{"version":"1.0","provider_name":"Pferdegesundheitsakademie","provider_url":"https:\/\/pferdegesundheitsakademie.de","author_name":"Dr. Kai Kreling","author_url":"https:\/\/pferdegesundheitsakademie.de\/author\/ar\/","title":"Sattel-Passform als Gesundheitsfaktor","html":"Der Sattel ist ein in der Reiterei zunehmend diskutierter Faktor. Dabei treten Probleme mit dem Sattel in h\u00f6herem Ma\u00dfe im Bereich der Freizeitreiterei auf. Die Sattelhersteller allerdings konzentrieren sich im Wesentlichen auf die Sportreiter. Die Analyse eines echten Bedarfes scheint hier nicht im vollen Umfang stattgefunden zu haben. Dies birgt Probleme bei der richtigen Auswahl eines Sattels im Freitzeitreiterbereich.\r\n<h2><strong>Der Sattel muss verschiedenen Kriterien gen\u00fcgen. <\/strong><\/h2>\r\nDer Reiter muss bequem sitzen k\u00f6nnen \u2013 entsprechende der Sportart ( Springe, Dressur, Freizeit, Western usw.) Er muss dem Pferd passen\u2028M\u00f6glichst von der Stange kaufen, da Preis ein wichtiges Kriterium ist\r\n<h2><strong>Wesentlichster Punkt ist die Passform f\u00fcr das Pferd. Hier sind verschiedene Punkte ausschlaggebend: <\/strong><\/h2>\r\n<ul>\r\n \t<li>Kammerweite als Freiraum f\u00fcr den Widerrist<\/li>\r\n \t<li>Seitliche Auflage auf Rippenbogen \u2013 dem Rippenbogen anliegend<\/li>\r\n \t<li>Tiefster Punkt der Sitzfl\u00e4che ca. in der Mitte des Sattels \u2013 in H\u00f6he der Steigb\u00fcgelschl\u00f6sser<\/li>\r\n \t<li>Aufliegepunkte auf Schulter vermeiden<\/li>\r\n \t<li>L\u00e4nge des Sattels dem Pferder\u00fccken angepasst \u2013 darf nicht zu lang sein<\/li>\r\n<\/ul>\r\nDiese Punkte betreffen die Lage des Sattels am stehenden Pferd. Die Belastung des Pferder\u00fcckens mit Sattel in der Bewegung ist noch komplizierter. Die Schulter bewegt sich vor und zur\u00fcck. Beim Zur\u00fcckbewegen staut sich die Muskulatur wie auch der Schulterblattknorpel nach hinten \u2013 oben. Ist der Sattel hier im Weg, kommt es zu einer Interaktion, die auf Dauer schmerzhaft sein kann. Diese Pferde verlieren an Gang und entwickeln im extrem Fall sogar etwas steilere Hufe.\r\n\r\nDer R\u00fccken bewegt sich nicht zweidimensional, sondern dreidimensional. Das hei\u00dft, dass Schwung im Bereich des R\u00fcckens nicht nur eine Bewegung rauf und runter bedeutet, sondern auch eine Rotation um die Wirbels\u00e4ulenachse entsteht.\u2028Durch Bewegung des Schulter und der dreidimensionalen Bewegung des R\u00fcckens kommt es zu einer sehr komplizierten Statik, der der Sattel angepasst werden muss.\r\n\r\nDies ist fast unm\u00f6glich. Ein guter Reiter mit einem ausbalancierten Sitz entsch\u00e4rft das Problem. Ein weniger professionell Reitender wird diese Bewegung des Pferdes eher noch unterst\u00fctzen und die Belastung f\u00fcr das Pferd im R\u00fccken deutlich verst\u00e4rken. Eine extrem genaue Beobachtung und Analyse der Anatomie des Pferdes, Bewegungsmechanik in Bezug auf den R\u00fccken und auch der Reitersitz sind h\u00e4ufig noch schwer qualifizierbare Kriterien, die die Passgenauigkeit des Sattels beurteilen lassen.\r\n\r\nTakt \u2013 Losgelassenheit - Anlehnung und Schwung sind die ersten vier Ausbildungsziele eines jungen Pferdes. In dieser Zeit entwickelt sich die R\u00fcckenmuskulatur, die Mechanik des R\u00fcckens und die Koordination der Bewegung. Die Anforderung an einen Sattel ver\u00e4ndert sich damit auch. Das hei\u00dft, dass ein f\u00fcr ein 3 j\u00e4hriges Pferd angepasster Sattel beim selben Pferd mit 5 Jahren \u00fcberhaupt nicht mehr passend sein kann.\r\n<h2><strong>Was passiert, wenn der Sattel nicht passt? <\/strong><\/h2>\r\nDruck des Sattels an einer Stelle f\u00fchrt erst einmal zu Schmerz. Dadurch wird sich die Reiteigenschaft des Pferdes per se schon deutlich verschlechtern oder kann gar nicht erst ausgebildet werden. Der Schmerz f\u00fchrt dar\u00fcber hinaus zu einer Reduzierung des Stoffwechsels. Ein reduzierter Stoffwechsel hat zur Folge, dass der Muskel nicht mehr entschlackt wird und eine \u00dcbers\u00e4uerung findet statt. Ein \u00dcbers\u00e4uerter Muskel wird nicht effektiv arbeiten und kann schon gar nicht trainiert werden. Ein Teufelskreis stellt sich ein.\r\n<h2><strong>Druckpunkte entstehen durch: <\/strong><\/h2>\r\n<ul>\r\n \t<li>Eine zu enge Kammer<\/li>\r\n \t<li>Schlecht ausgeformte Rippenauflage<\/li>\r\n \t<li>Zu lange Sattelkonstruktion im Verh\u00e4ltnis zum Pferder\u00fccken<\/li>\r\n \t<li>Ungleiche Polsterung<\/li>\r\n \t<li>Starre, unphysiologisch geformte Sattelb\u00e4ume<\/li>\r\n \t<li>Zu weit nach vorne\/zu weit nach hinten aufgelegte S\u00e4ttel<\/li>\r\n<\/ul>\r\n<h2><strong>Was ist zu tun? <\/strong><\/h2>\r\nProfessionelles Anreiten eines jungen Pferdes durch einen ausbalanciert sitzenden Reiter ist die erste und absolut wichtige Voraussetzung. Der Sattel sollte in dieser Phase nat\u00fcrlich dem Pferd passen. Ist das Pferd erst einmal in seinem Gleichgewicht stabil und schon relativ gut bemuskelt, lohnt es sich einen Sattel f\u00fcr dieses Pferd anpassen zu lassen oder einen passenden Sattel zu kaufen. Wichtige Punkte sind oben schon ausgef\u00fchrt und werden in den praktischen \u00dcbungen am Pferd vermittelt.\r\n\r\nEs gibt heute einige sehr effiziente Hilfsmittel, mit denen man die Korrektheit der Sattelpassform beurteilen kann. Speziell die Belastung in der Bewegung kann mit Hilfe eines Druckmessger\u00e4tes \/ Druckmessplatte oder auch einer Thermographie sehr genau festgestellt werden. Die Auswertungen sprechen f\u00fcr sich und erleichtern die Entscheidung f\u00fcr welchen Sattel man sich bei der heutigen riesigen Auswahl verschiedenster Modelle entscheidet.\r\n\r\nEin neuer Sattel oder auch ein neuer gebrauchter Sattel muss regelm\u00e4\u00dfig auf seinen Sitz \u00fcberpr\u00fcft werden. Vor allem die Markens\u00e4ttel sind mit Wolle gepolstert, die sich unterschiedlich setzen kann und dadurch die Passform des Sattels beeinflusst. Eine Kontrolle nach 1 \u2013 2 Jahren beim gebrauchten und nach 2 \u2013 3 Monaten bei einem neuen Sattel ist dringend zu empfehlen.\r\n\r\nEs darf allerdings nicht der Sattel die notwendige Grundausbildung des Reiters ersetzen sollen. Ein neuer Sattel macht noch keinen Reiter. Gerade hier ist ein wesentlicher Ansatz zur Verbesserung der Gesundheit, vor allem im Bereich des Bewegungsapparates unserer Pferde.","type":"rich"}