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Sonnenbrand, Hitzschlag, Sommerekzem – oft unterschätzte Themen in der Pferdehaltung

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Der Sommer ist für unsere Pferde klimatisch die problematischste Zeit.

Durch eine im Verhältnis zur Körpermaße nur sehr kleine Oberfläche wird die anfallende Hitze auch nur langsam wieder abgegeben. Intensives Schwitzen hilft dem Pferd durch die entstehende Verdunstungskälte die Körpertemperatur auf einen Normalwert zwischen 37.5 und 38.3 Grad Celsius zu halten. Direkte Sonneneinstrahlung führt schnell zu Überhitzung. Beste Vorbeuge ist ausreichende Wasserversorgung und vor allem Schatten. Eine Weide im Sommer ohne Schatten ist nicht pferdegerecht. Durch einen Schattenspendenden Baum oder eine Weidehütte ist das auch leicht zu gewährleisten. Überhitzung wird so vermieden und Sonnenbrand vorgebeugt. Aufmerksamen Beobachtern wird es aufgefallen sein, dass ́die Weidehütten im Sommer von den Pferden gut angenommen werden. Im Gegensatz dazu, benutzen die Pferde im Winter für unser menschliches Verständnis die Hütten nur sehr wenig oder gar nicht. Kälte und Regen sind für unsere Pferde nicht belastend. Bei extremer Empfindlichkeit der Pferde gegen Sonne und Hitze empfiehlt es sich die Pferde nachts auf die Weide zu stellen und tagsüber im Stall zu lassen. Fliegenschutz- und UV-Schutznetze zum Schutz von Kopf und auch für den gesamten Körper sind mittlerweile überall zu bekommen. Die so eingedeckten Pferde sehen zwar eigentümlich aus, die Wirksamkeit ist sehr gut und die Pferde tolerieren diese Kopf- und Körperbedeckungen durchweg. Ein intensiveres Problem stellt das Sommerekzem des Pferdes dar. Es wird bei uns fälschlicherweise auch als „Sommerräude“ bezeichnet, in anderen Ländern auch mit den Begriffen „Sweet itch“, „Queensland itch“ oder „summer itch“ benannt. Es handelt sich um eine, meist jeden Sommer wiederkehrende, allergische Hautentzündung, die für die betroffenen Pferde und auch für die Besitzer zu einer Qual werden kann. Das Sommerekzem kommt weltweit vor, wobei ein gehäuftes Auftreten bei Kleinpferden beschrieben wird. In der Gesamtpferdepopulation sind ca. 2% aller Pferde aller Altersklassen, meist aber ab dem Alter von 3 Jahren an, betroffen. Bei den Islandpferden existiert das Problem in Island selber nicht, aber bei nach Deutschland exportierten erwachsenen Pferden liegt die Häufigkeit bei 25%. In Deutschland aufgewachsene Islandpferde sind allerdings nur zu 5% betroffen. Dies schreibt man dem Einfluss von Schutzstoffen über die Stutenmilch und einer frühen Auseinandersetzung des Körpers mit den Ursachen des Sommerekzems hier in Deutschland zu. Man unterscheidet drei verschiedene Ausprägungsformen: die dorsale, die ventrale und die dorsoventrale Form. Bei der dorsalen Form sind der Kopf, die Ohren, die Rückenlinie und Schweifrübe betroffen, während die ventrale Form die Bauchmitte, die Axeln, Schenkelinnenseiten, Brustkorb und den Kehlgang umfasst. Bei der dorsoventralen Form können alle Bereiche betroffen sein. Die Krankheit beginnt mit Juckreiz und Schuppenbildung, die dann in Krusten und Borken übergehen. Es kommt zum Haarausfall, die Haut erscheint verdickt, gefältelt und trocken. Mähne und Schweifrübe bestehen nur noch aus Haarstoppeln. Oft entwickelt sich ein unstillbarer Juckreiz mit Blutigscheuern der betroffenen Hautbezirke, die sich dann auch sekundär infizieren können. Die auslösende Ursache ist eine allergische Reaktion auf den Speichel von Gnitzen/Mücken der Gattung Culicoides. Es gibt dabei verschiedene Arten, die eine unterschiedlich starke Reaktion hervorrufen können. Als weitere Ursachen wird eine Reaktion der Haut auf Sonnenlicht, die durch bestimmte Pflanzen hervorgerufen werden kann, diskutiert. Auch eine gewisse genetische Veranlagung existiert, da eine familiäre Häufung beobachtet werden kann. Der Lebenszyklus der Culicoides-Mücken verläuft folgendermaßen: Die erwachsenen Mücken sind schlanke, zweiflügelige Insekten, die bis 2 mm groß sind. Die Eiablage erfolgt in matschige oder sandige Ränder von stehendem oder langsam fließendem Wasser oder in feuchte Stellen von Kompost, Laub oder Kothaufen. Aus den Eiern entwickeln sich Larven, die sich verpuppen und dann als Erwachsene schlüpfen. Der gesamte Zyklus dauert 3-4 Wochen. Nur die weiblichen Tiere saugen Blut und entfernen sich zum Blutsaugen nicht weit von den Eiablagestellen. Die Hauptaktivität der Mücken liegt in der Morgen- und Abenddämmerung bei windstillem Wetter mit Temperaturen über 9 Grad Celsius. Die Saison dauert meist von März bis Oktober. Die Diagnose „Sommerekzem“ wird meist anhand der typischen Symptome gestellt, wobei auch noch eine Hautbiopsie zur endgültigen Absicherung herangezogen werden kann. Der Hautallergietest wäre zwar das Mittel der Wahl, aber ist aufgrund der zu teuren Testbestandteile nicht praktikabel. Alternativ wird häufig ein Allergietest anhand einer Blutprobe angeboten. Es gibt sehr viele verschiedene Therapieansätze, die in der folgenden Aufzählung nicht bewertet werden, da jeder Pferdebesitzer unterschiedliche Erfahrungen mit den verschiedenen Methoden macht und jedes Pferd anders reagiert. Des Weiteren erhebt die folgende Aufzählung keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit. Es ist wichtig zu wissen, dass ein Tag mit Mückenkontakt die Allergie wieder für ca. drei Wochen aufflammen lässt. Der beste Schutz für das Pferd besteht in der Stallhaltung zu den Hauptflugzeiten der Mücken, nämlich zwischen 4 Uhr nachmittags bis 10 Uhr morgens. Die Fenster des Stalls sollten mit sehr feinen Fliegennetzen vergittert werden (< 2mm) und Ventilatoren können den Mückenflug verringern. Mögliche Eiablageplätze sollten beseitigt werden. Die Mückenbekämpfung am Tier kann durch verschiedenste Sprüh- und Waschlotionen erfolgen, die entweder synthetische [Wellcare Emulsion®, Mira Fliegenschutz®, Ardap Spray®, etc.] oder natürliche Inhaltsstoffe (Chrysanthemenextrakte, stinkende Tieröle, peruanische Pflanzenextrakte, etc.) [Bio-Killer®, Bremsenschutz Bisex®, Ascot Fliegenschutzlotion®, etc.] enthalten. Die schon oben beschriebenen Fliegenschutzdecken für Kopf und Gesamtkörper des Pferdes sind auch gegen die Insektenproblematik sind effektiv. Ohmarken für Rinder, die am Halfter oder in der Mähne befestigt werden, werden benutzt [Flectron Ohrclips®]. Des Weiteren werden die verschiedensten Knoblauch und Kräuterpräparate zur Gabe über das Futter angeboten. Auch hier gibt es verschiedene Ansätze. Zum einen Medikamente und Präparate, die auf die betroffenen Stellen aufgetragen werden, um den Juckreiz und die Entzündung zu bekämpfen [Penochron®, Hydrocortiderm®, Somerol®, Leovet Biohautöl®, etc.). Desweiteren verschiedene Präparate, die über das Futter gegeben werden [Ökozon®, Antioxidant formula®, etc). Auch ein homöopathischer Ansatz [z.B. mit Allergosal® und Dermisal®] ist denkbar. In Fällen, in denen sonst keine Linderung zu erzielen ist, ist an einen täglichen oralen Einsatz von Cortisonpräparaten oder Antihistaminika zu denken. Im Einzelfall ist bei der Medikation der Status des Pferdes als Lebensmitteltier / Nichtlebensmitteltier zu beachten. Als weiterer Therapiversuche sind die Eigenblutbehandlung und ihre Modifikationen (Hämatogene Oxydationstherapie) möglich, wie auch die Desensibilisierung. Bei der Desensibilisierung muss das Pferd nach Beginn des Desensibilisierungsschemas alle drei Wochen mit einem Serum gespritzt werden. Dieses muss 1-2 Jahre kontinuierlich geschehen, bevor man sich eventuell ausschleichen kann. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Besitzer eines an Sommerekzem erkrankten Pferdes meist erhebliche Anstrengungen und Mühen auf sich nehmen müssen, um dem Pferd möglichst gut über die Sommerzeit helfen zu können. Auch Pferde ohne ein Sommerekzem sind durch Hitze und Sonneneinstrahlung stark belastet. Sonnenschutz und entsprechende Wasserversorgung müssen auf einer Pferdeweide eine Selbstverständlichkeit sein.
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