{"version":"1.0","provider_name":"Pferdegesundheitsakademie","provider_url":"https:\/\/pferdegesundheitsakademie.de","author_name":"Dr. Kai Kreling","author_url":"https:\/\/pferdegesundheitsakademie.de\/author\/dr-kai-kreling\/","title":"F\u00fctterung der Pferde - Was und wie viel ist gut?","html":"Die Ern\u00e4hrung unserer Reitpferde unterscheidet sich wesentlich von der seiner wildlebenden Vorfahren. Nicht nur die Stallhaltung, sondern auch die Leistungsanforderungen bedingen eine absolut ver\u00e4nderte physikalische Struktur und Zusammensetzung der heute verwendeten Futtermittel. Diese Ver\u00e4nderungen f\u00fchren zu einer Vielfalt von Risiken wie Verdauungsproblemen, Stoffwechsel- und Verhaltensst\u00f6rungen. Eine geeignete Rationsgestaltung und angemessene F\u00fctterungstechnik k\u00f6nnen diese Risiken minimieren.\r\n<h2>Pferde brauchen f\u00fcr die Erhaltung ihrer Lebensfunktionen eine Basisern\u00e4hrung.<\/h2>\r\nInhaltsstoffe der Futtermittel sind:\r\n<ul>\r\n \t<li>Kohlenhydrate<\/li>\r\n \t<li>Proteine \u2013 Eiwei\u00dfe<\/li>\r\n \t<li>Rohfaser<\/li>\r\n \t<li>Essentielle Fetts\u00e4uren \u2013 unges\u00e4ttigte Fetts\u00e4ure<\/li>\r\n \t<li>Mengen- und Spurenelemente<\/li>\r\n \t<li>Vitaminen<\/li>\r\n \t<li>Wasser<\/li>\r\n<\/ul>\r\n<strong>Kohlenhydrate<\/strong> sind die wichtigste Energiequelle des Pferdes. Sie bestehen aus mehr oder weniger langen Zuckermolek\u00fclen, die im Pferdedarm zu Fetts\u00e4uren umgebaut und dann in den K\u00f6rper aufgenommen werden. Enthalten sind Kohlenhydrate in Rauh- und Kraftfutter.\r\n\r\n<strong>Eiwei\u00dfe<\/strong> sind nicht wesentliche Energiespender des Pferdes. Die Eiwei\u00dfe werden zum wesentlichen Teil im D\u00fcnndarm des Pferdes aufgespalten und dienen dem Ersatz des Auf- und Abbau des K\u00f6rpereiwei\u00dfes.\r\n\r\n<strong>Rohfaser<\/strong> ist zu 15 \u2013 20% in allen Futtermitteln vorhanden. Bei Leistungspferden sollte der Anteil 22% nicht \u00fcbersteigen. Rohfaser ist Energiearm und Ballaststoffreich. Rohfaser stellt das n\u00f6tige Futtervolumen, und erzeugt durch seine F\u00fclle eine \u201eReizwirkung\u201c auf die Magen-Darmwand. Die Motorik - Darmbewegung - wird dadurch aufrechterhalten. Hoch konzentrierte Futtermittel werden durch den Zusatz von Rohfaser in ihrer Verdaulichkeit verbessert.\r\n\r\n<strong>Fette<\/strong> sind als direkte Energietr\u00e4ger im Pferdefutter nur in geringen Mengen enthalten. In Form von Pflanzen\u00f6len und Sojaschrot haben \u00d6le eine durchaus positive Wirkung auf Verdauung und auch auf den Fellstoffwechsel.\r\n\r\n<strong>Mineralstoffe und Spurenelemente<\/strong> werden nur in kleinen Mengen gebraucht, sind aber bei ungen\u00fcgender Versorgung deutlich Leistungs- und Gesundheits- mindernd.\r\n\r\nFolgende <strong>Mineralstoffe<\/strong> sind f\u00fcr das Pferd wichtig\r\n<ul>\r\n \t<li>Calcium \u2028 21 Gramm\/ 500 Kg K\u00f6rpergewicht<\/li>\r\n \t<li>Phosphor \u2028 14 Gramm\/ 500 Kg K\u00f6rpergewicht<\/li>\r\n \t<li>Natrium \u2028 11 Gramm\/ 500 Kg K\u00f6rpergewicht 2<\/li>\r\n \t<li>Magnesium \u2028 2,5 Gramm\/500 Kg K\u00f6rpergewicht<\/li>\r\n \t<li>Kalium<\/li>\r\n \t<li>Schwefel<\/li>\r\n \t<li>Chlor<\/li>\r\n<\/ul>\r\nNicht allein die Menge, sondern das Verh\u00e4ltnis der Stoffe zueinander, bestimmen die Verf\u00fcgbarkeit f\u00fcr den Stoffwechsel.\u2028z.B. Wichtig f\u00fcr den Knochenaufbau ist das <em>Calcium-Phophor <\/em>Verh\u00e4ltnis.\u2028Es sollte in der Gesamtration 2:1 nicht unterschreiten. Hafer hat ein besonders ung\u00fcnstiges Ca:P Verh\u00e4ltnis von 0,2:1.\r\n\r\nIm Schwei\u00df des Pferdes wird viel <em>Natrium, Chlor und Kalium<\/em> ausgeschieden. Sie werden auch als \u201eElektrolyte\u201c verstanden. Durch Kochsalz ist sowohl die Menge, als auch das Verh\u00e4ltnis von Natrium und Chlor leicht zu ersetzen. Das Verh\u00e4ltnis Kalium zu Natrium ist bei 5:1 ausgeglichen. Kalium kann durch die Gabe von einer Banane am Tag ebenfalls sehr einfach ersetzt werden.\u2028Kalium und Natrium sind wesentlich f\u00fcr die Muskelarbeit, speziell f\u00fcr die des Herzmuskels.\r\n\r\n<strong>Spurenelemente<\/strong> sind:\r\n<ul>\r\n \t<li>Eisen \u2028 \u00a0\u00a0\u00a0 100 mg\/ Kg Futter<\/li>\r\n \t<li>Mangan \u2028 50 mg\/ Kg Futter<\/li>\r\n \t<li>Zink \u2028 30 mg\/ Kg Futter<\/li>\r\n \t<li>Kupfer \u2028 6,0 mg\/ Kg Futter<\/li>\r\n \t<li>Kobalt \u2028 0,1 mg\/ Kg Futter<\/li>\r\n \t<li>Selen \u2028 0,3 mg\/ Kg Futter<\/li>\r\n \t<li>Jod \u2028 2,0 mg\/ Kg Futter<\/li>\r\n<\/ul>\r\n<em>Eisen<\/em> ist Bestandteil der roten Blutk\u00f6rperchen. Eisen ist ausreichend in jedem Futtermittel vorhanden. Nur bei erh\u00f6htem Bedarf kann Eisen im Defizit sein. Zu hohen Konzentrationen belasten die Leistungsf\u00e4higkeit und f\u00fchren zu Gewichtsverlusten.\r\n\r\nMangan ist wichtig f\u00fcr die Sexualfunktionen. Ein Mangel f\u00fchrt zu Aborten und stiller Rosse.\r\n\r\n<em>Zink<\/em> wird in den Stoffwechsel von Haut und Haaren eingebaut. Somit wirkt sich Zinkmangel auch auf die Hornbeschaffenheit aus. Speziell beim Friesenpferd ist auf eine ausreichende Zinkversorgung zu achten. Dies ist besonders als Prophylaxe bzw. Therapie von Mauke wesentlich. Zink hat einen geringen Einfluss auf Wachstum und Fruchtbarkeit.\r\n\r\n<em>Kupfer<\/em> ist wesentlich f\u00fcr die Entwicklung der Fohlen wichtig. Es hat Einfluss auf die Knochenbildung. Metalle wie Molybd\u00e4n und Kadmium wirken negativ auf die Verstoffwechselung von Kupfer.\r\n\r\n<em>Jod<\/em> ist essentieller Faktor f\u00fcr die Schilddr\u00fcsenfunktion.\r\n\r\n<strong>Vitamine <\/strong>\r\n<ul>\r\n \t<li>\u00df-Karotin - als Vorstufe des Vitamins A beeinflusst Zuchttauglichkeit und Augenstoffwechsel.<\/li>\r\n<\/ul>\r\n<ul>\r\n \t<li>Vitamin D \u2028- steuert den Einbau von Calcium und Phosphor\u2028in den Knochen. Wird durch UV-Strahlung synthetisiert und beim wachsenden Pferd von Bedeutung.<\/li>\r\n<\/ul>\r\n<ul>\r\n \t<li>Vitamin E \u2028- ein Antioxydans, hat funktionsregulierenden Einfluss auf den Stoffwechsel, insbesondere der Zellatmung\u2028der Muskelzelle.<\/li>\r\n<\/ul>\r\n<ul>\r\n \t<li>Vitamin K \u2028- ist ein wichtiger Bestandteil der Blutgerinnung<\/li>\r\n<\/ul>\r\nDie wasserl\u00f6slichen <em>Vitamine C<\/em> und die <em>B-Vitamine <\/em>beeinflussen direkt den Immunstatus, die Spermaqualit\u00e4t und viele andere Stoffwechselabl\u00e4ufe.\r\n<h2><strong>Futtermittel <\/strong><\/h2>\r\nDie oben beschriebenen Inhaltsstoffe sind in verschiedenen Futtermitteln enthalten\r\n<ul>\r\n \t<li>Rauhfutter \u2028- viel Rohfaser, Energiearm, wenig Vitamine, Spurenelemente und Mineralstoffe\u2028z.B.: Heu, Stroh, H\u00e4cksel<\/li>\r\n<\/ul>\r\n<ul>\r\n \t<li>Saftfutter \u2028- z.T. Rohfaserreich, mittleres Energieniveau, viele Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente z.B.: Gras, Karotten, \u00c4pfel, Futterr\u00fcben<\/li>\r\n<\/ul>\r\n<ul>\r\n \t<li>Kraftfutter \u2028- wenig Rohfaser, viel Energie, ung\u00fcnstiges Mineralstoffverh\u00e4ltnis\u2028z.B.: Hafer, verschiedene Getreidearten<\/li>\r\n<\/ul>\r\n<ul>\r\n \t<li>Fertigfutter \u2028- Ausgewogenes Verh\u00e4ltnis zwischen Energie\u2028und Rohfaseranteil, Vitaminen Mineralstoffen\u2028und Spurenelementen. Einzelne Komponenten\u2028nicht mehr variabel.\u2028z.B.: Erg\u00e4nzungsfutter, Alleinfutter<\/li>\r\n<\/ul>\r\n<ul>\r\n \t<li>Wasser \u2028- F\u00fcr alle Stoffwechselvorg\u00e4nge unbedingt notwendig! T\u00e4glicher Bedarf ca. 30-50 Liter (- 100 Liter)<\/li>\r\n<\/ul>\r\nWichtig f\u00fcr die Rationsgestaltung unserer Pferde sind nicht nur die Inhaltsstoffe, sondern auch absolute Futtermenge und die Anzahl der Mahlzeiten. Das Urpferd fra\u00df Gras, was gut strukturiert und niederenergetisch war. Dazu ben\u00f6tigte es insgesamt zwischen 10-12 Stunden mit Pausen von 1-2 Stunden. Diese Pferde waren allein durch die Futteraufnahme gut ausgelastet. Unsere Pferde heute bekommen relativ kleine Portionen mit hohem Energieanteil. Die Besch\u00e4ftigung der Pferde sinkt auf 1 \u20132 Stunden pro Tag durch Futteraufnahme und die zugef\u00fchrte Energie steigt je nach Belastung der Pferde um das 2 \u20133 fache. Je h\u00f6her die Beanspruchung des Pferdes desto mehr Energie muss \u00fcber die Nahrung zur Verf\u00fcgung gestellt werden. Diese Energie muss f\u00fcr das Pferd verwertbar sein und es d\u00fcrfen keine gesundheitlichen Sch\u00e4den durch falsche Ern\u00e4hrung entstehen. Wenn man diese Forderungen erf\u00fcllen will, muss man f\u00fcr sein Pferd ein individuelles F\u00fctterungsprogramm erstellen.\r\n\r\nEin Pferd das einer mittleren Belastung ausgesetzt ist und im Wesentlichen in der Box steht braucht eine mittlere Energiemenge \u00fcber ein Kraftfutter bzw. Erg\u00e4nzungsfutter. Das Kraftfutter wird schnell gefressen (1 Kilogramm in ca. 10 Minuten). Die Belastung des Verdauungssystems ist hoch. Zur Verbesserung der Verdaulichkeit muss eine Energiearme und Ballaststoffreiche Komponente erg\u00e4nzt werden. Dies geschieht durch die Gabe von Raufutter. Raufutter wird zudem langsamer gefressen (1 Kilogramm in ca. 40 Minuten). Eine h\u00e4ufige Gabe von Heu oder die Aufstallung auf Stroh sind f\u00fcr die Psyche und die Erhaltung der Verdauungsfunktionen w\u00fcnschenswert. Zur Verbesserung der Vitaminversorgung ist die Gabe von Saftfutter sinnvoll.\r\n\r\n<strong>Als Faustregel gilt<\/strong> (Futtermenge = 2% K\u00f6rpergewicht des Pferdes):\r\n<ul>\r\n \t<li>1 Kilogramm Raufutter pro 100 Kilogramm Pferdegewicht auf 2-3 Portionen t\u00e4glich verteilt, jeweils vor der Gabe von Kraftfutter.<\/li>\r\n \t<li>1 Kilogramm Kraftfutter pro 100 Kilogramm Pferdegewicht auf 2-3 Portionen t\u00e4glich verteilt.<\/li>\r\n<\/ul>\r\n<strong>Grunds\u00e4tzlich gilt\u2028<\/strong>\r\n<ul>\r\n \t<li>Raufutter vor Kraftfutter<\/li>\r\n \t<li>Mehrere Portionen \/ Tag<\/li>\r\n \t<li>Futtermenge individuell abh\u00e4ngig von Leistung, Futtrigkeit, Jahreszeit, Klima, Temperament<\/li>\r\n \t<li>Pferde sollte beim Fressen Ruhe haben und fr\u00fchestens 1 Stunde nach dem Fressen wieder geritten werden<\/li>\r\n<\/ul>\r\n<h2><strong>Es gibt dar\u00fcberhinaus wesentliche Einflussfaktoren auf die Verwertung des Futters<\/strong><\/h2>\r\nDie <em>Z\u00e4hne<\/em> sind verantwortlich f\u00fcr den Aufschluss des zu verdauenden Futters. Eine regelm\u00e4\u00dfige Zahnkontrolle sollte selbstverst\u00e4ndlich sein.\u2028Auch <em>W\u00fcrmer<\/em> k\u00f6nnen die Verwertung des Futters deutlich einschr\u00e4nken. Wurmkuren 2-4 mal j\u00e4hrlich sollten durchgef\u00fchrt werden.\r\n\r\n<em>Andere Erkrankungen<\/em> des Pferdes k\u00f6nnen eine schlechte Futterverwertung ausmachen. Eine j\u00e4hrliche Allgemeinuntersuchung ist oft n\u00fctzlich zur Fr\u00fcherkennung von Gesundheitsproblemen.\r\n\r\nDieser Artikel kann nicht alle Fragen im Zusammenhang mit der Pferdef\u00fctterung beantworten. Die individuellen Schwankungsbreiten zwischen einzelnen Pferden ist au\u00dferdem sehr hoch. Der Artikel hat das Ziel, ein gewisses Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die Einflussfaktoren der Pferdef\u00fctterung zu vermitteln. Eine individuelle Rationsberechnung sollte mit einem Tierarzt in Zusammenarbeit mit dem Futterverantwortlichen des jeweiligen Stalles erstellt werden.","type":"rich"}