{"version":"1.0","provider_name":"Pferdegesundheitsakademie","provider_url":"https:\/\/pferdegesundheitsakademie.de","author_name":"Dr. Kai Kreling","author_url":"https:\/\/pferdegesundheitsakademie.de\/author\/dr-kai-kreling\/","title":"Kniegelenk \u2013 Anatomie und Erkrankungsformen - Luxation","html":"<h2><strong>Die \u201eLuxation\u201c der Kniescheibe wird unter Friesenbesitzern h\u00e4ufig diskutiert.<\/strong><\/h2>\r\nHierbei m\u00fcssen <strong>verschiedene Krankheitsbilder<\/strong> unterschieden werden. Wichtig sind zun\u00e4chst einige <strong>anatomische Grundlagen<\/strong> f\u00fcr das Verst\u00e4ndnis der \u201eKnieerkrankungen\u201c:\r\n\r\nDas Knie beim Pferd ist, wie beim Menschen, ein sensibles und kompliziertes Gelenk. Eigentlich besteht das Kniegelenk aus zwei Gelenken, dem <strong>Kniescheibengelenk<\/strong> und dem <strong>Kniekehlgelenk<\/strong>.\r\n\r\nDas <strong>Kniescheibengelenk<\/strong> besteht, wie der Name schon sagt, aus der Kniescheibe, die \u00fcber eine Rollfurche, rechts und links begrenzt von einem kn\u00f6chernen Wulst, rutscht. Die Kniescheibe ist nach unten mit drei B\u00e4ndern am oberen Ende des Unterschenkels befestigt. Nach oben setzt der Streckmuskel an die Kniescheibe an. Das Kniescheibengelenk befindet sich somit am unteren Ende des Oberschenkels.\r\n\r\nDas <strong>Kniekehlgelenk<\/strong> ist das Gelenk, in dem Ober- und Unterschenkel beweglich miteinander verbunden sind. Beide Gelenke sind sehr empfindlich.\r\n\r\nBei <strong>Friesen<\/strong> allerdings kommt es h\u00e4ufiger zu Funktionsst\u00f6rungen im Bereich des <strong>Kniescheibengelenkes<\/strong>. Mit diesem Gelenk kann das Pferd den sogenannten Kniescheibenmechanismus willk\u00fcrlich bet\u00e4tigen. Das hei\u00dft, dass das Pferd in der Lage ist, die Kniescheibe in einer Position \u00fcber den inneren Rollkamm einzuhaken, so dass das Hinterbein in Streckstellung fixiert bleibt. Hierbei kann das Pferd ohne Anspannung von Muskulatur im Stehen \u201eschlafen\u201c. Diese Funktion wird auch als \u201eunerm\u00fcdbare Einrichtung\u201c bezeichnet. Will das Pferd diese Stehfunktion beenden, muss es durch die Streckmuskulatur die Kniescheibe wieder aus der Arretierung l\u00f6sen. Bei manchen Pferden kann dieser l\u00f6sende Vorgang gest\u00f6rt sein. <strong>Es kommt hierbei zu einem bleibenden Festhaken der Kniescheibe, die entweder kurzfristig, st\u00e4ndig oder immer wiederkehrend ist.<\/strong>\r\n<h2><strong>Festhaken der Kniescheibe nach oben<\/strong><\/h2>\r\nBeim Festhaken der Kniescheibe wird das Bein wie oben beschrieben in Streckstellung fixiert. Durch die B\u00e4nder- und Muskelverbindungen befindet sich auch das Sprunggelenk in Streckstellung. Eine Beugung des Fesselgelenkes ist m\u00f6glich. Durch die maximale Streckstellung des Knie- und Sprunggelenkes kommt es zu einer scheinbaren Verl\u00e4ngerung des Beines. Die Kniescheibe kann durch ein geringes Seitw\u00e4rtstreten oder auch durch Antreiben des Pferdes mit einem wahrnehmbaren Knackger\u00e4usch wieder in ihre Ausgangslage zur\u00fcck gleiten. Derselbe Vorgang kann sich bei weiteren Bewegungen des Pferdes st\u00e4ndig wiederholen.\r\n\r\nIst die <strong>Kniescheibe<\/strong> <strong>permanent festgehakt<\/strong> und wird das Pferd trotzdem angetrieben, f\u00fchrt es das Bein in Streckstellung halbkreisf\u00f6rmig nach vorne. Dabei schleift das Pferd die Vorderwand des Hufes \u00fcber den Boden. Eine starke Abnutzung des Wandhornes, sowie Druckverletzungen der Haut von der Krone bis zum Fesselkopf, k\u00f6nnen entstehen. Im Trab ist die Bewegungsbehinderung nicht \u00fcberzeugend zu erkennen, da wegen des schnelleren Bewegungsablaufes die Beugung des Kniescheibengelenkes nur minimal sp\u00e4ter erfolgt als bei ungest\u00f6rter Funktion.\r\n<h2><strong>Hat einmal ein Festhaken der Kniescheibe stattgefunden, k\u00f6nnen die B\u00e4nder gedehnt sein, so dass es h\u00e4ufig zu Wiederholung des Krankheitsbildes kommen kann.<\/strong><\/h2>\r\nPferde mit einem gro\u00dfen Winkel zwischen Ober- und Unterschenkel, also mit einer geraden Gliedma\u00dfe, sind st\u00e4rker gef\u00e4hrdet als Pferde mit st\u00e4rker gewinkeltem Hinterbein. <strong>Die Erkrankung tritt h\u00e4ufiger beim Friesen auf. Diese Pferderasse hat zum Teil ein relativ gerades Hinterbein.<\/strong>\r\n\r\nF\u00fcr das fehlerhafte Festhaken der Kniescheibe kommen folgende <strong>Ursachen<\/strong> in Frage:\r\n<ol>\r\n \t<li>\u00dcberdehnung durch \u00dcberstreckung des Beines<\/li>\r\n \t<li>Unterfunktion der Streckmuskulatur bei Konditionsschw\u00e4che<\/li>\r\n \t<li>Angeborene ung\u00fcnstige Gliedmassenstellung (steiles Hinterbein)<\/li>\r\n \t<li>Vernachl\u00e4ssigte Hufpflege und Hufbeschlag<\/li>\r\n<\/ol>\r\nAls <strong>Behandlung<\/strong> kann man eine Stellungs\u00e4nderung durch orthop\u00e4dischen <strong>Hufbeschlag<\/strong> versuchen. Auf eine ausgewogene <strong>Mineralstoff- und Vitaminversorgung<\/strong> sollte unbedingt geachtet werden. In vielen F\u00e4llen ist jedoch die <strong>chirurgische Durchtrennung des inneren Kniescheibenbandes<\/strong> zu empfehlen. Diese kann am stehenden Pferd mit \u00f6rtlicher Bet\u00e4ubung durchgef\u00fchrt werden. Die Pferde sollten danach ca. 6 Wochen nicht geritten werden, damit eine funktionelle Anpassung des Gelenkes an den Verlust des fehlenden Bandes erfolgen kann.\r\n<h2><strong>Zeitweise Verlagerung der Kniescheibe nach au\u00dfen (Subluxation)<\/strong><\/h2>\r\nBei dieser Verlagerung <strong>verl\u00e4sst die Kniescheibe zu Beginn der Kniegelenksstreckung die Rollfurche und gleitet \u00fcber den \u00e4u\u00dferen Rollkamm hinweg<\/strong>. Diese Verlagerung endet mit dem Auffussen des Beines auf den Boden. Dann wird die Kniescheibe in ihre normale Ausgangsposition zur\u00fcckgezogen.\r\n\r\nDieser Vorgang ist gew\u00f6hnlich mit einem <strong>h\u00f6rbaren Ger\u00e4usch<\/strong> verbunden. Im Trab erscheint das kranke Bein in seiner Bewegung etwas steif und nicht vollst\u00e4ndig gestreckt. Durch die bei jedem Schritt ablaufende Verlagerung kommt es zu <strong>hochgradigen Knorpelsch\u00e4den an Kniescheibe, Rollkamm und Rollfurche<\/strong>. Die <strong>Gelenkskapsel<\/strong> wird allm\u00e4hlich <strong>gedehnt<\/strong> und <strong>mit Gelenksfl\u00fcssigkeit vermehrt gef\u00fcllt<\/strong>. Diese F\u00fcllung ist von au\u00dfen als <strong>Schwellung<\/strong> deutlich sichtbar.\r\n\r\nUrsache f\u00fcr solche eine Verlagerung der Kniescheibe ist eine ungen\u00fcgende Ausbildung des inneren Rollkammes. Bei fr\u00fchzeitiger Erkennung ist eine Behandlung chirurgisch eventuell m\u00f6glich. Diese Erkrankung ist bei allen Pferderassen zu finden und tritt <strong>sehr selten<\/strong> auf.\r\n<h2><strong>Komplette Verlagerung der Kniescheibe nach au\u00dfen <\/strong><\/h2>\r\nBeim erwachsenen Pferd kommt diese Art der Verlagerung sehr selten vor. Sie tritt vereinzelt nach starken Verletzungen auf.\r\n\r\n<strong>H\u00e4ufiger tritt diese Erkrankung bei neugeborenen Fohlen auf. Besonders Shetlandponys sind dabei pr\u00e4disponiert.<\/strong>\r\n\r\nDie Kniescheibe befindet sich zum Zeitpunkt der Geburt nicht in der Rollfurche des Oberschenkelknochens, sondern liegt au\u00dfen am \u00e4u\u00dferen Rollkamm und ist au\u00dferdem um 90\u00b0 Grad um ihre L\u00e4ngsachse gedreht. <strong>Ursache ist eine unvollst\u00e4ndige Entwicklung des inneren Kniescheibenbandes und eine Abflachung des \u00e4u\u00dferen Rollkammes. <\/strong>Die Kniescheibe kann dadurch nicht mehr in ihrer normalen Position gehalten werden.\r\n\r\nBei den ersten Aufstehversuchen richten sich die Fohlen nur mit den Vorderbeinen auf. Nach einigen Tagen ist die Muskulatur so kr\u00e4ftig, dass sich das Fohlen aus eigener Kraft erheben kann. Da eine Streckung des Knies nicht m\u00f6glich ist, nimmt es eine <strong>typische Hockstellung<\/strong> ein. Es erm\u00fcdet schnell und legt sich nach einigen Schritten wieder hin. <strong>Das Euter der Mutter kann in der Regel ohne Hilfe nicht erreicht werden.<\/strong> Als Behandlung kommt nur eine <strong>fr\u00fchzeitige operative Korrektur<\/strong> der Lagever\u00e4nderung mit Fixierung der Kniescheibe nach innen in Frage. In Hinblick auf die Erblichkeit sollte man jedoch sehr kritisch mit dieser Therapie umgehen.\r\n<h2><strong>Zusammenfassung<\/strong><\/h2>\r\nDie im Allgemeinen als<strong> \u201eLuxation\u201c der Kniescheibe <\/strong>bezeichnete Erkrankung<strong> ist ein Festhaken der Kniescheibe \u00fcber dem mittleren Rollkamm des Kniescheibengelenkes<\/strong>.\r\n\r\nF\u00fcr diese Erkrankung haben <strong>Friesen<\/strong> eine erh\u00f6hte Neigung. Dieses Problem kann aber in der Regel durch <strong>orthop\u00e4dische Hufkorrektur bzw. chirurgisches Durchtrennen des mittleren Kniescheibenbandes<\/strong> gel\u00f6st werden.\r\n\r\nDie <strong>Verlagerung der Kniescheibe w\u00e4hrend der Bewegungsphase<\/strong> ist eine Erkrankung die bei Pferden <strong>aller Rassen<\/strong> auftreten kann. Insgesamt tritt diese Erkrankung sehr selten und sicherlich bei Friesen nicht h\u00e4ufiger als bei anderen Pferderassen auf.\r\n\r\nDie <strong>komplette Verlagerung der<\/strong> <strong>Kniescheibe<\/strong> kommt meist nur bei <strong>Fohlen<\/strong>, und hier fast ausschlie\u00dflich bei <strong>Shetlandponys<\/strong>, vor.","type":"rich","thumbnail_url":"https:\/\/pferdegesundheitsakademie.de\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/Verletzter-Huf-150x150-1465982804.jpg","thumbnail_width":150,"thumbnail_height":150}