{"version":"1.0","provider_name":"Pferdegesundheitsakademie","provider_url":"https:\/\/pferdegesundheitsakademie.de","author_name":"Dr. Kai Kreling","author_url":"https:\/\/pferdegesundheitsakademie.de\/author\/dr-kai-kreling\/","title":"Fohlen - Die Geburt und die ersten Lebensstunden\u2028","html":"In der <strong>Fohlensaison<\/strong> stellt sich f\u00fcr Z\u00fcchter oft die Frage nach der Beurteilung des genauen <strong>Abfohlzeitpunktes<\/strong>, dem korrekten <strong>Verlauf der Geburt<\/strong> und dem <strong>Verhalten des neugeborenen<\/strong> Fohlens. Dies sind wissenswerte Dinge, denn die meisten Komplikationen bei der Fohlenaufzucht betreffen die Geburt bzw. die ersten 48 Stunden danach. F\u00fcr diese Fragen gibt es keine pauschalen Antworten.\r\n<h3>Wir m\u00f6chten einige Anhaltspunkte und Kriterien nennen, die es dem Stutenhalter erleichtern soll, zu beurteilen, ob der Geburtsvorgang \u201enormal\u201c verl\u00e4uft, oder tier\u00e4rztliche Hilfe n\u00f6tig ist.<\/h3>\r\nDie Geburt eines Fohlens ist sicherlich nach dem letzten Deck- bzw. Besamungstermin zu errechnen. Man rechnet mit <strong>ca. 335 Tagen nach der letzten Bedeckung<\/strong>. Dies ist ein Richtwert, und wie es Richtwerte so an sich haben treffen sie meistens nicht zu. Die <strong>Variationsbreite ist relativ gro\u00df<\/strong>. Die wenigsten Fohlen kommen vor dieser Zeit auf die Welt. Ein Fohlen ist auch erst <strong>relativ sp\u00e4t wirklich lebensf\u00e4hig<\/strong>. Ein dem Fr\u00fchgeborenen beim Menschen vergleichbares 9-Monat-Fohlen ist nicht \u00fcberlebensf\u00e4hig. Fohlen die 3 Wochen vor Geburtstermin auf die Welt kommen haben nur eine sehr geringe \u00dcberlebenschance.\r\n\r\nUm nun den <strong>wahrscheinlichen Geburtstermin<\/strong> etwas genauer beurteilen zu k\u00f6nnen, gibt es einige <strong>Anzeichen<\/strong>, die man gut beobachten sollte. Kurz vor der Geburt bilden sich an den Ausf\u00fchrungsg\u00e4ngen der Zitzen der Stute <strong>Harztropfen<\/strong>. Sie sehen aus wie Honigtropfen und sollen das Ablaufen der sich nun bildenden Erstmilch, der Kolostralmilch, verhindern. Gleichzeitig kann man oft ein gering gradiges nach au\u00dfen drehen der Zitzen beobachten. Die <strong>Beckenb\u00e4nder<\/strong> lockern sich innerhalb der letzten Tage der Tr\u00e4chtigkeit. Alte Z\u00fcchter sagen <strong>\u201eder Bauch f\u00e4llt\u201c<\/strong>. Tats\u00e4chlich wirken diese Stuten im R\u00fcckenbereich spitzer und der Bauch h\u00e4ngt jetzt mehr nach unten. Die Flankenpartie, die K\u00f6rperregion vor den Beckenknochen, wirkt eingefallen. Im Bereich der Scham verliert die Haut ihre F\u00e4ltelung. Die <strong>Schleimhaut<\/strong> wird nun extrem gut durchblutet und ver\u00e4ndert ihre Farbe von blass rosa nach kr\u00e4ftig rot.\r\n\r\nKurz vor der sichtbaren Geburt des Fohlens beginnt das <strong>\u00d6ffnungsstadium<\/strong>. Die <strong>Stute<\/strong> verh\u00e4lt sich oft \u00fcber mehrere Stunden <strong>unruhig<\/strong>. Manche Stute zeigen die gleichen Anzeichen wie bei einer milden Kolik. Sie schlagen mit dem Schweif, legen sich hin und stehen gleich danach wieder auf. Sie setzen auch h\u00e4ufiger Kot ab. W\u00e4hrend dieser Zeit kommt es im Bereich der weichen Geburtswege zu einer \u00d6ffnung bzw. Dehnung. Um die Stute jetzt im Genitalbereich besser beobachten zu k\u00f6nne, und die eventuelle Hilfestellung bei der eigentlichen Geburt zu erleichtern, hat es sich bew\u00e4hrt, den <strong>Schweif der Stute einzubinden<\/strong>. Das <strong>S\u00e4ubern des Schambereiches<\/strong> versteht sich von selbst.\r\n\r\nDie zweite Phase der Geburt ist die <strong>Austreibungsphase<\/strong>. Sie beginnt mit dem <strong>Platzen der Fruchtblase<\/strong>. Der Stute laufen pl\u00f6tzlich mehrere Liter einer aromatisch riechenden hellgelblichen Fl\u00fcssigkeit aus der Scheide. Die Farbe und der Geruch lassen die Unterscheidung zum Urinieren leicht zu. Nun folgt das Erscheinen der beiden <strong>gestreckten Vorderbeine<\/strong> und dem darauf liegenden <strong>Kopf des Fohlens<\/strong>. Die Austreibungsphase sollte <strong>nicht l\u00e4nger als 30 Minuten<\/strong> dauern.\r\n\r\nDas Fohlen f\u00e4llt bei der stehenden Stute in eine trockene, gut mit Stroh gepolsterte Box oder auch auf die Wiese. Die meisten Stuten jedoch liegen w\u00e4hrend des Geburtsvorganges und bleiben oft auch nach der Geburt f\u00fcr einige Minuten liegen.\r\n\r\nBei dem <strong>Neugeborenen<\/strong> sollte man auf jeden Fall darauf achten, dass die <strong>Eih\u00e4ute nicht \u00fcber den N\u00fcstern<\/strong> liegen. Fohlen k\u00f6nnen daran ersticken. Der Nabel rei\u00dft in der Regel ab. Falls nicht, sollte man <strong>ca. 8 Minuten warten und erst dann den Nabel an einer ca. 5 cm von der Bauchdecke entfernten Stelle abdrehen<\/strong>. Wichtig ist die <strong>Nabeldesinfektion<\/strong> mit einer Jodl\u00f6sung! Diese sollte <strong>w\u00e4hrend der ersten Tage \u00f6fters wiederholt<\/strong> werden. Eine <strong>Nabelkontrolle<\/strong> \u00fcber die ersten 10 Lebenstage sollte unbedingt erfolgen.\r\n\r\nDie Stute tritt nach vollendeter Austreibung in die <strong>Nachgeburtsphase<\/strong>. Auch jetzt kann die Stute <strong>kolikartige Symptome<\/strong> zeigen. Diese Anzeichen werden durch die Nachwehen verursacht. Die <strong>Nachgeburt<\/strong> wird nun abgesto\u00dfen. Dieser Vorgang sollte <strong>sp\u00e4testens 2 Stunden nach Geburt<\/strong> abgeschlossen sein. Wichtig ist auch, die Nachgeburt auf ihre <strong>Vollst\u00e4ndigkeit<\/strong> zu pr\u00fcfen. Ein Nachgeburt Verhalten bei der Stute kann <strong>schwerwiegende Vergiftungserscheinungen bis hin zur Hufrehe<\/strong> verursachen.\r\n<h3>Die Entwicklung des jungen Fohlens kann an verschiedenen Verhaltensweisen recht gut beurteilt werden:<\/h3>\r\n<ul>\r\n \t<li>Innerhalb der ersten <strong>2 Minuten<\/strong> sollte es in Brustlage kommen und ruhig und regelm\u00e4\u00dfig atmen. Die Maulspalte sollte geschlossen sein. Fohlen, die auf der Seite liegen und unregelm\u00e4\u00dfig und angestrengt eventuell sogar durch das Maul atmen, sind ernst zu nehmen.<\/li>\r\n \t<li>Innerhalb der ersten <strong>30 Minuten<\/strong> sollte das Fohlen Aufstehversuche unternehmen. Fohlen, die unbeteiligt liegen bleiben oder sogar in Seitenlage krampfen sind nicht in Ordnung. Tier\u00e4rztliche Hilfe ist dringend angezeigt .<\/li>\r\n \t<li>Innerhalb der ersten <strong>2 Stunden<\/strong> sollte das Fohlen relativ sicher stehen. Ungen\u00fcgende Aufstehversuche oder unbeteiligtes Liegenbleiben sind nicht die Regel.<\/li>\r\n \t<li>Innerhalb der ersten <strong>2 Stunden<\/strong> sollte das Fohlen auch den Kontakt zur Mutter suchen. Fohlen, die z.B. in die Ecken des Stalles laufen und sich nicht um ihre Mutter bem\u00fchen sind in ihrem Verhalten abnormal.<\/li>\r\n \t<li>M\u00f6glichst innerhalb der ersten <strong>3 Stunden<\/strong> sollte das Fohlen an der Mutter ges\u00e4ugt haben. Zeiten bis 6 Stunden sind noch zu tolerieren. Die Aufnahme der Erstmilch ist sehr wichtig, da diese die Immunk\u00f6rper auf das Fohlen \u00fcbertragen. Die Aufnahme der Immunk\u00f6rper \u00fcber die D\u00fcnndarmschleimhaut des Fohlens sinkt mit der Zeit und stoppt nach ca. 12 Stunden.<\/li>\r\n \t<li>Innerhalb der ersten <strong>6 Stunden<\/strong> sollten die Fohlen koordiniert Stehen. Schwerf\u00e4lliges Aufstehen, taumeln oder sonstige unkoordinierte Bewegungen sind jetzt nicht mehr zu tolerieren.\r\nDer K\u00f6rpertemperatur sollte nach den ersten 6 Stunden zwischen 38,2\u00b0 und 39,0\u00b0 liegen. Bedenkliche Abweichungen von der Norm w\u00e4ren Temperaturen \u00fcber 39,2\u00b0 oder unter 38,0\u00b0.<\/li>\r\n \t<li>Innerhalb der ersten <strong>8 Stunden<\/strong> nach der Geburt sollte das Mekonium (Darmpech) abgegangen sein. Der Kot sieht nach dem Abgang des Darmpechs hellgelb und d\u00fcnnbreiig aus. Ist das Fohlen zunehmend unruhig und presst es st\u00e4ndig, sollte der Tierarzt zu Hilfe gerufen werden. Eine prophylaktische Gabe eines Klistiers, vor allem bei Hengstfohlen, direkt nach der Geburt hat sich sehr bew\u00e4hrt.<\/li>\r\n<\/ul>\r\n<strong>12-18 Stunden nach der Geburt<\/strong> sollte zur Bestimmung der Konzentration von Antik\u00f6rpern im Blut des Fohlens ein <strong>Immuntest<\/strong> (IgG-Antik\u00f6rpertest) durchgef\u00fchrt werden. Dies ist eine Kontrolle, ob das Fohlen gen\u00fcgend und qualitativ ausreichend mit Immunsubstanzen versorgt ist. Diese Immunk\u00f6rper sind f\u00fcr das Fohlen lebenswichtige Abwehrstoffe gegen die Keime in der Umgebung. Fohlen werden ohne Schutzsubstanzen geboren und m\u00fcssen sie \u00fcber die Erstmilch \u2013 Biestmilch \u2013 Kolostralmilch \u2013 aufnehmen. Rechtzeitige Milchaufnahme ist daher von lebenserhaltender Bedeutung! Die Darmschranke ist nur w\u00e4hrend der ersten 12 \u2013 18 Stunden f\u00fcr die Antik\u00f6rper passierbar. Hat eine Stute keine oder nur wenig Milch, muss Ersatzkolostrum beschafft werden. Stutenhalter, die mehrere Zuchtstuten halten, sollten bei \u00e4lteren Stuten, die in der Regel viel Kolostralmilch haben, Milch abmelken und f\u00fcr solche F\u00e4lle einfrieren.\r\n\r\nHat ein Fohlen im <strong>IgG-Test zu niedrige Werte<\/strong>, so sollte eine <strong>Bluttransfusion<\/strong> durchgef\u00fchrt werden. Alternativ k\u00f6nnen auch Seren gespritzt werden, die jedoch keinen umfassenden Schutz vermitteln.\r\n\r\nWichtig ist die Injektion eines passiven <strong>Tetanus<\/strong>serums f\u00fcr Fohlen und Mutterstute, falls die Mutter nicht geimpft ist.\r\n\r\nDie <strong>Entwurmung<\/strong> der Stute sollte noch vor der Geburt des Fohlens erfolgen. Die Fohlen infizieren sich mit Wurmlarven \u00fcber die Milch. Aus diesem Grunde ist eine entsprechende Vorsorge unbedingt durchzuf\u00fchren. Nach der Geburt sollte das Fohlen zwischen dem <strong>4. und 6. Tag<\/strong> das erste mal entwurmt werden. Danach <strong>im Laufe der ersten 6 Monate alle 4 Wochen<\/strong> und anschlie\u00dfend bis zu einem Jahr <strong>alle 2 Monate<\/strong>. Eine regelm\u00e4\u00dfige Entwurmung verhindert Koliken und verbessert die Voraussetzungen f\u00fcr eine gute k\u00f6rperliche Entwicklung der Fohlen.\r\n\r\nAktive Immunisierung \u2013 <strong>Impfung<\/strong> - ist bei Fohlen ab dem 4. Lebensmonat durchf\u00fchrbar.\r\n\r\nTrotz all dieser Eventualit\u00e4ten ist es eher die Regel, dass Fohlen komplikationslos geboren werden und sich auch unproblematisch entwickeln. Dieser Artikel soll nicht den Sinn haben, Sie als Z\u00fcchter zu demotivieren, sondern Ihnen helfen, kranke Tiere m\u00f6glichst fr\u00fch zu erkennen und entsprechende Gegenma\u00dfnahmen einzuleiten.","type":"rich","thumbnail_url":"https:\/\/pferdegesundheitsakademie.de\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/DSC_0677-150x150.jpg","thumbnail_width":150,"thumbnail_height":150}