkeime eingeschleppt werden. Vor allem bei immunschwachen Stuten kann dann die instrumentelle Samen\u00fcbertragung von Vorteil sein.\r\n\r\nIn seltenen F\u00e4llen kann eine Stute auch eine Allergie gegen bestimmte Samenverd\u00fcnner entwickeln und mit Entz\u00fcndungen der Geb\u00e4rmutterschleimhaut reagieren. Dann kann der nat\u00fcrliche Deckakt oder aber ein Wechsel des Samenverd\u00fcnners von Vorteil sein.\r\n<h2><strong>Endometrose <\/strong><\/h2>\r\nDiese Form der Geb\u00e4rmuttererkrankung stellt eine Sonderform dar und ist nicht mit dem Begriff aus der Humanmedizin identisch. Die Endometrose der Stute l\u00e4sst sich in der Regel nur durch eine Gewebeprobe-Entnahme (Uterus-Biopsie) nachweisen. Hierbei besteht eine chronische zumeist nicht mehr therapeutisch zu beeinflussende Ver\u00e4nderung der Geb\u00e4rmutterschleimhaut. Die Endometrose tritt zumeist bei \u00e4lteren Stuten auf und f\u00fchrt zu Fruchtbarkeitsverlusten. Die ver\u00e4nderte Geb\u00e4rmutterschleimhaut ist dabei oft nicht mehr in der Lage, einen Embryo zu ern\u00e4hren.\r\n\r\nAuch die sogenannten Geb\u00e4rmutterzysten kann man dem Krankheitsbild der Endometrose zuordnen, wobei die Zysten ab einer gewissen Gr\u00f6\u00dfe zumeist auch per Ultraschall oder Hysteroskopie nachgewiesen werden k\u00f6nnen. Sind gro\u00dfe Zysten \u00fcber 2 cm Durchmesser oder auch sehr viele Zysten vorhanden, kann es sinnvoll sein, diese \u00fcber ein Endoskop zu entfernen (Hysterozystotomie).\r\n<h2><strong>Therapie der Endometritis <\/strong><\/h2>\r\nZun\u00e4chst gilt es nat\u00fcrlich, ung\u00fcnstige Begleitfaktoren soweit es geht zu beseitigen (z.B. Scheidenplastik). Unterbleibt dies, kann ein Therapieerfolg meist nur vor\u00fcbergehend eintreten.\u2028Zur Behandlung der Endometritis-ausl\u00f6senden Bakterien sollte das Antibiotikum entsprechend des Antibiogramms ausgew\u00e4hlt werden und m\u00f6glichst systemisch, d.h. per Injektion oder \u00fcber das Futter mehrere Tage lang verabreicht werden. Vor allem bei Fl\u00fcssigkeitsansammlungen in der Geb\u00e4rmutter k\u00f6nnen zus\u00e4tzlich lokale Sp\u00fclungen der Geb\u00e4rmutter mit sterilen L\u00f6sungen (physiologische Kochsalzl\u00f6sung, Ringerlaktat-L\u00f6sung) n\u00f6tig sein. Sp\u00fclungen mit Beimischung von Desinfektionsmitteln sind in den meisten F\u00e4llen nicht zu empfehlen, da sie die Geb\u00e4rmutterschleimhaut zu stark irritieren. Der Therapieerfolg muss mittels einer erneuten Tupferprobe kontrolliert werden. Eine Besamung der Stute ist somit erst in der n\u00e4chsten oder \u00fcbern\u00e4chsten Rosse m\u00f6glich.\r\n\r\nWenn bei einer Stute trotz Behandlung h\u00e4ufig wechselnde Keime in der Tupferprobe nachgewiesen werden, kann auch eine Immunschw\u00e4che Ursache sein. Manche Stuten reagieren mit immer wieder aufflammenden Entz\u00fcndungen auf die Besamung oder Bedeckung (\u201ePost-breeding-Endometritis\u201c). Die Geb\u00e4rmutter solcher Stuten ist oft zu wenig kontraktionsf\u00e4hig, d.h. zu schlaff. Dadurch sammelt sich Fl\u00fcssigkeit im Inneren der Geb\u00e4rmutter an. Hierbei haben sich Sp\u00fclungen 10-24 Stunden nach bzw. zwischen den Besamungen bew\u00e4hrt. Zus\u00e4tzlich k\u00f6nnen Hormoninjektionen (Oxytocin) w\u00e4hrend des Besamungszeitraums die Kontraktionsf\u00e4higkeit der Geb\u00e4rmutter steigern und somit zur Eigenreinigung beitragen. Erste positive Ergebnisse hat auch das Einbringen von Zellpr\u00e4paraten oder Eigenplasma in die Geb\u00e4rmutter gebracht. Bei Problemstuten ist es besonders wichtig, m\u00f6glichst nur ein bis zwei Mal und sehr nah zum Eisprung zu besamen. Das bedeutet, dass solche Stuten wesentlich intensiver tier\u00e4rztlich kontrolliert werden m\u00fcssen. Auch Stuten, bei denen sich Urin im Vaginalbereich ansammelt, sollten unmittelbar vor der Besamung und 10-24 Stunden nach der Besamung mit steriler Ringer-Laktatl\u00f6sung gesp\u00fclt werden, um die Urinansammlung zu eliminieren. Die Sp\u00fclungen sollten bis nach Abschluss der Rosse fortgef\u00fchrt werden, wenn der Muttermund sich wieder schlie\u00dft und somit kein Urin mehr in die Geb\u00e4rmutter laufen kann. Bef\u00fcrchtungen, dass der Samen wieder ausgesp\u00fclt w\u00fcrde, sind unbegr\u00fcndet, da nach 6 Stunden die beweglichen befruchtungsf\u00e4higen Spermien bereits in den Eileiter hochgewandert sind. Die Verschmelzung von Samen und Eizelle erfolgt n\u00e4mlich in der Eileiterampulle und nicht in der Geb\u00e4rmutter. Zum anderen kommt die befruchtete Eizelle fr\u00fchestens 5 Tage nach Eisprung in der Geb\u00e4rmutter an. Somit kann auch durch Sp\u00fclungen nach der Besamung und bis 3 Tage nach dem Eisprung keine Fruchtanlage unbeabsichtigt \u201eausgesp\u00fclt\u201c werden.\r\n\r\nIn hochgradigen F\u00e4llen einer Urovagina hilft oft nur eine Operation, bei der der Ausgang der Harnr\u00f6hre weiter nach hinten verlegt wird, so dass der Urin nur nach au\u00dfen abflie\u00dfen kann. Hat der Zustand einer Urovagina aber bereits sehr lange bestanden, k\u00f6nnen bereits chronische Sch\u00e4den an der Geb\u00e4rmutterschleimhaut entstanden sein, die Unfruchtbarkeit bedingen.\r\n\r\nAbschlie\u00dfend ist zu sagen, dass durch ein gutes Zuchtmanagement, sprich optimale Stutenauswahl hinsichtlich anatomischer Grundvoraussetzungen, Hygiene bei der Besamung sowie ideale Wahl des Besamungszeitpunktes die Entstehung einer Endometritis oft verhindert werden kann. Die akute Endometritis ist meist gut therapierbar, je l\u00e4nger sie allerdings besteht oder je h\u00e4ufiger sie wiederkehrt, umso schlechter sind die Chancen der Stute, tragend zu werden.","type":"rich"}