{"version":"1.0","provider_name":"Pferdegesundheitsakademie","provider_url":"https:\/\/pferdegesundheitsakademie.de","author_name":"Dr. Kai Kreling","author_url":"https:\/\/pferdegesundheitsakademie.de\/author\/ar\/","title":"Scheren oder nicht scheren, das ist hier die Frage?","html":"Die Winterzeit ist da und die meisten Pferde haben mittlerweile ein langes und dichtes Winterfell.\r\n\r\nWerden sie geritten, schwitzen sie nach kurzer Zeit extrem. Langes Trockenreiten, Eindecken und eventuell das Solarium mit \/ ohne F\u00f6n sind m\u00f6gliche Techniken zum trocknen dieser Pferde. Aber nicht nur das Schwitzen w\u00e4hrend der Arbeit sondern auch das Nachschwitzen im Stall nach 1 -2 Stunden nach Beendigung der Arbeit bereitet vielen Reitern Kopfzerbrechen. Jetzt stellt sich die Frage, soll ich mein Pferd Scheren oder nicht? Was hat das f\u00fcr gesundheitliche Konsequenzen?\r\n\r\nDiese Frage ist nicht mit eindeutigem Ja oder Nein zu beantworten. Viele Faktoren beeinflussen die Entscheidung ein Pferd zu Scheren, zum Teil zu Scheren oder \u00fcberhaupt nicht zu Scheren. Wird ein Pferd im Offenstall gehalten oder in einem gesch\u00fctzten Stall? Wird das Pferd t\u00e4glich gearbeitet und schwitzt es schnell und intensiv? Diese Fragestellungen gilt es erst einmal zu kl\u00e4ren. Eindeutig ist die Frage nach dem Scheren bei einer Robustpferdehaltung im Offenstall zu beantworten. Wenn diese Pferde auch nur selten geritten werden, w\u00e4re es absolut nicht tiergerecht, diesen Pferden den Schutz des Felles zu nehmen. Ist das Pferd in einem gesch\u00fctzten Stall und wird t\u00e4glich sportlich geritten, schwitzt bei der Arbeit intensiv, sollte ein solches Pferd zumindest an den K\u00f6rperregionen starken Schwitzens wie Hals und Brust, Bauch und den Flanken geschoren werden. Sch\u00f6n ist dies sicherlich nicht unbedingt. Viele Reiter bevorzugen eine Schur des gesamten K\u00f6rpers. Selbstverst\u00e4ndlich m\u00fcssen diese Pferde im Stall \/ tags\u00fcber auf der Weide mit einer der Temperatur entsprechenden Decke eingedeckt werden. Bei der Schur des gesamten K\u00f6rpers sollte ein St\u00fcck Fell im Bereich der Sattellage \u00fcber bleiben. An dieser Stelle kommt es sonst durch den Druck des Sattels zu Haarbruch, Scheuern des Sattels unmittelbar auf der Haut und zu Satteldruck.\r\n\r\nImmer wieder gibt es Diskussionen \u00fcber das Scheren. Die Gegner argumentieren, dass das Fell eine Schutzfunktion hat und zugleich die W\u00e4rmeregulation des K\u00f6rpers beeinflusst. Durch das Scheren der Pferde w\u00fcrde die Pferdegesundheit gef\u00e4hrdet. Diese Argumentation hat ihre Berechtigung. Aus diesem Grunde ist es auch wichtig, die Lebensumst\u00e4nde eines Pferdes in die Entscheidung Scherern \u2013 ja oder nein ? mit einzubeziehen. Die Pferdegesundheit wird aber nicht zwangsl\u00e4ufig dabei negativ beeinflusst. Was passiert beim nicht geschorenen Pferd? Die Pferde mit langem Fell schwitzen schnell und selbst beim Trockenreiten f\u00fchrt die Verdunstungsk\u00e4lte des Schwei\u00dfes zu einer immensen Abk\u00fchlung der K\u00f6rpertemperatur des Pferdes. Die W\u00e4rme, die der K\u00f6rper im Schritt produziert, reicht nicht aus, um den Abk\u00fchleffekt des schwei\u00dfdurchtr\u00e4nkten Felles zu kompensieren. Abdecken auch w\u00e4hrend des Trockenreitens ist n\u00f6tig, um einer Unterk\u00fchlung des Pferdes vorzubeugen. Besonders gef\u00e4hrdet sind die Pferde, die nach einiger Zeit im Stall nachschwitzen. Der Reiter ist l\u00e4ngst zu Hause, das Pferd steht nass in der Box und die Verdunstungsk\u00e4lte des Schwei\u00dfes unterk\u00fchlt das Pferd. Die Gefahr einer Infektionserkrankung ist in diesem Fall sicherlich gr\u00f6\u00dfer als bei einem geschorenen Pferd, das zuerst einmal nicht so stark schwitzt, nicht so viel Feuchtigkeit im Fell speichert und damit nicht diesen starken abk\u00fchlenden Effekt unterliegt. Wichtig ist - Geschorene Pferde m\u00fcssen als Kompensation f\u00fcr das fehlende Fell bei k\u00fchlen Temperaturen eingedeckt werden.\r\n\r\nEin Pferd ist grunds\u00e4tzlich nicht so k\u00e4lteempfindlich wie der Mensch. Die K\u00f6rperoberfl\u00e4che des Pferdes ist im Verh\u00e4ltnis zur K\u00f6rpermasse kleiner. Das hei\u00dft, dass weniger Fl\u00e4che zur Verf\u00fcgung steht, \u00fcber die W\u00e4rme abgegeben wird. Im Sommer ist das ein Nachteil f\u00fcr das Pferd. Im Winter, wenn die Temperaturen kalt sind, verliert das Pferd relativ weniger Energie als W\u00e4rmeenergie \u00fcber die Haut. Es friert also lange nicht so schnell wie der Mensch. Auch diesen Effekt gilt es zu beachten, wenn man \u00fcber das Scheren nachdenkt.\r\n\r\nZus\u00e4tzlich hat das Pferd wie auch wir Menschen einen W\u00e4rmeregulationshaushalt. W\u00e4rme wird gespeichert oder abgegeben und die W\u00e4rme- K\u00e4lteempfindung variiert. Dieses System gleicht sich nicht innerhalb von Stunden einer ver\u00e4nderten Situation wie dem Verlust des Felles an. Aus diesem Grunde ist es wichtig, die Pferde dann zu scheren, wenn die Temperaturen noch nicht extrem kalt sind. So kann der K\u00f6rper sich allm\u00e4hlich auf die ver\u00e4nderte W\u00e4rmeisolierung umstellen. Je nach Jahr ist die Zeit Oktober\/ November der geeignete Termin zum Scheren. Sp\u00e4ter zu Scheren ist ung\u00fcnstiger. Falls es aus besonderen Gr\u00fcnden notwendig wird in den kalten Wintermonaten zu Scheren, muss das Pferd eine besonders gut gef\u00fctterte Decke, die auch zuverl\u00e4ssig befestigt werden kann, aufbekommen. Ganz oder teilweise Scheren ist auch eine Frage des Geschmackes. Es gibt die verschiedensten \u201eSchnittmuster\u201c bis hin zum Ausscheren von Herzchen oder Initialen auf den Hinterbacken der Pferde. F\u00fcr das Pferd wichtig sind die K\u00f6rperregionen mit starker Schwei\u00dfbildung. Dazu geh\u00f6ren der Unterhals, die Brustpartie, der Unterbauch, die Flankenregion und die Innenseite der Hinterbacken. Der Rest des Felles kann wie eine nat\u00fcrliche Decke als Schutzfunktion erhalten bleiben. Vor allem bei den Pferden, die tags\u00fcber auch auf die Koppel oder den Paddock kommen, empfiehlt sich ein solcher \u201eTeilschnitt\u201c, bei dem nur diese aufgef\u00fchrten Regionen geschoren werden.\r\n\r\nFasst man alle Argumente f\u00fcr und wider das Scheren zusammen, kann man f\u00fcr jedes Pferd sehr schnell einen geeigneten Haarschnitt finden oder eventuell das Scheren ganz lassen.\r\n\r\n<em><img class=\"wp-image-3263 alignnone\" src=\"https:\/\/pferdegesundheitsakademie.de\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/Schnitt1.png\" alt=\"\" width=\"269\" height=\"190\" \/><\/em><em>\r\nSchnittmuster der K\u00f6rperregionen mit der intensivsten Schwei\u00dfproduktion. Fell als eine Art nat\u00fcrliche Decke erhalten. <\/em>\r\n\r\n<em><img class=\"wp-image-3264 alignnone\" src=\"https:\/\/pferdegesundheitsakademie.de\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/Schnitt2.png\" alt=\"\" width=\"268\" height=\"189\" \/><\/em><em>\r\nSchnittmuster des ganzen K\u00f6rpers \u2013 nur die Sattellage bleibt ungeschoren. Eindecken mit einer gut gef\u00fctterten Decke ist besonders wichtig! <\/em>","type":"rich"}