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Trockene, spröde Hufe

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Intakte Hufe sind eine wichtige Voraussetzung für die Nutzung eines Pferdes.

Die Ansprüche, die an das Sportpferd gestellt werden, sind in den letzten Jahren ständig gestiegen. Züchterisch sind diese gestiegenen Ansprüche, zumindest im Bereich der Hufbeschaffenheit, noch nicht entsprechend berücksichtig worden. Auch im Bereich Pferdepflege und -haltung ist der Huf immer noch ein Stiefkind. Ein heute überall geforderter Maßstab für „ordentliche Pferdehaltung“ ist die saubere und vor allem trockene Einstreu. In der Regel wird Hufpflege mit einer trockenen Bürste durchgeführt, die durch ihre schmirgelnde Wirkung bei häufiger Anwendung die Glasurschicht des Hufes als äußere Schutzschicht schädigt. Diese Voraussetzungen führen dazu, dass der schon zu trockene Huf zusätzlich Feuchtigkeit verliert. Es folgt ein extrem trockener und spröder Huf. Der Schmied steht daher oft vor dem Problem, das Hufeisen überhaupt an brüchigem Hornmaterial befestigen zu können. Hornrisse und Hornspalte sind, trotz vielerlei Futterzusätze und täglichem Fetten der Hufe, häufiger denn je zuvor. Speziell in den Zeiten des Fellwechsels häufen sich Defekte im Wandhornbereich. Nicht selten kommt es hier zu massiven Problemen, wenn z. B. Hornspalten. Sie gehen im Bereich des Saumbandes so tief, dass die Lederhaut verletzt und zwischen den Hornanteilen eingeklemmt wird. Lange Stehzeiten mit zum Teil sehr ungenügender Heilungstendenz und unbefriedigenden Therapieergebnissen sind die Folge.

Anatomie des Hufes

Anatomisch ist der Huf ein mit Horn überzogenes Ende der Gliedmaße. Dieser „Hornschuh“ bedeckt das Hufbein, den nach hinten anschließenden Hufknorpel und das unten liegende Strahlkissen. Die Verbindung zwischen diesen Strukturen und dem Horn bildet die Huflederhaut. Sie ist ein Teil der äußeren Haut und ist statt mit Haaren mit Horn bedeckt. Die Huflederhaut wird auch als das „Leben“ im Huf bezeichnet, da sie reichlich mit Blutgefäßen und Nerven versorgt ist. Je nach Lokalisation unterscheiden wir Saum-, Kron-, Wand-, Sohlen- und Strahllederhaut. Das Horn für die äußere Hufwand wird von der Saum-, Kron- und Wandlederhaut gebildet. Die Saumlederhaut produziert eine gleichmäßig dünne glänzende Hornsubstanz, die sich als äußerer Schutzfilm über die Hufwand zieht. Sie wird auch wegen ihres Glanzes als Glasurschicht bezeichnet. Die Kronlederhaut bildet das Röhrchenhorn, den wesentlichen Anteil der Hufwand. Das Röhrchenhorn wird von der Krone nach unten bis zum Tragrand ständig nachgeschoben. Die Wandlederhaut schließt an den Kronsaum an und bedeckt die gesamte Wand unterhalb der Hornkapsel. Sie produziert ein sogenanntes Zwischenhorn, als Verbindungsschicht zwischen Hufwand und dem knöchernen Anteilen des Hufes. Von unten erkennt man diese Schicht als die „weiße Linie“, die Trennlinie des Tragerandes zum Sohlenhorn. Feuchtigkeitshaushalt des Hufhornes und seine Probleme? Physiologisch nimmt der Huf über das Röhrchenhorn durch Kapillarkräfte Feuchtigkeit auf. Diese Feuchtigkeit ermöglicht eine gewisse Elastizität der Hornkapsel. Die äußere Schutzschicht verhindert einen Verlust an Feuchtigkeit und stellt eine natürliche Barriere für Keime aller Art dar. Wird nun durch die schon angesprochene Hufpflege und Stallhygiene keine Feuchtigkeit angeboten, bzw. die äußere Schutzschicht durch übertriebenes und aggressives Reinigen geschädigt, trocknet der Huf ein, wird spröde und reißt. Vor allem im Bereich des sogenannten Hufmechanismusses kommt es wegen der stärkeren Beweglichkeit der Hornwand zu besonders starken Problemen wie Rissen und Ausbrechen der Hornwand. Je nach Lokalisation gehen diese Risse durch alle Schichten der Hornkapsel und es kommt zu einer Verletzung bzw. zu einer Infektion der Lederhaut. Weitere Komplikationen sind Hornsäule, lose und hohle Hufwände. Auch durch Verletzung des Saumbandes bzw. des Kronsaumes können die Horn- produzierenden Zellen so geschädigt sein, dass sie kein oder nur qualitativ minderwertiges Horn bilden. Dies führt zu Horndefekten in der Glasurschicht bzw. dem Röhrchenhorn.

Es gibt verschiedene Systeme mit denen Horndefekte geschlossen werden können

Kunsthorn, Hornspaltklammern aus Metall und Kunststoff und bestimmte Polsterplatten zur Entlastung der Hornwand werden erfolgreich eingesetzt.

Vorbeugende Massnahmen

Trotz alledem sollte man frühzeitig versuchen, trockene Hufwände durch eine entsprechende Behandlung zu vermeiden. Vorsicht bei der Pflege des Hufes mit aggressiven Materialien oder Substanzen sollte selbstverständlich sein. Wässern des Hufes hilft oft mehr als die eher kosmetische Versorgung des Hufes mit Huffett. Die Ernährung spielt bei der Hornzusammensetzung eine deutliche Rolle. Hufhorn-verbessernde Zusatzfutter sind heute in einer Vielzahl auf dem Markt. Nicht alle erfüllen die Kriterien an eine wissenschaftlich abgesicherte Wirkungsweise.

Eine Beratung durch den Hufschmied oder Pferdetierarzt hilft bei der Auswahl.

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