{"version":"1.0","provider_name":"Pferdegesundheitsakademie","provider_url":"https:\/\/pferdegesundheitsakademie.de","author_name":"Dr. Kai Kreling","author_url":"https:\/\/pferdegesundheitsakademie.de\/author\/ar\/","title":"Farbvererbung","html":"Es gilt bei den Z\u00fcchtern und Reitern die g\u00e4ngige Redensart: \"Ein gutes Pferd hat keine Farbe\". Aber trotzdem spielt die Farbe f\u00fcr viele Reiter und Kaufinteressenten doch eine wesentliche Rolle, wie es sich bei der Modefarbe Schecke zeigt. Dar\u00fcber hinaus kann die Haarfarbe mit bestimmten Erkrankungen verbunden sein. Im Rahmen dieses Artikels wird daher die Farbvererbung des Pferdes in vereinfachter Form dargestellt.\r\n\r\nDie Haarfarbe wird durch Pigmente, sogenannte Melanine, hervorgerufen. Diese werden in den Melanozyten, speziellen Zellen in der Haarwurzel und der Haut, als kleine Pigmentk\u00f6rnchen gebildet. Es gibt zwei Typen von Melaninen: Eumelanine (braun bis schwarz) und Ph\u00e4omelanine (gelb bis rot). Alle Haarfarben entstehen nur durch die Kombination oder das Fehlen dieser beiden Melanintypen.\r\n\r\nDas Pferd hat 64 Chromosomen, die je zur H\u00e4lfte von der Stute und dem Hengst stammen und dabei nach dem Zufallsprinzip beliebig kombiniert werden. Je 2 Chromosomen mit ihren Genen bilden ein Paar. Da das dominante Gen A seinen Partner a (= rezessives Gen) unterdr\u00fcckt, sind die Gen-Kombinationen AA und Aa im \u00e4u\u00dferen Erscheinungsbild gleich. Nur wenn zwei rezessive Gene (aa) aufeinandertreffen, bestimmen sie dann das \u00e4u\u00dfere Bild.\r\n\r\nMindestens 10 verschiedene Gene sind f\u00fcr die Farbvererbung verantwortlich. Man unterscheidet die drei Standardfarben schwarz, braun und fuchsfarben mit vielen Modifikationen. Die wei\u00dfe Farbe wird durch das Fehlen jeglicher Pigmente hervorgerufen. Es gibt sechs Allelserien, die die Farbvererbung bestimmen (vereinfachtes Schema):\r\n<h2><strong>A-Serie = Wildfarbenserie <\/strong><\/h2>\r\nDie Allele AA und Aa bestimmen die Wildfarbe des Przewalski-Pferdes, w\u00e4hrend bei aa-Tr\u00e4gern die Haarfarbe schwarz ist.\r\n<h2><strong>B-Serie = Braunserie <\/strong><\/h2>\r\nPferde mit der Kombination BB oder Bb sind schwarz, w\u00e4hrend bb braunes Fell hervorruft.\r\n<h2><strong>C-Serie = Albino-Serie <\/strong><\/h2>\r\nCC steht f\u00fcr komplette Pigmentierung ohne Farbverd\u00fcnnung. Bei Cccr-Tr\u00e4gern wird rotes Pigment gelb, w\u00e4hrend schwarz nicht verd\u00fcnnt wird (Falbe, Palomino). Und bei ccrccr-Tr\u00e4gern werden alle Pigmente verd\u00fcnnt (Cremello: fast wei\u00dfes Pferd).\r\n<h2><strong>D-Serie = Farbverd\u00fcnnungsserie <\/strong><\/h2>\r\nDD oder Dd f\u00fchrt zur Verd\u00fcnnung aller Farben bis auf die Abzeichen Aalstrich, Schulterkreuz und Querstreifen an den Beinen. Bei dd \u2013Tr\u00e4gern bleibt die Farbe unver\u00e4ndert.\r\n<h2><strong>E-Serie = Verteilungsserie <\/strong><\/h2>\r\nEE und Ee f\u00fchren zu schwarzen oder dunkelbraunen F\u00e4rbungen, w\u00e4hrend aus der Kombination ee F\u00fcchse entstehen.\r\n<h2><strong>G-Serie = Vergrauungsserie <\/strong><\/h2>\r\nPferde mit GG und Gg werden pigmentiert geborden und werden im Laufe des Lebens wei\u00df. Bei der Kombination gg handelt es sich um Nichtschimmel.\r\n<h2><strong>W-Serie = Pigmentbildungsf\u00e4higkeit <\/strong><\/h2>\r\nDie Kombination WW ist ein Letalfaktor, das bedeutet da\u00df die Fohlen tot geboren werden. Ww-Tr\u00e4ger sind wei\u00dfgeborene Pferde, w\u00e4hrend die Kombination ww keinen Einflu\u00df hat.\r\n<h2><strong>To = Tobiano-Zeichnung <\/strong><\/h2>\r\nPferde mit der Kombination ToTo oder Toto werden Tobianos. Die Variante toto f\u00fchrt zu keiner Scheckung.\r\n\r\nDieses Schema erkl\u00e4rt folgende Beobachtungen, die jeder Z\u00fcchter machen kann: Die Anpaarung eines Fuchses mit einem Fuchs ergibt immer F\u00fcchse,\u2028aber die Kombination Brauner mit Brauner und Fuchs mit Brauner ergibt sowohl F\u00fcchse, Braune als auch Rappen. Auch die Anpaarung Rappe mit Rappe kann F\u00fcchse hervorbringen. Bei einem Schimmelfohlen muss immer ein Elternteil ein Schimmel sein.\r\n\r\nEs gibt inzwischen drei Genteste, die Klarheit in die Farbvererbung des Pferdes bringen:\r\n<h2><strong>Test auf Fuchsfarbe<\/strong><strong>\u2028<\/strong><\/h2>\r\nEntdeckt aus einer Sperma- oder Blutprobe oder aus Haarwurzeln den Tr\u00e4ger oder Nichttr\u00e4ger des Fuchsfarbgens (e) in Nicht-fuchsfarbenen Pferden . Dabei bringen Pferde ohne Fuchsfarbgen auch in Anpaarung mit F\u00fcchsen keine Fuchsnachkommen zur Welt.\r\n<h2><strong>Test f\u00fcr Tobiano-Scheckung <\/strong><\/h2>\r\nDieser Test deckt doppelte Gentr\u00e4ger unter Tobiano-Schecken auf (ToTo). Doppelgentr\u00e4ger sollen in Kombination mit allen Farben nur bunte Fohlen bringen.\r\n\r\nDabei handelt es sich um ein indirektes Verfahren im Blut, bei dem bisher noch nicht das Gen selber nachgewiesen werden kann.\r\n<h2><strong>Lethal Overo White-Test ( LOW-Test) <\/strong><\/h2>\r\nBei der t\u00f6dlichen Wei\u00dff\u00e4rbung handelt es sich um eine Erkrankung, bei der die betroffenen Fohlen aufgrund einer Darmentwicklungsst\u00f6rung innerhalb der ersten Tage nach der Geburt sterben. LOW-Einzelgentr\u00e4ger sind vollst\u00e4ndig gesund, aber bei Vorhandensein des Gens in doppelter Form kommt es zu dieser t\u00f6dlichen Erkrankung. Daher sollten LOW-Gentr\u00e4ger, die man mit diesem Gentest identifizieren kann, nicht verpaart werden. Das Gen kommt vor allem im Paint-Horse bei Overos, bei bunten US-Vollbl\u00fctern und bunten US-Miniatur-Pferden, aber auch bei einfarbigen Paints- und Quarter-Horses vor.\r\n\r\nNoch ist man von einer kompletten Identifizierung der einzelnen Farbgene weit entfernt, aber mit Hilfe der modernen Molekulargenetik ist schon viel Licht ins Dunkel der Farbvererbung gebracht worden. Vielleicht ist in der Zukunft die komplette Farbgenkarte des Pferdes erforscht, mit deren Hilfe der Z\u00fcchter dann \u201edas Fohlen nach Ma\u00df\u201c z\u00fcchten kann.","type":"rich"}