{"version":"1.0","provider_name":"Pferdegesundheitsakademie","provider_url":"https:\/\/pferdegesundheitsakademie.de","author_name":"Dr. Kai Kreling","author_url":"https:\/\/pferdegesundheitsakademie.de\/author\/dr-kai-kreling\/","title":"Sommerekzem","html":"<h2>Sommerekzem - Sweet itch - Queensland itch - summer itch<\/h2>\r\nBeim Sommerekzem des Pferdes handelt es sich um eine, meist jeden Sommer wiederkehrende, <span style=\"color: #008080;\"><strong>allergische Hautentz\u00fcndung<\/strong><\/span>, die f\u00fcr die betroffenen Pferde und Besitzer zu einer Qual werden kann.\r\n<h2>Welche Symptome, Ursache und m\u00f6gliche Therapieans\u00e4tze gibt es?<\/h2>\r\nDas Sommerekzem des Pferdes, bei uns f\u00e4lschlicherweise auch als \u201eSommerr\u00e4ude\u201c bezeichnet, wird in anderen L\u00e4ndern auch mit den Begriffen \u201eSweet itch\u201c, \u201eQueensland itch\u201c oder \u201esummer itch\u201c benannt. Es handelt sich um eine, meist jeden Sommer wiederkehrende, allergische Hautentz\u00fcndung, die f\u00fcr die betroffenen Pferde und Besitzer zu einer Qual werden kann. In diesem Artikel sollen daher die Symptome des Sommerekzems, ihre Ursache und m\u00f6gliche Therapieans\u00e4tze beschrieben werden.\r\n<h2><strong>Auftreten<\/strong><\/h2>\r\nDas Sommerekzem kommt weltweit vor, wobei ein geh\u00e4uftes Auftreten bei Kleinpferden beschrieben wird. In der Gesamtpferdepopulation sind ca. 2% aller Tiere, meist ab dem Alter von 3 Jahren an, betroffen. Eventuell sind Hengste anf\u00e4lliger als Stuten und helle Pferde weniger anf\u00e4llig als dunkle. Bei den Islandpferden existiert das Problem in Island selber nicht, aber bei nach Deutschland exportierten erwachsenen Pferden liegt die H\u00e4ufigkeit bei 25%. In Deutschland aufgewachsene Islandpferde sind allerdings nur zu 5% betroffen. Dies schreibt man dem Einfluss von Schutzstoffen \u00fcber die Stutenmilch und einer fr\u00fchen Auseinandersetzung des K\u00f6rpers mit den Ursachen des Sommerekzems hier in Deutschland zu.\r\n<h2><strong>Symptome <\/strong><\/h2>\r\nMan unterscheidet drei verschiedene Auspr\u00e4gungsformen: die dorsale, die ventrale und die dorsoventrale Form. Bei der <strong>dorsalen<\/strong> Form sind der Kopf, die Ohren, die R\u00fcckenlinie und Schweifr\u00fcbe betroffen, w\u00e4hrend die <strong>ventrale<\/strong> Form die Bauchmitte, die Axeln, Schenkelinnenseiten, Brustkorb und den Kehlgang umfasst. Bei der <strong>dorsoventralen<\/strong> Form k\u00f6nnen alle Bereiche betroffen sein. Die Krankheit beginnt mit <strong>Juckreiz<\/strong> und <strong>Schuppenbildung<\/strong>, die dann in <strong>Krusten<\/strong> und <strong>Borken<\/strong> \u00fcbergehen. Es kommt zum <strong>Haarausfall<\/strong>, die Haut erscheint verdickt, gef\u00e4ltelt und trocken. M\u00e4hne und Schweifr\u00fcbe bestehen nur noch aus Haarstoppeln. Oft entwickelt sich ein unstillbarer Juckreiz mit Blutigscheuern der betroffenen Hautbezirke, die sich dann auch sekund\u00e4r infizieren k\u00f6nnen.\r\n<h2><strong>Ursache <\/strong><\/h2>\r\nDie ausl\u00f6sende Ursache ist eine allergische Reaktion auf den Speichel von Gnitzen\/M\u00fccken der Gattung Culicoides. Es gibt dabei verschiedene Arten, die eine unterschiedlich starke Reaktion hervorrufen k\u00f6nnen. Als weitere Ursachen wird eine Reaktion der Haut auf Sonnenlicht, die durch bestimmte Pflanzen hervorgerufen werden kann, diskutiert. Auch eine gewisse genetische Veranlagung existiert, da eine famili\u00e4re H\u00e4ufung beobachtet werden kann.\r\n\r\nDer Lebenszyklus der Culicoides-M\u00fccken verl\u00e4uft folgenderma\u00dfen: Die erwachsenen M\u00fccken sind schlanke, zweifl\u00fcgelige Insekten, die bis 2 mm gro\u00df sind. Die Eiablage erfolgt in matschige oder sandige R\u00e4nder von stehendem oder langsam flie\u00dfendem Wasser oder in feuchte Stellen von Kompost, Laub oder Kothaufen. Aus den Eiern entwickeln sich Larven, die sich verpuppen und dann als Erwachsene schl\u00fcpfen. Der gesamte Zyklus dauert 3-4 Wochen. Nur die weiblichen Tiere saugen Blut und entfernen sich zum Blutsaugen nicht weit von den Eiablagestellen. Die Hauptaktivit\u00e4t der M\u00fccken liegt in der Morgen- und Abendd\u00e4mmerung bei windstillem Wetter mit Temperaturen \u00fcber 9 Grad Celsius. Die Saison dauert meist von M\u00e4rz bis Oktober.\r\n<h2><strong>Diagnose<\/strong><\/h2>\r\nDie Diagnose \u201eSommerekzem\u201c wird meist anhand der typischen Symptome gestellt, wobei auch noch eine Hautbiopsie zur endg\u00fcltigen Absicherung herangezogen werden kann. Der Hautallergietest w\u00e4re zwar das Mittel der Wahl, ist aber aufgrund der zu teuren Testbestandteile nicht praktikabel. Alternativ wird h\u00e4ufig ein Allergietest anhand einer Blutprobe angeboten.\r\n<h2><strong>Therapie <\/strong><\/h2>\r\nEs gibt sehr viele verschiedene Therapieans\u00e4tze, die in der folgenden Aufz\u00e4hlung nicht bewertet werden, da jeder Pferdebesitzer unterschiedliche Erfahrungen mit den verschiedenen Methoden macht und jedes Pferd anders reagiert. Des Weiteren erhebt die folgende Aufz\u00e4hlung keinerlei Anspruch auf Vollst\u00e4ndigkeit.\r\n\r\nEs ist wichtig zu wissen, dass ein Tag mit M\u00fcckenkontakt die Allergie wieder f\u00fcr ca. drei Wochen aufflammen l\u00e4sst.\r\n<ul>\r\n \t<li><strong>Management\r\n<\/strong>\r\nDer beste Schutz f\u00fcr das Pferd besteht in der Stallhaltung zu den Hauptflugzeiten der M\u00fccken, n\u00e4mlich zwischen 4 Uhr nachmittags bis 10 Uhr morgens. Die Fenster des Stalls sollten mit sehr feinen Fliegennetzen vergittert werden (&lt; 2mm) und Ventilatoren k\u00f6nnen den M\u00fcckenflug verringern. M\u00f6gliche Eiablagepl\u00e4tze sollten beseitigt werden.<\/li>\r\n \t<li><strong>Insektizide \/ Repellentien\r\n<\/strong>\r\nDie M\u00fcckenbek\u00e4mpfung am Tier kann durch verschiedenste Spr\u00fch- und Waschlotionen erfolgen, die entweder synthetische [Wellcare Emulsion\u00ae, Mira Fliegenschutz\u00ae, Ardap Spray\u00ae, etc.] oder nat\u00fcrliche Inhaltsstoffe (Chrysanthemenextrakte, stinkende Tier\u00f6le, peruanische Pflanzenextrakte, etc.) [Bio-Killer\u00ae, Bremsenschutz Bisex\u00ae, Ascot Fliegenschutzlotion\u00ae, etc.] enthalten. Auch Ohmarken f\u00fcr Rinder, die am Halfter oder in der M\u00e4hne befestigt werden, sind benutzt worden [Flectron Ohrclips\u00ae]. Desweiteren werden die verschiedensten Knoblauch und Kr\u00e4uterpr\u00e4parate zur Gabe \u00fcber das Futter angeboten.<\/li>\r\n \t<li><strong>Bek\u00e4mpfung der Symptome am Pferd\r\n<\/strong>\r\nAuch hier gibt es verschiedene Ans\u00e4tze. Zum einen Medikamente und Pr\u00e4parate, die auf die betroffenen Stellen aufgetragen werden, um den Juckreiz und die Entz\u00fcndung zu bek\u00e4mpfen [Penochron\u00ae, Hydrocortiderm\u00ae, Somerol\u00ae, Leovet Biohaut\u00f6l\u00ae, etc.). Desweiteren verschiedene Pr\u00e4parate, die \u00fcber das Futter gegeben werden [\u00d6kozon\u00ae, Antioxidant formula\u00ae, etc). Auch ein hom\u00f6opathischer Ansatz [z.B. mit Allergosal\u00ae und Dermisal\u00ae] ist denkbar. In F\u00e4llen, in denen sonst keine Linderung zu erzielen ist, ist an einen t\u00e4glichen oralen Einsatz von Cortisonpr\u00e4paraten oder Antihistaminika zu denken.<\/li>\r\n \t<li><strong>Bek\u00e4mpfung der Ursache\r\n<\/strong>\r\nAls weiterer Therapieversuche sind die Eigenblutbehandlung und ihre Modifikationen (H\u00e4matogene Oxydationstherapie) m\u00f6glich, wie auch die Desensibilisierung. Bei der Desensibilisierung muss das Pferd nach Beginn des Desensibilisierungsschemas alle drei Wochen mit einem Serum gespritzt werden. Dieses muss 1-2 Jahre kontinuierlich geschehen, bevor man sich eventuell ausschleichen kann.<\/li>\r\n<\/ul>\r\n<h2><strong>Zusammenfassend l\u00e4sst sich sagen, dass die Besitzer eines an Sommerekzem erkrankten Pferdes meist erhebliche Anstrengungen und M\u00fchen auf sich nehmen m\u00fcssen, um dem Pferd m\u00f6glichst gut \u00fcber die Sommerzeit helfen zu k\u00f6nnen. <\/strong><\/h2>","type":"rich"}