{"version":"1.0","provider_name":"Pferdegesundheitsakademie","provider_url":"https:\/\/pferdegesundheitsakademie.de","author_name":"Dr. Kai Kreling","author_url":"https:\/\/pferdegesundheitsakademie.de\/author\/dr-kai-kreling\/","title":"Fohlen - Nach der Geburt","html":"Die Geburt eines Fohlens ist f\u00fcr den Stutenbesitzer ein H\u00f6hepunkt seiner z\u00fcchterischen Planung. <strong>Fohlen sind nach der Geburt allerdings doch sehr anf\u00e4llig<\/strong> und es kommt immer wieder zu tragischen Verlusten.\r\n<h3>Wie sollte man mit dem neugeborenen und heranwachsenden Fohlen umgehen und welche prophylaktischen Ma\u00dfnahmen sind sinnvoll?<\/h3>\r\nUnmittelbar nach Austritt des Fohlens aus dem Geburtsweg setzen die ersten Atemz\u00fcge ein.\r\n<strong>Nasen\u00f6ffnung und Mundspalt<\/strong> d\u00fcrfen nicht von Fruchth\u00fcllen und Schleim verlegt sein. Manchmal legt sich die Fruchth\u00fclle wie eine Kappe fest um den Fohlenkopf ohne einzurei\u00dfen, was zum Erstickungstod f\u00fchren kann. In diesem Falle sollte man z\u00fcgig N\u00fcstern und Maulh\u00f6hle vom Schleim befreien. Anf\u00e4nglich unregelm\u00e4\u00dfige Atemz\u00fcge werden rhythmischer und tiefer, erkennbar am Heben uns Senken des Brustkorbes. Fehlen diese Anzeichen m\u00fcssen sie sofort von au\u00dfen angeregt werden. Dies geschieht am besten durch Aufsetzen und Wechsel- druck beider \u00fcberkreuzter H\u00e4nde auf den Brustkorb im Takt der schwachen Ein-und Ausatmungst\u00e4tigkeit. Durch das Aufsetzen einer trichterf\u00f6rmig geformten Hohlhand kann zus\u00e4tzlich Luft in die Nasen\u00f6ffnungen geblasen werden. Diese Ma\u00dfnahmen sind allerdings nur in wenigen Ausnahmef\u00e4llen notwendig.\r\n\r\nDer <strong>Nabel<\/strong> rei\u00dft innerhalb der ersten Lebensminuten von alleine durch Aufstehversuche der Mutterstute oder des Fohlens ab.\r\nDas Einrei\u00dfen erfolgt an einer daf\u00fcr vorgesehenen Stelle ca. 3 cm unterhalb der Bauchdecke des Fohlens. Falls der Nabel sich nicht spontan l\u00f6st, kann er an der beschriebenen Stelle durch Abdrehen durchtrennt werden. Abschneiden des Nabels f\u00fchrt h\u00e4ufig zu starken Blutungen. Unmittelbar nach der Durchtrennung sollte der Nabelstumpf mit <strong>Betaisadonal\u00f6sung<\/strong> oder <strong>Jod-Alkohol-Tinktur<\/strong> desinfiziert werden. Dies ist sehr wichtig, da der Nabelstumpf h\u00e4ufig Eintrittspforte f\u00fcr Krankheitserreger ist. \u00dcber die Nabelvene k\u00f6nnen die Erreger zur Leber und von dort in das gesamte Blutgef\u00e4\u00dfsystem bzw. den K\u00f6rper des Fohlens gelangen. <strong>H\u00e4ufig wiederholtes Desinfizieren und die Kontrolle des Nabelstumpfes ist in den ersten Lebenstagen sehr wichtig.<\/strong>\r\n\r\n<strong>Erste Aufstehversuche<\/strong> des Fohlens beginnen ca. 5-10 Minuten nach der Geburt. Meistens sind mehrere Versuche notwendig bis das Fohlen endg\u00fcltig stehen kann. Saug-und Schluckreflexe sind bei Fohlen bereits zum Zeitpunkt der Geburt voll ausgebildet.\r\n\r\n<strong>Erstes Saugen<\/strong> sollte innerhalb der ersten 3 Stunden erfolgen, da das Fohlen dabei die Kolostralmilch aufnimmt, die Immunglobuline=Abwehrstoffe gegen Krankheitserreger enth\u00e4lt. Fohlen werden ohne diese Immunglobuline geboren. <strong>Die Aufnahme von Kolostrum ist lebenserhaltend.<\/strong> Au\u00dferdem muss die Kolostrumaufnahme <strong>so fr\u00fch m\u00f6glich<\/strong> geschehen, da der Fohlendarm ab der 12.-18. Lebensstunde diese Immunglobuline = Abwehrstoffe nicht mehr aufnehmen kann. Im Blut steigt der Gehalt an Immunglobulinen nach gen\u00fcgend hoher Aufnahme von Kolostrum deutlich auf Werte \u00fcber 800mg\/dl.\r\n\r\nMittels eines <strong>Schnelltestes<\/strong> kann der Immunbglobulin G -Gehalt im Fohlenblut nachgewiesen werden (IgG-Test).\u00a0 Fohlen, die nicht an die Stute gebracht werden k\u00f6nnen, m\u00fcssen die von der Stute <strong>abgemolkene Kolostralmilch per Flasche mit Sauger<\/strong> erhalten. Saug- und Schluckreflexe m\u00fcssen vorhanden sein. Die Milch sollte nicht mit Gewalt eingefl\u00f6\u00dft werden, da die Gefahr eines Verschluckens in die Luftwege besteht. Kann ein Fohlen weder Saugen noch Schlucken, erh\u00e4lt es die Kolostralmilch \u00fcber die <strong>Nasenschlundsonde<\/strong>. Sp\u00e4ter kann es auch mit Milchersatz wie Salvana Fohlenmilch aufgezogen werden. Einfacher ist die Aufzucht mutterloser Fohlen bei Vorhandensein einer <strong>Ammenstute<\/strong>.\r\n\r\nDas <strong>Fohlenpech=Mekonium<\/strong> geht innerhalb 3-12 Stunden ab. Es ist schwarz und klebrig und entsteht im Fohlendarm aus Zerfallsprodukten. Nach sp\u00e4testens 96 Stunden sollte das Fohlen gelben Milchkot absetzen.\r\n\r\n<strong>Hengstfohlen<\/strong> leiden aufgrund ihres schm\u00e4leren Beckeneinganges h\u00e4ufiger unter Mekoniumverhalten als Stutfohlen; der Kotstrang kann im Darm diese Enge nicht passieren und es kommt zu Kotstauungen. Es hat sich bew\u00e4hrt, speziell bei Hengstfohlen, <strong>prophylaktisch nach der Geburt ein Klistier in den Enddarm<\/strong> einzugeben.\r\n<h3>Trotz gr\u00f6\u00dfter Vorsicht kann sich ein Fohlen mit verschiedenen <strong>Erregern<\/strong> infizieren:<\/h3>\r\n<strong>1. Fohlenl\u00e4hme=neonatale Septik\u00e4mie \u00a0<\/strong>\r\nUmwelt, Stute und Fohlen fungieren als Tr\u00e4ger infektionsbeg\u00fcnstigender Faktoren. Als Erreger f\u00fcr diese Krankheit kommen z.B. Streptokokken, Staphylokokken, Salmonellen, Klebsiellen vor; diese Bakterien k\u00f6nnen das Fohlen sowohl vor, w\u00e4hrend\u00a0 als auch nach der Geburt infizieren. Die Krankheit ist eine septik\u00e4misch \u2013 sich im Blutkreislauf des Fohlens verteilende Allgemeinerkrankung, die sich in Gelenkentz\u00fcndungen, muskul\u00e4ren Abszessen, Darmentz\u00fcndungen mit Durchf\u00e4llen und Entz\u00fcndungen der Lunge und Bronchien \u00e4u\u00dfern kann. F\u00fcr eine ausreichende Stall-, Zucht- und Geburtshygiene m\u00fcsse gesorgt werden.\r\n\r\n<strong>2. Atemweginfektionen \u00a0<\/strong>\r\nFohlen und J\u00e4hrlinge sind besonders anf\u00e4llig f\u00fcr Atemweginfektionen. Ein neuankommendes infiziertes oder infektionsverd\u00e4chtiges Tier sollte sofort isoliert werden.\r\n\r\n<strong>3. Parasit\u00e4re Durchf\u00e4lle \u00a0<\/strong>\r\nDie Fohlen infizieren sich \u00fcber die Muttermilch w\u00e4hrend der ersten Lebenstage mit den Larven von Darmparasiten.\r\nF\u00fcr die Behandlung infekti\u00f6ser Fohlendurchf\u00e4lle ist die exakte Kenntnis des Erregers meist von untergeordneter Bedeutung; Stre\u00df spielt eine gro\u00dfe Rolle.\r\n\r\nHohe kolostrale Antik\u00f6rpertiter stellen den besten Schutz gegen Durchf\u00e4lle dar.\r\n\r\n<strong>Die allgemeine Hygiene spielt eine wesentliche Rolle. \u00a0<\/strong>\r\nIst das Fohlen gesund und entwickelt sich gut, sollte man durch Entwurmungen und Impfungen die weitere Gesunderhaltung unterst\u00fctzen.\r\n<h3>Entwurmung<\/h3>\r\nBei Fohlen sollte schon im Alter von 4-6 Tagen mit der Entwurmung beginnen. Bis zum Alter von 6 Monaten sollten die Entwurmungen in 4 w\u00f6chigem Abstand, danach bis zum Alter von 12 Monaten alle 8 Wochen erfolgen.\r\n\r\nAnschlie\u00dfend ist die regelm\u00e4\u00dfige Entwurmung, wie bei den erwachsenen Pferden, alle 3 Monate zu empfehlen.\r\n<h3>Impfung<\/h3>\r\nAufgrund der besonderen Struktur seiner D\u00fcnndarmwand nimmt das neugeborene Fohlen die mit dem Kolostrum eingenommenen Antik\u00f6rper in seinem Kreislauf auf. Diese in den Kreislauf eingeschleusten Antik\u00f6rper sch\u00fctzen es prim\u00e4r vor septik\u00e4misch \u2013 im Blut sich verbreitenden - Infektionskrankheiten (Fohlenl\u00e4hme). Die darmgebundenen Antik\u00f6rper, die ebenfalls in der Kolostralmilch enthalten sind, sch\u00fctzen vor lokal ablaufenden Darminfektionen (Durchf\u00e4lle).\u00a0 Dieser Schutz h\u00e4lt bis zu 6 Wochen an. Danach muss das Fohlen eigene Abwehrstoffe produzieren. Dies ist allerdings erst in vollem Umfang ab dem vollendetem 3. Lebensmonat m\u00f6glich. Diese Versorgungsl\u00fccke mit entsprechenden Antik\u00f6rpern ist nicht zu verhindern. Zur Unterst\u00fctzung der Immunantwort kann man das heranwachsende Fohlen ab dem 4. Lebensmonat impfen. Erst jetzt ist es in der Lage, eigene Antik\u00f6rper zu produzieren.\r\n<h4>Pferdeinfluenza (Pferdegrippe)<\/h4>\r\nImpfstoffe : Prevacun F, Cavallon IE. Duvaxyn IE\r\n\r\nDie Grundimmunisierung besteht aus 3 Impfungen; die 1. und 2. im Abstand von 4-6 Wochen und die 3. nach weiteren 6 Monaten. Wiederholungsimpfungen sollten alle 6-9 Monate durchgef\u00fchrt werden.\r\n\r\nWochen, die 3. Nach 4 Monaten. Wiederholungsimpfungen sollten alle 6 Monate durchgef\u00fchrt werden. Fohlen ab 6 Monaten sollten gegen beide Erreger (Influenza- und Herpesviren) grundimmunisiert werden.\r\n<h4>Tollwut<\/h4>\r\nImpfstoffe : Rabisin, Madivak usw.\r\n\r\nEs ist keine Grundimmunisierung notwendig. Impfung im 6. Lebensmonat, danach alle 12 Monate.\r\n<h4>Tetanus<\/h4>\r\nImpfstoffe: verschiedene Tetanus-toxoide\r\n\r\nGrundimmunisierung im 4. Lebensmonat, 2. Impfung im Abstand von 4-8 Wochen, danach alle 24 Monate\r\n\r\nDie sorgf\u00e4ltige Aufzucht beinhaltet neben den oben aufgef\u00fchrten Ma\u00dfnahmen eine <strong>artgerechte Haltung und F\u00fctterung<\/strong>. Pferde sind Lauftiere und ben\u00f6tigen besonders w\u00e4hrend ihrer Entwicklungsphase <strong>viel Bewegung<\/strong>. Auslauf, <strong>frische Luft<\/strong> und <strong>angemessenes Futter<\/strong> verbessern die Entwicklung und Gesunderhaltung unseres heranwachsenden Pferdes.\r\n\r\nF\u00fcr den Z\u00fcchter gibt es nichts sch\u00f6neres, als einen gesunden und gut entwickelten 3-j\u00e4hrigen. Durch entsprechende Ma\u00dfnahmen kann man die Entwicklung der heranwachsenden Pferde deutlich verbessern.\r\n\r\n<strong><a class=\"color-button teal\" href=\"https:\/\/amagno.me\/Fohlen2\" target=\"_blank\">Download des Beitrags als PDF<\/a><\/strong>","type":"rich","thumbnail_url":"https:\/\/pferdegesundheitsakademie.de\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/DSC_0671-150x150-1465982943.jpg","thumbnail_width":150,"thumbnail_height":150}