{"version":"1.0","provider_name":"Pferdegesundheitsakademie","provider_url":"https:\/\/pferdegesundheitsakademie.de","author_name":"Dr. Kai Kreling","author_url":"https:\/\/pferdegesundheitsakademie.de\/author\/dr-kai-kreling\/","title":"Gesundheitsprophylaxe durch gezieltes Training","html":"Die Vorbereitung eines Pferdes auf einen Wettkampf setzt sich aus der Ausbildung und dem Konditionstraining zusammen. Durch Ausbildung wird eine gute neuromuskul\u00e4re Koordination und eine gewisse Disziplin erreicht, w\u00e4hrend durch Konditionierung eine physiologische und strukturelle Anpassung der K\u00f6rpergewebe an maximale Leistungen erzielt wird. Hierbei zu ber\u00fccksichtigen sind z.B. das Alter des Pferdes, bisheriger Trainingsaufbau, vorhandene k\u00f6rperliche Beeintr\u00e4chtigungen und Wettkampfklasse.\r\n<h2><strong>Konditionierungsarten: <\/strong><\/h2>\r\nEs gibt drei verschiedene, sich aber erg\u00e4nzende Konditionierungsbereiche:\r\n<ol>\r\n \t<li><strong>Herz-Kreislaufsystem:<\/strong> Durch Konditionierung werden Atmungs-, Herz-Kreislauf- und Muskelsystem bef\u00e4higt Energie \u00fcber geeignete Stoffwechselwege zu produzieren.<\/li>\r\n \t<li><strong>Krafttraining<\/strong> erh\u00f6ht die Ausdauer spezifischer Muskelgruppen.<\/li>\r\n \t<li><strong>Durchl\u00e4ssigkeits\u00fcbungen<\/strong> erh\u00f6hen die Beweglichkeit der Gelenke.<\/li>\r\n<\/ol>\r\n<h2><strong>Grundlagen des Konditionstrainings: <\/strong><\/h2>\r\nDas Arbeitspensum h\u00e4ngt von der H\u00e4ufigkeit, Intensit\u00e4t und der Dauer der einzelnen Trainingsphasen ab. Wenn ein Pferd t\u00e4glich das gleiche Arbeitspensum absolviert, erreicht und erh\u00e4lt es einen gewissen Fitnesstandard, verbessert diesen aber nicht. Eine Verbesserung des Fitnesstandards ergibt sich aus einem allm\u00e4hlichen Anstieg des Arbeitspensums. Es wird also stufenweise vorgegangen und ein Arbeitspensum \u00fcber mehrere Trainingsphasen beibehalten, um dem K\u00f6rper Gelegenheit zu geben sich den gesteigerten Anspr\u00fcchen anzupassen. Dieser Wechsel zwischen einer Zunahme des Arbeitspensums und einer Periode des Anpassens wird als progressive Belastung bezeichnet.\r\n\r\nDer Kurzzeiteffekt einer anstrengenden Arbeitsphase ist die Erzeugung mikroskopischer Gewebesch\u00e4digungen, die normalerweise in 2 Tagen ausheilen. Durch den sich wiederholenden Zyklus von Sch\u00e4digung und Reparatur pa\u00dft sich das Gewebe dem regelm\u00e4\u00dfigen Trainingsmuster an. Langfristig gesehen wird dem Pferd dadurch eine gute Energieversorgung der Muskulatur und eine Kr\u00e4ftigung der unterst\u00fctzenden Strukturen wie Huf, Knochen, Knorpel, B\u00e4nder und Sehnen erm\u00f6glicht. Durch eine unzureichende und\/oder eint\u00f6nige Auslastung treten die genannten Mechanismen jedoch nicht in Kraft. Auf der anderen Seite f\u00fchren ein \u00fcbersteigertes Training oder unzureichende Erholungsphasen zu einem erh\u00f6hten Verletzungsrisiko.\r\n\r\nDie verschiedenen K\u00f6rpergewebe variieren in ihrer Anpassungsrate an k\u00f6rperliche Beanspruchung. Beim Pferd reagieren das Herz-Kreislauf- und Muskelsystem innerhalb von Wochen auf gesteigerte Anspr\u00fcche, w\u00e4hrend Strukturen der Gliedma\u00dfen oft mehrere Monate ben\u00f6tigen. Das Ziel des Konditionstrainings ist es, dass alle Gewebe dem erh\u00f6hten Trainingspensum standhalten k\u00f6nnen. In einem fr\u00fcheren Trainingsstadium wird also die sich schnell steigernde Herz-Kreislaufkapazit\u00e4t nicht voll ausgenutzt, um \u00dcberlastungsverletzungen der Gliedma\u00dfen auszuschlie\u00dfen. Wird das Pferd aus gesundheitlichen Gr\u00fcnden z.B. Husteninfektion f\u00fcr ca. einen Monat ruhiggestellt, so ist nur mit einem geringen Abfall der Herz-Kreislaufkapazit\u00e4t zu rechnen. Dagegen ist der Kr\u00e4ftenachlass der Knochen, Sehnen und B\u00e4nder signifikant. Als Daumenregel gilt f\u00fcr jeden Monat der Ruhigstellung einen Monat Re-Konditionierung einzuplanen.\r\n<h2><strong>Konditionierung des Herz-Kreislaufsystems: <\/strong><\/h2>\r\nDurch Konditionierung des Herz-Kreislaufapparates wird es dem Pferd erm\u00f6glicht Energie f\u00fcr die Muskelkontraktion in ausreichender Menge zur Verf\u00fcgung zu stellen und geeignete Stoffwechselwege zu nutzen. Unabh\u00e4ngig von der sp\u00e4teren Nutzung des Pferdes, basiert das Initialstadium des Trainings auf einem Zeitraum geringgradiger Belastung. Handelt es sich um ein junges, gerade angerittenes Pferd, sollte mit einer 10-min\u00fctigen Arbeit jeden 2. Tag haupts\u00e4chlich im Schritt begonnen werden. \u00dcber einen Zeitraum von 6 - 12 Monaten wird durch Aus\u00fcbung progressiver Belastung Dauer, Intensit\u00e4t und H\u00e4ufigkeit der einzelnen Arbeitsphasen allm\u00e4hlich gesteigert. Das Ziel dieses Trainingsabschnittes ist, dass das Pferd einer 45 \u2013 60-min\u00fctigen Belastung bei leichter Arbeit im Schritt, Trab und Galopp mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 6-8 km\/h standhalten kann. Darin werden mehrere 2-3 min\u00fctige Galoppphasen mit einer Geschwindigkeit von 16-18 km\/h eingebaut. Trainingsphasen diesen Typs sollten dreimal in der Woche stattfinden. Die restlichen Tage entfallen auf die Ausbildung des Pferdes, bei einem Dressurpferd auf das Erlernen von Lektionen, bei einem Springpferd auf die Schulung des \u201eAuges\u201c und bei einem Gel\u00e4ndepferd auf z.B. die Verbesserung der Trittsicherheit. Dressurreiten ist haupts\u00e4chlich eine Ausdauersportart des Pferdes. Das Ziel weiteren Trainings ist Ausdauerarbeit bei m\u00e4\u00dfiger Geschwindigkeit. Beim Springen werden kurzfristige Hochleistungen verlangt. Das Training sollte dem sportlichen Einsatz entsprechen.\r\n\r\nDie Herzfrequenz ist ein guter Indikator f\u00fcr die Arbeitsintensit\u00e4t und sollte zwischen 140 - 210 Schl\u00e4gen \/ Mi- nute liegen. Bei einer Herzfrequenz unter 140 Schl\u00e4gen pro Minute kann es zu psychogenen St\u00f6rungen wie Unruhe, Nervosit\u00e4t und Unsicherheit kommen. Bei mehr als 210 Schl\u00e4gen pro Minute pendelt sich die Herzfrequenz ein, w\u00e4hrend sie sich ihrem Maximalwert n\u00e4hert. Je schneller ein Pferd auf ebenem Untergrund l\u00e4uft, desto h\u00f6her ist der Energieverbrauch und die Herzfrequenz. Bei gleichbleibender Geschwindigkeit, kann die Arbeitsintensit\u00e4t auf folgende Arten gesteigert werden:\r\n<ol>\r\n \t<li>Aufforderung des Pferdes zu vermehrtem Schub aus der Hinterhand<\/li>\r\n \t<li>Gef\u00e4llearbeit (bergauf\/bergab)<\/li>\r\n \t<li>Zus\u00e4tzliches Gewicht addieren<\/li>\r\n \t<li>Arbeit auf einem lockeren, tiefen Boden<\/li>\r\n<\/ol>\r\nBei geringgradiger bis m\u00e4\u00dfiger Arbeitsintensit\u00e4t verl\u00e4uft die Energieproduktion in der Muskulatur unter Sauer- stoffverbrauch. Bei gesteigerter Arbeitsintensit\u00e4t wird jedoch auch der anaerobe (ohne Sauerstoffverbrauch) Stoffwechselweg eingeschlagen. Dies f\u00fchrt zu einem erh\u00f6hten Milchs\u00e4urewert in der Muskulatur und im Blut. Kommt es dabei zu einem Absinken des PH-Wertes im Muskelgewebe, werden Muskelzellmembranen zerst\u00f6rt und die Muskulatur teilweise empfindlich gesch\u00e4digt.\r\n\r\nSoll die Herz-Kreislaufkapazit\u00e4t gesteigert werden, sollte man das Pferd sich 2-3 mal pro Woche gut ausarbeiten lassen. Sp\u00e4ter muss man die H\u00e4ufigkeit dieser Ausarbeitungen eventuell reduzieren, um die Intensit\u00e4t und Dauer beibehalten zu k\u00f6nnen und trotzdem gen\u00fcgend Zeit l\u00e4sst f\u00fcr Gewebsreparaturen. Die H\u00e4ufigkeit sollte dabei nicht unter einmal w\u00f6chentlich fallen, da dann mit einem deutlichen Abfall der Fitness zu rechnen ist. Man kann zwischen einem kontinuierlichen und einem Intervall-Training unterscheiden. Beim kontinuierlichen Training bleibt die Arbeitsintensit\u00e4t \u00fcber einen gewissen Zeitraum konstant. Im Gegensatz dazu wechseln beim Intervalltraining Belastungsperioden mit Ruhephasen ab, in denen eine partielle Beruhigung der Herz- und Atemfrequenz stattfindet und teilweise Milchs\u00e4ure aus der Muskulatur entfernt wird. Beim Intervalltraining kann das Pferd ein h\u00f6heres t\u00e4gliches Arbeitspensum bew\u00e4ltigen als in einer Periode kontinuierlicher Belastung.\r\n\r\nZudem wird die M\u00f6glichkeit einer auf Erm\u00fcdung zur\u00fcckzuf\u00fchrenden Verletzung durch die Ruhephasen reduziert. Im Intervalltraining ist ein Arbeits-\/Ruhephasen Verh\u00e4ltnis von 2:1 bis 1:2 notwendig f\u00fcr einen aeroben (unter Sauerstoffverbrauch) Stoffwechsel w\u00e4hrend das Verh\u00e4ltnis bei einem anaeroben (s.o.) Stoffwechselweg bei 1:5 bis 1:6 liegt. Hierbei werden nach intensiver kurzer Belastung l\u00e4ngere Ruhephasen ben\u00f6tigt, um die Milchs\u00e4ure aus der Muskulatur zu entfernen. In den Ruhephasen wird das Pferd in Bewegung gehalten, um die Blutzirkulation in der Muskulatur zu erhalten. Bei Gef\u00e4llearbeit hat die Bergauf-Arbeit den Vorteil, dass es zu einer vermehrten Beanspruchung von Herz-Kreislauf-, Atem- und Muskelsystem kommt, ohne einen vergleichbar hohen Anstieg der Belastung von Knochen und Gelenken. Dagegen sind die zuletzt genannten Strukturen bei der Bergab-Arbeit vermehrtem Stress ausgesetzt. Bergab-Arbeit soll daher im Rahmen der Konditionierung nur in geringen Geschwindigkeiten ausgef\u00fchrt werden.\r\n\r\nSpeed play ist eine weitere M\u00f6glichkeit des Intervalltrainings. Beim Speed play wechseln kurze Sprints mit langen Ruhephasen in einer niedrigeren Geschwindigkeit ab. Ein derartiges Training ist mehr f\u00fcr Vielseitigkeits- oder Polopferde geeignet.\r\n<h2><strong>Krafttraining: <\/strong><\/h2>\r\nKrafttraining umfasst \u00dcbungen zur Verbesserung der Kraft, des Verm\u00f6gens und der Ausdauer der Muskulatur. Verbesserungen der Muskelkraft erh\u00f6hen nicht nur die Leistung, sondern reduzieren durch Stabilisieren der Gelenke auch Verletzungen und verhindern Muskelzerrungen.\u2028Kraft ist die St\u00e4rke, die in einer einzigen maximalen Anstrengung erreicht wird. Das Verm\u00f6gen ergibt sich aus der Anzahl der Krafterzeugungen. Die Ausdauer ist die F\u00e4higkeit wiederholte nicht maximale Muskelkontraktionen auszuf\u00fchren, bevor es zu einer Erm\u00fcdung der entsprechenden Muskeln kommt. Es ist wichtig sich dar\u00fcber im Klaren zu sein, ob das prim\u00e4re Ziel Verm\u00f6gen oder die Ausdauer ist. Verm\u00f6gen wird z.B. bei Springpferden beim Absprung gefordert oder bei Rennpferden beim Start. Die progressive Belastung wird bei diesen Pferden durch Steigerung der Intensit\u00e4t erreicht. Die Muskelausdauer dagegen wird durch Kraftarbeit mit geringerer Intensit\u00e4t, aber einer h\u00f6heren Anzahl sich wiederholender \u00dcbungen erzielt. Progressive Belastung wird hierbei durch eine Steigerung der Anzahl der Wiederholungen erreicht, die mit oder ohne eine Steigerung der Intensit\u00e4t verbunden sein k\u00f6nnen. Krafttraining wird zun\u00e4chst an 3 alternierenden Tagen in der Woche durchgef\u00fchrt. Bei Steigerung der Intensit\u00e4t wird die H\u00e4ufigkeit auf zweimal w\u00f6chentlich reduziert. Zur Erhaltung der gew\u00fcnschten Muskelkraft ist Muskeltraining einmal w\u00f6chentlich ausreichend. Da man bei Pferden nicht auf Gewichtheben oder eine andere technische Hilfe zur\u00fcckgreifen kann, muss man etwas erfinderisch sein, um das gew\u00fcnschte Muskeltraining zu absolvieren. Gef\u00e4llearbeit, Springgymnastik, Arbeit auf lockerem tiefem Boden und die Wiederholung sportspezifischer Bewegungen in Form eines Intervalltrainings sind hier angebracht. Das betrifft z.B. die Ausf\u00fchrung der Piaffe oder Passage bei Dressurpferden.\r\n\r\nGef\u00e4llearbeit ist die Grundlage des Muskeltrainings. Der Grad der Steigung und die Gangart und Geschwindigkeit des Pferdes k\u00f6nnen hierbei ver\u00e4ndert werden, um spezifische Muskelgruppen zu trainieren. Starke Steigungen entwickeln Muskelverm\u00f6gen in der Hinterhand. Bew\u00e4ltigt man eine Steigung im Schritt, so tr\u00e4gt und schiebt jedes Hinterbein unabh\u00e4ngig das Gewicht des Pferdes mit einer geringen Geschwindigkeit und Gelenksrotation. Diese \u00dcbung ist spezifisch f\u00fcr Pferde, bei denen die Muskulatur der Hinterbeine unterschiedlich gut ausgepr\u00e4gt ist. Galoppiert man einen steilen H\u00fcgel hinauf, m\u00fcssen beide Hinterbeine simultan arbeiten. Durch die Kraft\u00fcbertragung von der Hinterhand auf die R\u00fcckenmuskulatur wird auch diese mittrainiert. Das deutliche Beugen und\r\n\r\nStrecken des Kreuz-Darmbeingelenks wird durch die Bewegung des Galoppierens provoziert. Eine m\u00e4\u00dfige Steigung wird im Trab bew\u00e4ltigt. Steiles Bergaufreiten kann in Form eines Intervalltrainings durchgef\u00fchrt werden, wobei die Bergauf-Phase die Arbeitsphase ist und die Bergab-Phase als Ruhepause dient. Bergauf-Arbeit ist Krafttraining f\u00fcr ein hohes Ma\u00df an Versammlung. Ein gewisser Anteil an Bergab-Arbeit im Trab oder Galopp ist wichtig f\u00fcr Vielseitigkeitspferde oder Ausdauerrennpferde. F\u00fcr Voltigier-Pferde ist ein begrenztes Ma\u00df an Bergab-Arbeit im Schritt sinnvoll. Es sollte jedoch nicht ausgiebig praktiziert werden, da es mit starker Gelenksbelastung verbunden ist, die zu arthritischen Ver\u00e4nderungen f\u00fchren k\u00f6nnen.\r\n\r\nSpringgymnastik ist eine willkommene Abwechslung. Es f\u00f6rdert das Beugen und Strecken der Gelenke der Hinterhand. Zur F\u00f6rderung der Versammlung werden mehrere niedrige Spr\u00fcnge (60-70cm) als in\/out\u00b4s oder mit einem Galoppsprung dazwischen aufgebaut. Progressive Belastung kann durch Erh\u00f6hung der Anzahl der Hindernisse bei gleichbleibender H\u00f6he erreicht werden.\r\n\r\nDie Arbeit in tiefem Sand hat aufgrund der Tendenz des Sandes unter den Hufen nachzugeben einen gewissen Wert als Krafttraining. Den gleichen Effekt hat die Arbeit in flachem Schnee oder Wasser. Dies f\u00f6rdert besonders die ab beugende Muskulatur und ermuntert die Pferde zu einer weitausgreifenden Bewegung w\u00e4hrend sie die Gliedma\u00dfe \u00fcber das Wasser\/Schnee f\u00fchren. In tieferem Wasser werden andere Muskelgruppen angesprochen, um den Widerstand zu \u00fcberwinden, was zu einem geringen Anteil von Bedeutung ist.\r\n\r\nIst das Ausma\u00df des Krafttrainings zu gro\u00df und die Intervalle zwischen den einzelnen Ausarbeitungen zu kurz, kommt es zu Muskel- und Sehnenzerrungen. Dies hat zur Folge, dass das Ausma\u00df der Gewebssch\u00e4digungen das der Gewebsreparatur \u00fcbersteigt.\r\n<h2><strong>Durchl\u00e4ssigkeits\u00fcbungen: <\/strong><\/h2>\r\nDie Grenzen der Bewegung sind f\u00fcr jedes Gelenk spezifisch. Elastizit\u00e4t in einem Gelenk hei\u00dft nicht notwendigerweise, dass andere Gelenke ebenfalls elastisch sind. Tats\u00e4chlich sind die Gelenke der rechten und linken Seite nicht unbedingt symmetrisch in ihrer Beweglichkeit. Durchl\u00e4ssigkeits\u00fcbungen f\u00f6rdern die Gelenksbeweglichkeit bei gleichzeitiger Reduzierung der Spannung und des Widerstandes der Muskulatur und der damit verbundenen Gewebe (Sehnen, B\u00e4nder, Gelenkkapseln). Derartige \u00dcbungen sollten Teil der t\u00e4glichen Arbeit jedes Pferdeathleten sein. Springpferde ben\u00f6tigen eine gute Flexibilit\u00e4t der Schulter-, Ellbogen -und Vorderfu\u00dfwurzelgelenke, um fehlerfrei \u00fcber den Sprung zu kommen. Bei Dressurpferden f\u00fchrt eine gute Gelenksbeweglichkeit zu \u00e4sthetischen Bewegungen. Durch eine gute Gelenksbeweglichkeit kommt es weiterhin zu einer Schockabsorption beim Auffu\u00dfen. Dadurch wird die Verletzungsgefahr herabgesetzt. Zu starken \u00dcberdehnungen der Sehnen und B\u00e4nder kommt es bei hohen, kurzen Beanspruchungen bei kalten Temperaturen. Die Sehnen und B\u00e4nder sind dann f\u00fcr Zerrungen extrem empf\u00e4nglich. Eine Aufw\u00e4rmphase sollte der Durchf\u00fchrung von Durchl\u00e4ssigkeits\u00fcbungen immer vorausgehen.\r\n\r\nMan unterscheidet passive und dynamische \u00dcbungen. Passive \u00dcbungen betreffen langsame, kontrollierte Bewegungen der Gelenke bis zu ihrer Grenze der Beweglichkeit durch Einwirkung \u00e4u\u00dferlicher Kr\u00e4fte. Hierdurch sollen besonders die Bewegungen des Halses, der Schulter und der H\u00fcfte gef\u00f6rdert werden. Weitere Ziele sind Entspannung und Reduzierung des Muskelschmerzes nach der Arbeit.\r\n\r\nDynamische \u00dcbungen betreffen schnelle Rotationsbewegungen der Gelenke, beispielsweise Entlanggleitens des Schulterblattes an der Brustwand; Beugen und Rotation der Wirbels\u00e4ule; und Rotation der Gelenke der Hinterbeine. Stangenarbeit im Schritt und Trab, Springgymnastik, bergauf\/bergab und Bewegung in flachem Schnee\/Wasser geh\u00f6ren ebenfalls in diese Kategorie\r\n\r\nAufgrund der einseitigen Belastung z.B. der Voltigier-Pferde ist Ausgleichstraining unter dem Reiter, wie es hier im Kurzen geschildert wurde, extrem wichtig. Es sollte so abwechslungsreich wie m\u00f6glich gestaltet werden.\r\n\r\nTrainings- oder Ausbildungsfreie Tage sollten nicht zum \u201elockeren Laufenlassen\u201c an der Longe genutzt werden, sondern der F\u00f6rderung der reiterlichen Ausbildung dienen.\r\n\r\nEine einfache \u00dcberpr\u00fcfung des Konditions- und Fitnesszustandes des Pferdes ergibt eine Messung der Herz- und Atemfrequenz in Ruhe, nach ausgiebiger Arbeit und nach einer 5-min\u00fctigen Erholungsphase. Nach der Erholungsphase sollten die Herz- und Atemfrequenz auf mindestens 80% der Werte absinken, die man unmittelbar nach der Arbeit gemessen hat.\r\n\r\nEine Blutuntersuchung des Milchs\u00e4urewertes in Ruhe und nach Belastung gibt Aufschluss \u00fcber das Ausma\u00df des aeroben Stoffwechselablaufs. Da der K\u00f6rper in Reaktion auf Training vermehrt den aeroben Stoffwechselweg einschl\u00e4gt, sollte der Wert der Milchs\u00e4ure nach Belastung absinken. Diese Untersuchungen geben einen kurzen \u00dcberblick \u00fcber den Trainingszustand des Pferdes und sollten wenn m\u00f6glich unter Standardbedingungen durchgef\u00fchrt werden. Das hei\u00dft die Arbeitsintensit\u00e4t und -ausdauer und der Zeitpunkt der Messung der Werte sollte immer gleich sein, um die Werte auch miteinander vergleichen zu k\u00f6nnen.","type":"rich"}