{"version":"1.0","provider_name":"Pferdegesundheitsakademie","provider_url":"https:\/\/pferdegesundheitsakademie.de","author_name":"Dr. Kai Kreling","author_url":"https:\/\/pferdegesundheitsakademie.de\/author\/dr-kai-kreling\/","title":"Kernspintomographie in der Pferdemedizin","html":"Die Pferdemedizin hat in den letzten 20 Jahren einen enormen Fortschritt gemacht. Neben einem deutlich verbesserten \u201eKnow-how\u201c der Pferdepraktiker, die sich heute fast ausschlie\u00dflich nur noch mit dem Pferd besch\u00e4ftigen, ist auch in der Apparatemedizin einiges passiert. R\u00f6ntgen, Ultraschall und Endoskopie geh\u00f6ren heute zu den t\u00e4glich und routinem\u00e4\u00dfig angewandten Untersuchungstechniken. Die Qualit\u00e4t der Ger\u00e4te entspricht weitgehend der in der Humanmedizin angewandten Technik.\r\n<h2>Der materielle und auch emotionelle Wert des heutigen Reitpferdes ist ebenfalls deutlich angestiegen<\/h2>\r\nDie Anspr\u00fcche an den Pferdetierarzt von heute sind aus diesem Grunde v\u00f6llig andere als noch vor einigen Jahren. Es reicht nicht mehr mit einem K\u00f6fferchen mit einigen Medikamenten durchs Land zu reisen. Neben den oben beschriebenen Diagnostikm\u00f6glichkeiten wie R\u00f6ntgen, Ultraschall und Endoskopie werden in zunehmendem Ma\u00dfe auch Szintigraphie und Computertomographie in Anspruch genommen. J\u00fcngstes Mitglied in der Reihe der \u201eHightech\u201c Diagnostika ist der Kernspintomograph oder MRI (engl.: Magnetic Resonance Imaging) = Magnetresonanzbildverfahren.\r\n<h2>Die Kernspintomographie geh\u00f6rt nicht zu den routinem\u00e4\u00dfig eingesetzten Untersuchungsmethoden<\/h2>\r\nDer Kernspin, wie dieses Ger\u00e4t auch in der Umgangssprache bezeichnet wird, wird zurzeit im Bereich der distalen Gliedma\u00dfe und dem Kopf des Pferdes zur differenzierten Diagnostik eingesetzt.\r\n\r\nDie distale Gliedma\u00dfe kann mittlerweile auch am stehenden sedierten Pferd untersucht werden. Hierf\u00fcr gibt es bestimmte Ger\u00e4te, wie es zum Beispiel in der Pferdeklinik Burg M\u00fcggenhausen benutzt wird. Bei anderen Ger\u00e4ten z.B. zur Untersuchung der Halswirbels\u00e4ule wird das Pferd in Narkose gelegt und mit dem zu untersuchenden K\u00f6rperteil in eine R\u00f6hre mit ca. 60 cm Durchmesser geschoben. W\u00e4hrend einer durchschnittlichen Untersuchungszeit von ca. 30 Minuten k\u00f6nnen Gewebeschichten differenziert bildlich dargestellt werden. Die Technik die hinter einem Kernspintomographen steht ist aufwendig. Einige theoretische Grundkenntnisse und Hintergrundinformationen geh\u00f6ren dazu, um Kernspinbilder interpretieren zu k\u00f6nnen.\r\n\r\nDie Basis des <strong>Kernspintomographen<\/strong> ist ein gro\u00dfer Magnet, der unterschiedliche St\u00e4rken haben kann. Beim <strong>MRT<\/strong> am stehenden Pferd kommt ein Magnetfeld mit der St\u00e4rke 0,4 Tesla zum Einsatz, w\u00e4hrend andere Ger\u00e4te auch st\u00e4rkere Magnetfelder erzeugen k\u00f6nnen. Das Magnetfeld beeinflusst die Protonen (Kerne der Wasserstoffatome) und richtet sie, \u00e4hnlich wie eine Kompassnadel entlang des Magnetfeldes in einer Ebene aus. Das Proton rotiert dabei wie ein Kreisel um seine eigene Achse. Man bezeichnet dies auch als \u201eSpin\u201c (englisch \u201eto spin\u201c = sich drehen). So ist auch leicht zu verstehen, warum dieses Ger\u00e4t als \u201eKernspin\u201c-Tomograph bezeichnet wird. Durch diese spezielle Drehbewegung entsteht ein magnetisches Feld um das Proton. Der individuelle Spin \u2013 Drehfrequenz eines Protons ist im Gegensatz zu einem Kreisel nicht variabel. Er ist immer gleich stark und kann nicht beschleunigt oder abgebremst werden. Diese sich l\u00e4ngs des Magnetfeldes ausgerichteten Molek\u00fcle summieren sich zu einer L\u00e4ngsmagnetisierung. Man nennt diese stabile Position das Spin-System.\r\n\r\nMit einem Hochfrequenzsender, \u00e4hnlich der Frequenz eines UKW \u2013 Radiosenders, werden die ausgerichteten Protonen in einem 90 Grad Winkel aus ihrer Position abgelenkt. Die zur Ablenkung ben\u00f6tigte Frequenz entspricht der Eigenfrequenz (=Lamorfrequenz) der Protonen. Man sagt, das Spin System wird angeregt. Nach Abschalten der Megaherzfrequenzen versucht der Magnet des Tomographen die Spins wieder in die Ursprungsrichtung zur\u00fcckzuklappen.\r\n\r\nDurch die Zur\u00fcckverlagerung wird Energie frei, die als Magnetresonanzsignal von speziellen Spulen im Ger\u00e4t gemessen werden kann. Zwei unabh\u00e4ngige Mechanismen bewirken nun, dass der stabile Zustand von vor der Anregung wieder erreicht wird. Sie werden als T1 bzw. T2 Relaxation bezeichnet.\r\n\r\nAls \u201eLongitudinale Relaxation\u201c oder auch T1 bezeichnet man die Zur\u00fcckverlagerung aus der 90 Grad Position in den stabilen Zustand wie oben beschrieben. Diese Bewegung ist verbunden mit einer Energiefreisetzung an das umgebende Gewebe, das \u201eGitter\u201c bezeichnet wird. Deshalb hei\u00dft diese Zur\u00fcckverlagerung auch Spin-Gitter Relaxation. Der T1-Wert ist die Zeitkonstante, die f\u00fcr diesen Vorgang notwendig ist. Sie ist je nach Gewebetyp 0,5 bis mehrere Sekunden.\r\n\r\nDas T2 Signal nennt man auch das Ergebnis die \u201eTransversale Relaxation\u201c. Nach der maximalen Ablenkung der Protonen um 90 Grad befinden sich alle Spins in Phase. So nennt man die Ablenkung um 90 Grad. Nach der Ablenkung kommt es zu einer unterschiedlich schnellen Dephasierung. Einige Spins bewegen sich schneller oder langsamer vor oder zur\u00fcck aus dieser Ablenkungssituation. Dadurch kommt es zur gegenseitigen Aufhebung \u2013 gegenseitigem Energieaustausch zwischen den Spins. Durch zeitkonstante Inhomogenit\u00e4ten des umgebenden Magnetfeldes, Maschine wie eigener K\u00f6rpereinfluss des Pferdes, kommt es zu einer zus\u00e4tzlichen Phasenverschiebung, die als T2* bezeichnet wird. Den Vorgang der hinter einem T2 Signal steht bezeichnet man auch als Spin-spin Relaxation.\r\n<h2><strong>Zusammengefasst k\u00f6nnen folgende Messverfahren durchgef\u00fchrt werden: <\/strong><\/h2>\r\n<ol>\r\n \t<li>Einfache Dichtemessung im Magnetfeld \u2013 Spin System<\/li>\r\n \t<li>T1 Signal als longitudinale Relaxation - auch Spin-Gitter Relaxation<\/li>\r\n \t<li>T2 Signal als transversale Relaxation- auch Spin-Spin Relaxation<\/li>\r\n<\/ol>\r\nDie genaue Lokalisation eines zu untersuchenden Gewebes wird mit einer Schichtwahl und einer Ortscodierung vom Untersucher vorgegeben. Auf physikalische Hintergr\u00fcnde dazu wird nicht eingegangen. Um ein Kernspinbild zu erhalten, muss eine definierte Schicht mehrfach hintereinander angeregt werden. Die Zeit zwischen einzelnen Anregungen wird als Repetitionszeit (TR) bezeichnet.\r\n\r\nEine zweite Messeinheit ist die Echozeit (TE). Diese Zeit misst die Spanne zwischen Anregung und Messung des Kernspinsignals. Je nach Einstellung der Messparameter sind unterschiedliche Gewichtungen abzulesen.","type":"rich"}