{"version":"1.0","provider_name":"Pferdegesundheitsakademie","provider_url":"https:\/\/pferdegesundheitsakademie.de","author_name":"Dr. Kai Kreling","author_url":"https:\/\/pferdegesundheitsakademie.de\/author\/dr-kai-kreling\/","title":"Equine Recurrent Uveitis","html":"Die Equine Recurrent Uveitis ist eine der schwerwiegendsten Augenerkrankungen von denen ein Pferd betroffen sein kann. Uveitis bedeutet Entz\u00fcndung der Iris, des Ziliark\u00f6rpers und der Chorioidea. Andere gebr\u00e4uchliche Namen sind \u201eMondblindheit\u201c und \u201ePeriodische Augenentz\u00fcndung\u201c. Pferde jeder Rasse, jeden Alters und Geschlechts k\u00f6nnen betroffen sein. Ein oder beide Augen k\u00f6nnen erkrankt sein, m\u00f6glicherweise aber nicht zur gleichen Zeit. Nach der Ersterkrankung kommt es in der Regel zu wiederholten Sch\u00fcben, wobei jeder Schub zus\u00e4tzlichen und fortschreitenden Schaden anrichten kann und schlie\u00dflich zur v\u00f6lligen Erblindung eines oder beider Augen f\u00fchren kann.\r\n\r\nVerschiedene Ursachen werden f\u00fcr diese Erkrankung in Betracht gezogen, die genaue Entstehungsweise ist aber noch ungekl\u00e4rt. M\u00f6gliche Ursachen sind Bakterien, Viren, Parasiten, mechanische und chemische Beeinflussung des Auges. Man nimmt an, dass eine Reihe von Ereignissen zu einer Zerst\u00f6rung der immunologischen und strukturellen Verh\u00e4ltnisse des Auges f\u00fchren.\r\n<h2><strong>Anatomie<\/strong>:<\/h2>\r\nDie Uvea besteht aus Gef\u00e4\u00dfen, Muskulatur, Pigmentepithel und Bindegewebe und wird in einen vorderen Anteil mit Iris und Ziliark\u00f6rper und einen hinteren Anteil mit Chorioidea unterteilt. Eine ihrer Hauptaufgaben ist die Regulation und der Transfer von N\u00e4hrstoffen und Fl\u00fcssigkeit aus dem Blutgef\u00e4\u00dfsystem zur Netzhaut und zu den inneren Strukturen des Auges \u00fcber die sogenannte Blut-Augen-Schranke. Bei einer Entz\u00fcndung der Uvea kommt es zu einer Zerst\u00f6rung der Blut-Augen-Schranke was das Eindringen von bestimmten Zelltypen und Enzymen in das Innere des Auges erm\u00f6glicht und weitere entz\u00fcndliche Reaktionen nach sich zieht.\r\n<h2><strong>Spezielles Abwehrsystem des Auges: <\/strong><\/h2>\r\nDas Immunsystem ist das k\u00f6rpereigene Abwehrsystem gegen Fremdeinwirkung von z.B. Bakterien, Viren, Parasiten etc. Da im Auge kleinste entz\u00fcndliche Ver\u00e4nderungen verheerende Auswirkungen haben k\u00f6nnen, hat das Auge M\u00f6glichkeiten entwickelt die Intensit\u00e4t und Auswirkung der Immunantwort auf Fremdeinwirkung zu limitieren (Immuntoleranz). Ansonsten w\u00fcrde jede kleinste Fremdeinwirkung zu einer massiven entz\u00fcndlichen Reaktion des Auges f\u00fchren und entsprechende Sch\u00e4den hinterlassen. Diese Art der Immuntoleranz ist somit wichtig f\u00fcr die Erhaltung des Auges. Infektion, Verletzung oder Stress k\u00f6nnen zu einem Zusammenbruch der Immuntoleranz f\u00fchren und abwehrbedingte entz\u00fcndliche Ver\u00e4nderungen hervorrufen. Die genauen Mechanismen wie es zu diesem Zusammenbruch kommt sind noch nicht gekl\u00e4rt. Nach der Initialerkrankung kommt es zu einer Ver\u00e4nderung der augeneigenen Abwehrmechanismen mit weiterer Unterdr\u00fcckung der Immuntoleranz was episodische und wiederholte Entz\u00fcndungen des Auges hervorruft.\r\n<h2><strong>M\u00f6gliche Ursachen: <\/strong><\/h2>\r\n<ol>\r\n \t<li>Bakterien: Leptospiren, Brucellen, Streptokokken, Escherichia coli, Rhodococcus equi<\/li>\r\n \t<li>Viren: Equine Influenzavirus, Equine Herpesvirus, Equine Arteritisvirus und Equine Infekti\u00f6se An\u00e4mie \u2028Virus<\/li>\r\n \t<li>Parasiten: Onchocerciasis, Toxoplasmose<\/li>\r\n \t<li>Trauma: stumpfe, oder die Hornhaut durchdringende Verletzungen<\/li>\r\n \t<li>Systemische Infektionen oder Tumorgeschehen, die die normale Immunabwehr ver\u00e4ndern<\/li>\r\n \t<li>Autoimmunerkrankung = Reaktion auf k\u00f6rpereigene Zellen bzw. Gewebe<\/li>\r\n<\/ol>\r\n<h2><strong>Recurrent Uveitis: <\/strong><\/h2>\r\nWie schon oben erw\u00e4hnt kommt es durch die Initialentz\u00fcndung zu einer Ver\u00e4nderung der abwehreigenen Verh\u00e4ltnisse des Auges, was es empfindlicher auf eine nachfolgende Beeinflussung durch Antigene wie z.B. Bakterien, Viren etc. reagieren l\u00e4sst. Die zu beobachtende Immunantwort auf diese Antigene basiert unter Umst\u00e4nden auf der Anwesenheit von spezifischen Antik\u00f6rpern oder sonstigen immunkompetenten Zellen, die sich aufgrund der Initialerkrankung im Auge befinden. Somit kann das wiederholte Auftreten einer Uveitis im Zusammenhang mit einer Anzahl von Infektionen, Traumata oder sogar Stress beobachtet werden.\r\n<h2><strong>Symptome: <\/strong><\/h2>\r\nBei der periodischen Augenerkrankung kann eine Anzahl von klinischen Symptomen auftreten. Diese Symptome k\u00f6nnen in ihrem Schweregrad und in ihrem periodischen Auftreten von Pferd zu Pferd sehr unterschiedlich sein. Im Allgemeinen kann eine unspezifische Entz\u00fcndung der Uvea festgestellt werden.\r\n<h2><strong>Akute Erkrankung: <\/strong><\/h2>\r\n<h3>H\u00e4ufige Symptome:<\/h3>\r\n<ul>\r\n \t<li>Augenschmerz und Blepharospasmus<\/li>\r\n \t<li>Tr\u00e4nenfluss<\/li>\r\n \t<li>Miosis (Pupillenverengung)<\/li>\r\n \t<li>Verminderter Augeninnendruck<\/li>\r\n \t<li>Flocken oder Eiter im Kammerwasser<\/li>\r\n \t<li>R\u00f6tung der Konjunktiven (=Bindeh\u00e4ute)<\/li>\r\n \t<li>Turgid, \u201emuddy\u201c iris<\/li>\r\n \t<li>Deep perilimbal corneal vascularisation Gef\u00e4\u00dfeinsprossung in die Hornhaut<\/li>\r\n \t<li>Hornhaut\u00f6dem (= entz\u00fcndliche Fl\u00fcssigkeitsansammlung in der Hornhaut)<\/li>\r\n<\/ul>\r\n<h3>Seltene Symptome:<\/h3>\r\n<ul>\r\n \t<li>Hornhautprecipitate<\/li>\r\n \t<li>Episcleral vascular Injection<\/li>\r\n \t<li>Blutungen in die vordere Augenkammer<\/li>\r\n \t<li>Erh\u00f6hter Augeninnendruck<\/li>\r\n \t<li>Oberfl\u00e4chliche Gef\u00e4\u00dfeinsprossung in die Hornhaut<\/li>\r\n<\/ul>\r\n<h2><strong>Langfristige Ver\u00e4nderungen: <\/strong><\/h2>\r\n<h3>H\u00e4ufige Symptome:<\/h3>\r\n<ul>\r\n \t<li>Hintere Synechien (= Verwachsungen der Iris mit der Linse)<\/li>\r\n \t<li>Anterior Katarakt (= Linsentr\u00fcbung)<\/li>\r\n \t<li>Ver\u00e4nderungen der Irispigmentierung (Hypochromia\/Heterochromia)<\/li>\r\n \t<li>Atrophie des Augapfels<\/li>\r\n \t<li>Zelldetritus im Glask\u00f6rper<\/li>\r\n<\/ul>\r\n<h3>Seltene Symptome:<\/h3>\r\n<ul>\r\n \t<li>Linsenluxation<\/li>\r\n \t<li>Iris Neovascularisation<\/li>\r\n \t<li>Polycoria<\/li>\r\n \t<li>Bound-down pupil<\/li>\r\n \t<li>Netzhautatrophie<\/li>\r\n \t<li>Chorioretinitis<\/li>\r\n \t<li>Glaukom<\/li>\r\n \t<li>Cortical Katarakt<\/li>\r\n \t<li>Peripapill\u00e4re Netzhautabl\u00f6sung<\/li>\r\n<\/ul>\r\n<h2><strong>Behandlung: <\/strong><\/h2>\r\nDas prim\u00e4re Ziel ist die Entz\u00fcndungsbek\u00e4mpfung im Auge und einen therapeutisch wirksamen Spiegel der entz\u00fcndungshemmenden Substanz aufrechtzuerhalten. Geeignet sind Kortisonpr\u00e4parate, die auf drei unterschiedlichen Wegen zur Anwendung kommen.\r\n<ol>\r\n \t<li>als lokale Anwendung am Auge direkt<\/li>\r\n \t<li>als subkonjunktivale Injektion<\/li>\r\n \t<li>als systemische Verabreichung oral oder gespritzt<\/li>\r\n<\/ol>\r\nVor der Anwendung von Kortison am Auge muss jedoch sichergestellt werden, dass keine Hornhautverletzung vorliegt, da es sonst zur Bildung starker Hornhautgeschw\u00fcre kommen kann.\u2028Sogenannte nichtsteroidale Entz\u00fcndungshemmer (nicht auf Kortisonbasis wirkend) werden ebenfalls h\u00e4ufig eingesetzt. Sie wirken schmerzlindernd und entz\u00fcndungshemmend.\r\n\r\nDer Einsatz von lokalen Antibiotika am Auge ist nur notwendig bei gleichzeitigem Vorliegen einer Hornhautverletzung.\u2028Pupillenerweiternde Mittel (Mydriatika) sind notwendig um Verwachsungen zwischen der Iris und der Hornhaut bzw. der Iris und der Linse zu vermeiden. Derartige Verwachsungen w\u00fcrden durch Pupillenverengung zu einer permanenten Beeintr\u00e4chtigung der Pupillenfunktion f\u00fchren.\r\n\r\nSeit kurzem wird eine Glask\u00f6rperresektion (= chirurgische Entfernung des Glask\u00f6rpers) empfohlen um weitere Sch\u00fcbe der periodischen Augenentz\u00fcndung zu vermeiden. Zur Erhaltung der Sehf\u00e4higkeit ist diese Technik aber wenig einsetzbar.\r\n<h2><strong>Weitere Ma\u00dfnahmen: <\/strong><\/h2>\r\n<ul>\r\n \t<li>das Pferd in einem abgedunkelten Stall halten<\/li>\r\n \t<li>regelm\u00e4\u00dfiges Auswischen von Augensekret<\/li>\r\n \t<li>Auftragen von Lebertranzinksalbe\/Vaseline unterhalb der Augen um eine Irritation der Haut durch \u2028ablaufendes Augensekret zu vermeiden<\/li>\r\n \t<li>Heuf\u00fctterung vom Boden<\/li>\r\n \t<li>Eigenverletzung des Auges durch Sichtbehinderung (Hervorstehen von Ecken und Kanten) oder Scheuern \u2028des Auges vermeiden<\/li>\r\n<\/ul>\r\n<h2><strong>Prognose: <\/strong><\/h2>\r\nDie meisten F\u00e4lle von Periodischer Augenentz\u00fcndung reagieren gut auf eine intensive Therapie. Wichtig ist, dass mit der medikament\u00f6sen Behandlung so fr\u00fch wie m\u00f6glich begonnen wird. Je fr\u00fcher die Behandlung einsetzt, desto gr\u00f6\u00dfer sind die Aussichten auf eine bestm\u00f6gliche Wiederherstellung des Auges, besonders wenn nur vordere Strukturen des Auges betroffen sind. Sind hintere Abschnitte des Auges (wie z.B. der Glask\u00f6rper) betroffen, kann der Heilungsprozess Monate in Anspruch nehmen. Jegliche Verz\u00f6gerung des Behandlungsbeginns kann zu starken Folgesch\u00e4den inklusive v\u00f6lliger Erblindung f\u00fchren.\r\n\r\nLokale Medikamente sollten deutlich \u00fcber den Zeitpunkt des R\u00fcckgangs der akuten Symptome verabreicht werden (bis zu 30 Tage). Dadurch kann die Wahrscheinlichkeit eines Rezidivs vermindert werden.\u2028Es ist jedoch nicht m\u00f6glich vorherzusagen in welchen F\u00e4llen es zu einer Rezidivierung kommen wird oder in denen eine Erkrankung des anderen Auges erwartet werden mu\u00df.\r\n\r\nBesitzer von Pferden mit der Vorgeschichte einer periodischen Augenentz\u00fcndung sollten jegliche Anzeichen eines Rezidivs als tier\u00e4rztlichen Notfall betrachten.\u2028In einer geringen Anzahl von F\u00e4llen bleibt die Therapie erfolglos. H\u00e4ufig kommt es bei diesen Pferden mit der Zeit zu einer Spontanheilung, aber starke Sch\u00e4digungen des Auges sind unvermeidbar. In diesen F\u00e4llen oder bei Pferden mit v\u00f6lliger Erblindung, bei denen es zu wiederholten akuten Sch\u00fcben kommt, ist eine Enukleation (= Herausnehmen des Auges) empfehlenswert.","type":"rich"}