{"version":"1.0","provider_name":"Pferdegesundheitsakademie","provider_url":"https:\/\/pferdegesundheitsakademie.de","author_name":"Dr. Kai Kreling","author_url":"https:\/\/pferdegesundheitsakademie.de\/author\/dr-kai-kreling\/","title":"Kaufuntersuchung - reicht r\u00f6ntgen aus?","html":"<h2><strong>Die r\u00f6ntgenologischen Befunde entscheiden h\u00e4ufig \u00fcber das Zustandekommen eines Kaufes. <\/strong><\/h2>\r\nDiskussionen \u00fcber die Wertigkeit und Aussagekraft von R\u00f6ntgenbefunden werden schon seit der Erstellung der ersten R\u00f6ntgenbilder diskutiert.\r\n\r\nWas bedeutet ein Chip f\u00fcr das Pferd und den potentiellen K\u00e4ufer? Wie schlimm ist die Ver\u00e4nderung am Strahlbein wirklich? Wird aus den Ver\u00e4nderungen am Sprunggelenk einmal ein unbrauchbares Pferd? Usw.\r\n\r\nDie R\u00f6ntgenbildbeurteilung als Basis f\u00fcr eine Kaufentscheidung \u2013 Das w\u00e4re sch\u00f6n! Doch so einfach ist es leider nicht.\r\n\r\nIm Rahmen vieler Untersuchungen wurden mehrere Millionen an R\u00f6ntgenbildern in der Pferdemedizin angefertigt. Erg\u00e4nzend gibt es zu einzelnen Befunden wissenschaftliche Erkenntnisse. Die Auswertung solch einer gro\u00dfen Zahl von R\u00f6ntgenbildern, die Erfahrungen im Zusammenhang mit dem Bewegungsablauf und Krankheitsverl\u00e4ufen bei r\u00f6ntgenologischen Ver\u00e4nderungen bei Belastung von Pferden wurden zusammengefasst und in einem Gremium von Spezialisten in einen <strong>R\u00f6ntgenleitfaden<\/strong> formuliert. Dieser R\u00f6ntgenleitfaden teilt die Befunde wie auch schon vorher in 4 Klassen ein.\r\n\r\nIn <strong>Klasse 1<\/strong> sind alle R\u00f6ntgenbefunde eingestuft, die ohne eine Abweichung von der Norm oder im Rahmen von anatomischen Varianzen zu bewerten sind. Dies Klasse wird als \u201eIdeal\u201c angesehen. Da Natur nicht immer \u201eIdeal\u201c ist, folgt daraus, dass nur wenige Pferde diese r\u00f6ntgenologischen Kriterien erf\u00fcllen.\r\n\r\nR\u00f6ntgenbefunde, bei denen geringgradige Abweichungen von der Idealsituation vorliegen sind in <strong>Klasse 2<\/strong> eingeteilt. Diese als \u201eNorm\u201c bezeichnete Klassifizierung trifft auf sehr viele der untersuchten Pferde zu. Bei diesen Befunden gilt es als unwahrscheinlich, dass aus den, vom Ideal abweichenden Befunden eine Gesundheitsproblematik entsteht.\r\n\r\nBefunde die in <strong>Klasse 3<\/strong> rangieren, sind deutlich vom \u201eIdeal\u201c abweichend. Bei diesen Befunden ist das Auftreten von klinischen Erscheinungen, in aller Regel Lahmheiten, wenig wahrscheinlich. Man bezeichnet sie als die \u201eToleranzform\u201c. Daraus wird deutlich, dass die festgestellten Befunde zwar deutlich erkennbar, aber in ihrer Bedeutung hinsichtlich einer orthop\u00e4dischen Erkrankung eher wenig wahrscheinlich sind.\r\n\r\nIn <strong>R\u00f6ntgenklasse 4<\/strong> sind dann alle erheblich von der Norm abweichenden Befunde aufgef\u00fchrt, die wahrscheinlich zu einer Gesundheitsbeeintr\u00e4chtigung f\u00fchren. Man bezeichnet dies als die \u201eRisikoform\u201c.\r\n\r\nAuch in der neuen Fassung des R\u00f6ntgenleitfadens sind <strong>Zwischenklassen<\/strong> vorgesehen (1-2; 2-3; 3-4). Zwischenklassen sollen erm\u00f6glichen, dass ein Befund je nach Ermessen des einzelnen Tierarztes, sowohl in der einen als auch in der anderen Klasse vertreten ist. So einfach ist das also leider nicht!\r\n\r\nDas R\u00f6ntgenbild allein sollte nicht als einzelne Aussage f\u00fcr die gesundheitliche Qualit\u00e4t eines Pferdes stehen. Ein Pferd mit brillanten Bildern der Klasse 1 kann dennoch stumpf und zum Teil auch lahm gehen. Umgekehrt k\u00f6nnen Pferde mit R\u00f6ntgenklasse 3-Bildern oder sogar 4, auch sehr gute und dauerhaft leistungsf\u00e4hige Reit- und Sportpferde sein.\r\n\r\nDas hei\u00dft, die <strong>klinische Untersuchung<\/strong> muss die Basis f\u00fcr jede Kaufuntersuchung bleiben.\r\n\r\nDie <strong>Qualit\u00e4t des Pferdes<\/strong> sollte nicht ausschlie\u00dflich \u00fcber die R\u00f6ntgenklasse definiert werden. Ein \u201e1-ser T\u00dcV\u201c, wie es in Reiterkreisen h\u00e4ufig hei\u00dft, bezieht sich dabei ausschlie\u00dflich auf die R\u00f6ntgenbilder. Oft wird hier sogar eine besondere Leistungsbereitschaft des Pferdes hineininterpretiert. Dabei hat das \u00a0R\u00f6ntgenbild mit der Qualit\u00e4t eines Pferdes absolut nichts zu tun. Ein Pferd mit R\u00f6ntgenbildern der Klasse 3 ist heute oft trotz sonstiger Qualit\u00e4ten schwer zu verkaufen. Es werden so viele Pferde nicht oder nur schwer verkauft, obwohl sie als Reit- und Sportpferd gut geeignet w\u00e4ren.\r\n\r\nDiese Situation ist f\u00fcr Pferdeverk\u00e4ufer und f\u00fcr Tier\u00e4rzte eine oft schwierige Situation. Aber nicht nur die Seite des Verk\u00e4ufers ist kompliziert.\r\n\r\nEin <strong>K\u00e4ufer<\/strong>, der sich f\u00fcr ein spezielles Pferd interessiert, m\u00f6chte dieses Pferd grunds\u00e4tzlich gerne kaufen. Er hat es entsprechend ausprobiert und ist von seiner reiterlichen Qualit\u00e4t \u00fcberzeugt. Dies ist im Vorfeld der Untersuchung schon so passiert.\r\n<h2><strong>Die gesundheitliche \u00dcberpr\u00fcfung soll die Kaufentscheidung nun abrunden. <\/strong><\/h2>\r\nK\u00e4ufer sind grunds\u00e4tzlich genauso wenig daran interessiert einen Kauf verhindernden Befund zu erfahren als der Verk\u00e4ufer. Aus diesen verschiedenen Aspekten muss eine komplette Kaufuntersuchung stattfinden. Dies widerspricht der immer wieder ge\u00fcbten Praxis, bei der K\u00e4ufer nur eine R\u00f6ntgenuntersuchung zur Beurteilung des zu kaufenden Pferdes verlangen. Im Einzelfall steht der Kauf fest und es wird aufgrund irgendwelcher Befunde versucht, den Preis zu verhandeln. Auch dies ist ein Aspekt der Kauf- \/ R\u00f6ntgenuntersuchung.\r\n\r\nUnter dem Strich sollte man zuerst das Pferd betrachten, eine <strong>klinische Untersuchung im klassischen Sinne<\/strong> mit allgemeiner Untersuchung, Vortraben, Beugen und Belasten an Longe in der Wendung auf weichem und auf hartem Boden durchf\u00fchren. Sind diese Untersuchungen unauff\u00e4llig, wird eine Standardr\u00f6ntgenuntersuchung durchgef\u00fchrt.\r\n\r\nBei der <strong>Standardr\u00f6ntgenuntersuchung<\/strong> sind die Zehenaufnahmen vorne und hinten beidseits, die Aufnahme des Strahlbeines (nach Oxspring) vorne beidseits, sowie je zwei Aufnahmen vom Sprunggelenk enthalten.\r\n\r\nF\u00fcr <strong>potentielle Sportpferde<\/strong> wird dieser Standard um 3 R\u00fcckenbilder und je 2 R\u00f6ntgenbilder der Knie erg\u00e4nzt.\r\n\r\n<strong>Weitere R\u00f6ntgenaufnahmen<\/strong> wie die Gleitfl\u00e4che des Strahlbeines, die Halswirbels\u00e4ule usw. sind nach Vereinbarung m\u00f6glich.\r\n\r\nSind die Befunde in die Gr\u00f6\u00dfenordnung der Klassen 1 und 2 einzuteilen, wird dies sicherlich kein Problem sein. Aber auch wenn die R\u00f6ntgenbefunde Klasse 3 entsprechen, sollte dies nicht automatisch zur Kaufverhinderung f\u00fchren. Das R\u00f6ntgenbefunde, die in Klasse 4 einzuteilen sind h\u00e4ufig den Kauf zerschlagen, ist nachzuvollziehen.\r\n\r\n<strong>R\u00f6ntgen<\/strong> sollte immer als eine <strong>Erg\u00e4nzung<\/strong> zum allgemeinen Untersuchungsgang gesehen werden. Das <strong>Alter<\/strong> und die <strong>Lebensleistung<\/strong> eines Pferdes sind bei der Gesundheitseinsch\u00e4tzung wesentlich.\r\n\r\nEin 10-j\u00e4hriges Pferd, dass mit einer durchgehenden Historie seit vielen Jahren immer sportlich gute Leistung vollbracht hat und sich bei einer aktuellen Gesundheits\u00fcberpr\u00fcfung gut pr\u00e4sentiert ist hinsichtlich r\u00f6ntgenologischer Ver\u00e4nderungen deutlich leichter einzusch\u00e4tzen als ein junges Pferd, das noch keine oder nur wenig Arbeit unter dem Reiter absolviert hat.\r\n\r\nSo ist bei der Kaufuntersuchung nicht das R\u00f6ntgenbild isoliert ein Bewertungskriterium, sondern muss als erg\u00e4nzender Anteil gesehen werden um das Risikopotential im Ganzen einsch\u00e4tzen zu k\u00f6nnen. Dabei gilt es das Pferd insgesamt zu beurteilen, die Verwendung und die Lebensleistung mit einzubeziehen und dann die Bewertung der R\u00f6ntgenbilder als ein weiteres Kriterium zu bewerten.\r\n<h2><strong>Kaufen oder nicht Kaufen<\/strong><\/h2>\r\nDiese Entscheidung muss der K\u00e4ufer treffen. Dies h\u00e4ngt im Einzelfall von seiner individuellen Pferdeerfahrung, seiner Risikobereitschaft und auch von der Verf\u00fcgbarkeit eines gleichwertigen Pferdes ab.\r\n\r\nIn der t\u00e4glichen Praxis werden Pferde, die an erfahrene \u201ePferdemenschen\u201c verkauft werden, viel weniger ger\u00f6ntgt oder fallen nur selten wegen eines R\u00f6ntgenbefundes durch \u201eden T\u00dcV\u201c. Die Bewertung der vorangegangen Untersuchung hat hier einen vorrangigen Stellenwert. Auch steigt die Risikobereitschaft, mit einem Befund leben zu k\u00f6nnen dann, wenn es um ein <strong>sehr<\/strong> <strong>gut ausgebildetes und erfolgreiches Pferd<\/strong> geht. Die <strong>Zahl<\/strong> dieser Pferde ist trotz einer gro\u00dfen Zahl angebotener Pferde immer noch <strong>limitiert<\/strong>.\r\n\r\nSo bleibt \u2013 <strong>will man ein gutes Pferd kaufen, muss man im Einzelfall auch mit dem einen oder anderen Befund leben<\/strong>. Der Pferdekauf wird dadurch sicherlich nicht zu einem v\u00f6llig unkalkulierbaren Risiko.\r\n<h2><strong>Aber es kann auch nicht das Ziel einer Kaufuntersuchung sein, viele solide Pferde aufgrund von einzelnen R\u00f6ntgenbefunden als unbrauchbar einzustufen. <\/strong><\/h2>","type":"rich"}