{"version":"1.0","provider_name":"Pferdegesundheitsakademie","provider_url":"https:\/\/pferdegesundheitsakademie.de","author_name":"Dr. Kai Kreling","author_url":"https:\/\/pferdegesundheitsakademie.de\/author\/dr-kai-kreling\/","title":"Kastration des Hengstes \u2013 wann, wie und wo?","html":"<h2>Kurzfassung f\u00fcr den eiligen Leser<\/h2>\r\n<h3>Kastrieren - Ja oder Nein \u2013 ist eine Entscheidung nach verschiedenen Gesichtspunkten<\/h3>\r\n<ul>\r\n \t<li>Mindestalter von 18 \u2013 24 Monaten<\/li>\r\n \t<li>K\u00f6rperliche Entwicklung<\/li>\r\n \t<li>Charaktereigenschaften \u2013 hengstig oder nicht<\/li>\r\n \t<li>Sp\u00e4terer Verwendungszweck \u2013 z.B. Dressurpferd mit starkem Ausdruck<\/li>\r\n \t<li>Vorliegende Haltungsbedigungen \u2013 Hengsthaltung m\u00f6glich?<\/li>\r\n<\/ul>\r\n<h3>Welche Jahreszeit ist die g\u00fcnstigste?<\/h3>\r\n<ul>\r\n \t<li>Fr\u00fchjahr g\u00fcnstig \u2013 Pferde auf der Weide mit viel Bewegung \u2013 keine Fliegen<\/li>\r\n \t<li>Herbst fast genauso gut \u2013 unter Umst\u00e4nden mehr Insekten \u2013 Infektionsrisiko<\/li>\r\n \t<li>Sommer und Winter m\u00f6glich \u2013 h\u00e4ngt auch von der Operationstechnik ab \u2013 vern\u00e4hte Kastrationswunden verhindern im Sommer Fliegen auf der Wundfl\u00e4che \u2013 im Winter Bewegung der kastrierten Jungpferde schwieriger<\/li>\r\n<\/ul>\r\n<h3>Kastrieren im Stehen oder Liegen?<\/h3>\r\n<ul>\r\n \t<li>Stehend nur beim J\u00e4hrling \/ Zweij\u00e4hrigem<\/li>\r\n \t<li>Liegend alle \u00e4lteren<\/li>\r\n \t<li>Stehend h\u00f6heres Risiko durch eventuellen Darmvorfall \/ Infektion<\/li>\r\n \t<li>Liegend die M\u00f6glichkeit des Wundverschlusses<\/li>\r\n<\/ul>\r\n<h3>Kastrieren im Stall oder in der Klinik?<\/h3>\r\n<ul>\r\n \t<li>Stall m\u00f6glich \u2013 kosteng\u00fcnstiger<\/li>\r\n \t<li>Klinik teurer \u2013 geringeres Infektionsrisiko, besseres Komplikationsmanagement<\/li>\r\n<\/ul>\r\n<h3>Das frisch kastrierte Pferd \u2013 was ist zu tun?<\/h3>\r\n<ul>\r\n \t<li>24 Stunden im Stall \u00fcberwachen um Komplikationen wie Nachbluten, Darmvorfall oder Kolik zu erkennen<\/li>\r\n \t<li>M\u00f6glichst kontinuierliche Bewegung damit Wundsekret in der Wunde nicht staut sondern abflie\u00dft<\/li>\r\n \t<li>Wundkontrolle einmal t\u00e4glich bis Wunde komplett verschlossen.<\/li>\r\n \t<li>Bei vern\u00e4hter Kastrationswunde auf Stauungen achten<\/li>\r\n<\/ul>\r\n\r\n<hr \/>\r\n\r\nJeder Z\u00fcchter steht fr\u00fcher oder sp\u00e4ter vor der Frage seinen Junghengst kastrieren zu lassen.\r\n<h2><strong>Wann ist der richtige Zeitpunkt?<\/strong><\/h2>\r\nDer Hengst sollte sein <strong>wesentliches Wachstum<\/strong> <strong>abgeschlossen<\/strong> haben. Bei den meisten Pferden ist das mit <strong>18 \u2013 24 Monaten<\/strong> der Fall. Ist der Junghengst sehr <strong>dominant<\/strong> und wei\u00df jetzt auch schon, dass er ein Hengst ist, empfiehlt sich zu diesem Zeitpunkt die <strong>Kastration<\/strong>.\r\n\r\nDer eine oder andere ist aber noch etwas <strong>wenig ausdrucksstark<\/strong>, knapp entwickelt oder noch <strong>sehr fohlenhaft<\/strong>. Bei diesen Pferden ist es im Sinne einer positiven Entwicklung, wenn mit dem Legen des Hengstes, wie die Kastration auch genannt wird, <strong>noch einige Zeit gewartet<\/strong> wird.\r\n<h2><strong>Was soll der Hengst einmal werden? <\/strong><\/h2>\r\nNat\u00fcrlich werden potentielle Hengstanw\u00e4rter nicht kastriert! Doch neben der Nutzung als <strong>Zuchthengst<\/strong> sind Hengste im <strong>Sport<\/strong>, speziell im <strong>Dressursport<\/strong> h\u00e4ufig wegen ihres starken Ausdruckes sehr beliebt.\r\n\r\nEinmal kastriert verliert der Hengst unter Umst\u00e4nden den Charme, den der K\u00e4ufer des Pferdes so sch\u00e4tzt.\r\n\r\nNichts desto trotz ist die Aufzucht, <strong>Haltung<\/strong> und die <strong>Ausbildung<\/strong> eines Hengstes doch deutlich aufwendiger.\r\n\r\nHengste werden oft in <strong>Einzelboxen ohne direkten Kontakt zu Artgenossen<\/strong> gehalten. Diese Art der Pferdehaltung ist sicherlich <strong>nicht<\/strong> <strong>tiergerecht und sollte gr\u00fcndlich \u00fcberdacht werden<\/strong>.\r\n\r\nMit einem <strong>Wallach<\/strong> ist dies viel <strong>einfacher<\/strong>. Die Entscheidungshilfe f\u00fcr den Z\u00fcchter hei\u00dft, dass der durchschnittliche Kunde lieber einen unkomplizierten Wallach kauft als einen anspruchsvollen Hengst. So beeinflussen viele <strong>verschiedene Faktoren die Entscheidung einen Hengst kastrieren zu lassen<\/strong>.\r\n\r\n<strong>Hat man sich f\u00fcr die Kastration entschieden, muss der Jahreszeitpunkt festgelegt werden. <\/strong>\r\n\r\nKastration nur im <strong>Fr\u00fchjahr<\/strong> oder <strong>Herbst<\/strong> sagen die einen. Lieber im <strong>Winter<\/strong> wenn keine Fliegen da sind, sagen die anderen.\r\n<h3><strong>F\u00fcr einen Z\u00fcchter bietet sich das Fr\u00fchjahr an<\/strong>.<\/h3>\r\nDie Pferde k\u00f6nnen unmittelbar nach der Kastration auf die Weide. Wundschwellungen werden durch die kontinuierliche <strong>Bewegung<\/strong> des Pferdes am besten vermieden. Zu diesem Zeitpunkt im April und Anfang Mai gibt es nur <strong>wenige Insekten<\/strong>. Vor allem Fliegen setzen sich gerne an Wundfl\u00e4chen und \u00fcbertragen dabei Infektionserreger, die zu eitrigen Entz\u00fcndungen der Kastrationswunde f\u00fchren k\u00f6nnen. Je weniger Fliegen da sind, desto niedriger ist das Infektionsrisiko.\r\n<h3><strong>Eine Kastration ist auch zu jeder anderen Jahreszeit m\u00f6glich. <\/strong><\/h3>\r\nDies h\u00e4ngt aber auch von der <strong>Operationstechnik<\/strong> ab. Es gibt verschiedene Methoden die Kastration eines Junghengstes durchzuf\u00fchren.\r\n\r\nIn gr\u00f6\u00dferen Zuchtbetrieben wird aus Kostengr\u00fcnden bei J\u00e4hrlingen das <strong>Kastrieren im Stehen<\/strong> durchgef\u00fchrt. Dabei werden die Pferde stark sediert, lokal schmerzbet\u00e4ubt und durch einen Schnitt durch Haut, Unterhaut und die noch darunter liegende \u201eTunica vaginalis\u201c, einer derben Schutzhaut der Hoden freigelegt. Durch das Quetschen des Samenstranges und gleichzeitige Abschneiden des Hodens ist damit die Kastration schon beendet. <strong>Die Wunde bleibt offen.<\/strong> Diese Form der Kastration birgt die <strong>Gefahr, dass durch die direkte Verbindung zur Bauchh\u00f6hle auch Darmteile und \/ oder den Darm bedeckende Netzanteile aus der Kastrationswunde herausfallen<\/strong>. Dies ist eine <strong>dramatische Komplikation<\/strong>, die nur chirurgisch in Vollnarkose, wenn \u00fcberhaupt wieder, behoben werden kann.\r\n\r\n<strong>Heute \u00fcblicher<\/strong> und f\u00fcr das Pferd <strong>etwas risikoloser<\/strong> ist die <strong>Kastration im Liegen.<\/strong> Die <strong>Narkose<\/strong> kommt als Risikofaktor dazu, das Infektionsrisiko und das Risiko eines Darmvorfalles sind hier aber deutlich geringer.\r\n<h3><strong>Vor allem \u00e4ltere Hengste, dreij\u00e4hrig und \u00e4lter, werden in Vollnarkose kastriert.<\/strong><\/h3>\r\nDer Vorgang der Kastration bleibt der gleiche. <strong>Im Liegen<\/strong> besteht zus\u00e4tzlich die M\u00f6glichkeit, die <strong>Wunde<\/strong> der Kastration zu <strong>vern\u00e4hen<\/strong>. Dieser Wundverschluss verhindert, dass Fliegen an die Wunde kommen und Infektionen \u00fcbertragen. So ist <strong>auch<\/strong> eine Kastration <strong>im Sommer kein Problem<\/strong>.\r\n<h3><strong>Vollnarkose zum Kastrieren \u2013 soll das nicht lieber in der Pferdeklinik passieren?<\/strong><\/h3>\r\nNat\u00fcrlich sind die <strong>Operationsbedingungen in der Klinik<\/strong> einfach <strong>besser als im Stall<\/strong>. Der Operationsraum ist sauberer als eine Pferdebox, Narkose\u00fcberwachung ist m\u00f6glich, die Einrichtungen zum Fixieren des Tieres vorhanden, professionelles Hilfspersonal ist zur Stelle und eine \u00dcberwachung nach der Kastration gegeben. Aber diese Methode hat auch seinen <strong>Preis<\/strong>.\r\n\r\n<strong>Eine Kastration im Stall ist nachvollziehbar deutlich billiger<\/strong>. M\u00f6glich ist das auch. Saubere T\u00fccher, geeignete Fixationsm\u00f6glichkeiten, entsprechend Platz f\u00fcr das Instrumentarium und mehrere Helfer, die etwas Erfahrung mit Pferden haben, zupacken k\u00f6nnen und auch nicht beim ersten Blutstropfen blass werden. Die <strong>Gefahr einer Infektion<\/strong> ist unter den Umst\u00e4nden <strong>im Stall etwas gr\u00f6\u00dfer<\/strong> als in der Klinik. Auch ist die Hilfe bei Eintreten einer Komplikation in der Klink erfolgversprechender.\r\n\r\n<strong>Wichtigstes Argument in der Chirurgie ist immer die Schnelligkeit. Professionelles schnelles Operieren senkt das Narkoserisiko und beugt Komplikationen am besten vor.<\/strong> Unter Kliniksbedingungen ist dies sicherlich einfacher, da es f\u00fcr alle Beteiligten ein Routineprozedere ist.","type":"rich"}